Transfers haben einen grossen Einfluss auf den Verlauf von Fussballer-Karrieren – vor allem, wenn die Spieler noch sehr jung sind.
In der Schweiz wird gerade wieder viel über die Karriereplanung von Xherdan Shaqiri gesprochen. Der zurückgekehrte Star des FC Basel wechselte 2012 im Alter von 21 Jahren zum FC Bayern, spielte danach unter anderem auch für Inter Mailand und den FC Liverpool. Der heute 32-Jährige dürfte zufrieden sein mit seiner Karriere, in der er zweimal die Champions League gewann und sowohl deutscher als auch englischer Meister wurde.
Dennoch werden viele das Gefühl nicht los, dass Shaqiri, der auf Klub-Ebene häufig nur Ersatzspieler war, mehr hätte machen können aus seinem Talent. Gerade im Vergleich mit Granit Xhaka, der im selben Jahr den FCB verliess. Der ein Jahr jüngere Mittelfeldspieler ging über Mönchengladbach zu Arsenal und dann zu Leverkusen. Überall war Xhaka Stammspieler, in der letzten Saison war er eine der prägenden Figuren von Leverkusens Fabelsaison.
Es gibt viele Beispiele, wie ein früher Wechsel zu einem Topklub die Karriere eines Fussball-Wunderkinds beeinflusste – im Positiven wie im Negativen. Eines davon ist Mario Götze, der ein Jahr nach Shaqiri ebenfalls nach München wechselte. Der damals 21-Jährige kam von Borussia Dortmund, heute bezeichnet er diesen Transfer als Fehler.
Im am Mittwoch erschienenen Buch «Stimmen der Eintracht» schreibt Mario Götze einen Brief an sein jüngeres Ich, der auch bei der «Zeit» veröffentlicht wurde. Darin rät der heutige Frankfurt-Profi: «Bleibe noch ein bisschen länger in Dortmund. Es wird dir und deiner Entwicklung guttun.»
Gerade wegen des Trainers hätte Götze ein Verbleib beim BVB in seinen Augen weitergeholfen. «Ich konnte nicht einordnen, was es für ein Glück war, mit Jürgen Klopp zusammenzuarbeiten», so der mittlerweile 32-Jährige, der anfügt: «Und ich habe gedacht: Alle Trainer sind so wie Jürgen.» Nun müsse er selbst darüber lachen, denn dies sei definitiv nicht der Fall. «Keiner sonst ist so», fügt er an und erklärt: «Im Nachhinein hätte ich länger bei ihm bleiben sollen.»
Dass Götze damals zum FC Bayern wechselte, lag einerseits an seiner Verbindung zu München, in dessen Nähe er bis zu seinem zehnten Lebensjahr aufgewachsen war. Andererseits schreibt der Mittelfeldspieler: «Ich war verbohrt.» Er habe sich den Wechsel trotz der Erfolge mit Borussia Dortmund – zwei Meisterschaften und ein Triumph im DFB-Pokal – in den Kopf gesetzt. Götze wollte unbedingt zu Bayern und Pep Guardiola, dessen Spielstil beim FC Barcelona ihn sehr beeindruckt habe. «Ich konnte nicht anders», schreibt der 66-fache deutsche Nationalspieler, der glaubt: «Den Menschen, der mich davon hätte überzeugen können, meine Entscheidung zu ändern, gab es nicht.»
Bemerkenswert an Götzes Geschichte ist auch, dass ihm sein Berater entgegen dem verbreiteten Berufsklischee, nur auf persönliche Gewinnmaximierung aus zu sein, von dem Wechsel abriet. «Bleibe noch zwei Jahre in Dortmund, ist besser für dich», habe ihm Volker Struth geraten. Erst später wurde Götze klar, dass die Menschen um ihn herum recht hatten. «Ich hätte geduldiger sein sollen», findet der Weltmeister von 2014 im Rückblick.
So richtig glücklich wurde Götze bei den Bayern nie, nach drei Jahren kehrte er nach Dortmund zurück. Neuen Schwung konnte er seiner Karriere aber erst bei PSV Eindhoven verleihen, von wo er 2022 dann nach Frankfurt und somit zurück in die Bundesliga wechselte. Bei der Eintracht ist er seither Stammspieler.
Die Erfahrungen von Götze könnten auch für andere junge Fussballer Gold wert sein. Nicht jeder ist ein Jude Bellingham, der mit 20 Jahren zu Real Madrid wechselte und von Beginn weg klarmachte, dass er genau da hingehört. Für manchen Fussballer würde ein weiteres Jahr in gewohntem Umfeld oder ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einem Topklub wohl Sinn machen. Wie Götze müssen diese die Erfahrungen jedoch selbst machen. Auch der deutsche WM-Final-Held weiss in Bezug auf sein jüngeres Ich: «Du schlägst meine Ratschläge in den Wind, darauf wette ich.»
Hätte es bei Götze geklappt hätte er alles richtig gemacht...aber eben... hätte hätte hätte....