2022 gewann er im Alter von 19 Jahren die US Open und stieg zur jüngsten Nummer 1 in der Geschichte des Männertennis auf. Inzwischen ist Carlos Alcaraz vierfacher Grand-Slam-Sieger. Auf 42 Millionen Dollar beziffert das Wirtschaftsmagazin «Forbes» die Einnahmen des Spaniers allein im letzten Jahr, «nur» etwas mehr als 10 Millionen entfallen auf Preisgelder.
Drei Mal so fliesst ihm aufs Konto, weil er Luxusmarken sein Gesicht als Werbeträger leiht. Aber mit nichts lässt sich für den Hochbegabten so viel Geld in so kurzer Zeit verdienen wie mit Schaukämpfen. Demnächst erlebt Carlos Alcaraz den Zahltag seines Lebens. Mitte Oktober nimmt er am Six Kings Slam (16. bis 19. Oktober) in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad teil.
Das Teilnehmerfeld ist illuster: Jannik Sinner, die Nummer 1 der Welt, und US-Open-Sieger, Grand-Slam-Rekordsieger Novak Djokovic (24 Titel), der 22-fache Grand-Slam-Sieger Rafael Nadal, Daniil Medwedew, dazu Holger Rune. Im Wüstenstaat geht es weder um Weltranglistenpunkte noch um sportliche Meriten. Sondern um Geld: Alleine das Erscheinen soll mit 1,5 Millionen Dollar honoriert werden, der Sieger erhält 6 Millionen. Das ist doppelt so viel wie das, was Alcaraz für seinen Wimbledon-Sieg bekam.
Zeitgleich spielt die Konkurrenz des distinguierten Sextetts im belgischen Antwerpen, in Stockholm oder in der kasachischen Hauptstadt Astana um einen Titel, um Weltranglistenpunkte und um vergleichsweise lächerliche 150'000 Franken Preisgeld für den jeweiligen Sieger. Die Turniere gehören der ATP-250er-Kategorie und damit der tiefsten Klasse im Kalender an.
Gespielt wird in Saudi-Arabien an drei Tagen, wobei der Final nach einem Ruhetag über die Bühne geht. Ein Trick der Organisatoren. Denn das Regelwerk der Profi-Vereinigung des Männertennis (ATP) verbietet es Spielern, während der Saison an «inoffiziellen Veranstaltungen» teilzunehmen, die an «drei oder mehr aufeinanderfolgenden Tagen» stattfinden.
Wer dagegen verstösst, verliert seinen Platin-Status. Über diesen erhalten die Sportler Zugang zum Bonuspool am Ende des Jahres sowie zu Rentenbeiträgen. Der Bonuspool ist eine Art Gewinnbeteiligung an den Profiten der Turniere und umfasste 2023 die Rekordsumme von 33,5 Millionen US-Dollar, die unter den Spielern nach einem nicht öffentlichen Schlüssel aufgeteilt wurden.
Beim jüngst in Berlin ausgetragenen Laver Cup von Roger Federer, bei dem ebenfalls stattliche Antrittsgagen, ein Preisgeld von 250'000 Franken für jeden des Siegerteams ausgeschüttet werden und zu dem auch nur ein exklusiver Zirkel der Weltbesten Zugang hat, wählte Alcaraz deutliche Worte.
«Mit diesem Kalender töten sie uns», antwortete der 21-Jährige auf die Frage, ob die Tennissaison nicht überfrachtet sei. Eine Kritik, der Alexander Zverev beipflichtete. «Die Gesundheit der Spieler ist in Gefahr. So kann es nicht weitergehen», sagte der Deutsche, ebenfalls gern gesehener Gast bei Schaukämpfen in Saudi-Arabien. Zwischen Ende Dezember und Mitte November werden 70 Turniere verschiedenster Kategorien ausgetragen.
Spieler, die in den Top 30 der Weltrangliste klassiert sind, müssen neben den Grand-Slam-Turnieren an acht oder neun Masters-1000-Turnieren teilnehmen, sofern sie nicht verletzt sind. Davon ausgenommen sind Spieler, die über 30 Jahre alt sind, mehr als 600 Spiele auf der ATP-Tour absolviert haben und seit mehr als 12 Jahren auf der ATP-Tour spielen.
Wer seinen Verpflichtungen ohne triftigen Grund (eine Verletzung) nicht nachkommt, dem wird der Anteil der Bonuszahlungen Ende Jahr (bis zu 3 Millionen Dollar pro Spieler) gekürzt. Weitere Konsequenzen gibt es nicht.
Carlos Alcaraz und Alexander Zverev sind offenbar auf einem Auge blind.
Denn die Kritik offenbart eine irritierende Ignoranz gegenüber schlechter klassierten Spielern oder solchen, die verletzt sind und in dieser Zeit gar kein Einkommen haben. Sie haben nur wenige oder gar keine Sponsoren und werden nicht mit Millionen für Schaukämpfe nach Saudi-Arabien gelotst. Sie sind darauf angewiesen, dass sie jede Woche Turniere bestreiten können, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Absurd ist der Aufschrei von Alcaraz und Zverev auch deshalb, weil sie ihren Kalender mit Turnieren wie dem Laver Cup und Schaukämpfen aufblähen, die sie freiwillig bestreiten, weil sie gut bezahlt sind. Alcaraz zum Beispiel spielte im März in Las Vegas gegen Rafael Nadal, nachdem er in der Vorwoche wegen einer Verletzung am Sprunggelenk in der ersten Runde des ATP-Turniers von Rio de Janeiro hatte aufgeben müssen.
Nüchterner betrachtet es die Nummer 1 der Welt, Jannik Sinner. «Als Spieler habe ich die Wahl, ob ich ein Turnier bestreite oder nicht. Du musst nicht jedes Turnier spielen», sagte der Italiener, der derzeit in Peking antritt.
Oder Novak Djokovic. Der kündigte jüngst an, am liebsten nur noch die Grand-Slam-Turniere und für Serbien spielen zu wollen. Und wenn ein Scheich mit seinen Öl-Millionen lockt, dann fliegt er eben für ein paar Tage nach Saudi-Arabien und beklagt sich nicht über den Kalender.
Aber darüber jammern, dass es zuviel ist und dann bei Schauturnieren mitmachen ist aber etwas.. speziell. Insbesondere die Tennisspieler stellen sich ihr Jahresprogramm doch selbst zusammen?
Ist aber halt leider irgendwie normal geworden, dass in Wüstenstaaten Weltsport stattfindet.
Man geht ja auch nach Dubai in die Ferien. Völlig normal..