Argentinien beendete Hitzfelds Karriere – was Messi ihm danach sagte
Es ist der 1. Juli 2014 in São Paulo. Kurz nach 10 Uhr morgens. Die Metrostation Corinthians-Itaquera, ein paar Minuten vom Stadion entfernt, ist himmelblau-weiss. Die argentinischen Fans singen. Voller Sehnsucht. Voller Melancholie. In Erwartung des nächsten Weltmeistertitels. Der singende Gruss an Erzrivale Brasilien: «Maradona ist grösser als Pelé.»
Ein Tag bricht an, den die Schweiz nicht so schnell vergessen wird. Der WM-Achtelfinal gegen Argentinien ist das grösste Spiel der Neuzeit. So viel Herz. So viel Leidenschaft. Aber so viel Pech. Die Nati hat Messi und Co. am Haken. Aber dann kommt diese 118. Minute. Dieser eine Moment, in dem der Schweiz die Kontrolle entgleitet. Messi läuft auf und davon. Pass auf Di Maria. 0:1. Die Schweiz stürzt ins Tal der Tränen.
An der Seitenlinie steht Ottmar Hitzfeld. Der Tag ist für ihn doppelt emotional. Am Tag vor dem Spiel ereilt ihn mit dem Tod seines Bruders Winfried ein Schicksalsschlag. Der WM-Achtelfinal gegen Argentinien ist das letzte Spiel seiner grossen Trainerlaufbahn.
12 Jahre später blickt der mittlerweile 77-jährige Hitzfeld zurück: «Das Viertelfinale gegen Argentinien 2026 weckt natürlich Erinnerungen ans Achtelfinale von 2014 an der WM-Endrunde in Brasilien», sagt er:
Das grosse Lob von Superstar Messi
Damals wie heute steht bei Argentinien einer im Fokus: Lionel Messi. Hochbegabter. Genie. Vielleicht sogar Fussballgott. Hitzfeld erinnert sich an eine Episode auf dem Weg zur Pressekonferenz nach dem Spiel:
Wahrlich, das Glück ist den Schweizern nicht hold in der Hitze von São Paulo. Wie Blerim Dzemaili in den Schlusssekunden an den Pfosten köpfelt und dann den Ball mit dem Schienbein ins Aus stolpert. Wie Torhüter Diego Benaglio noch zum Fallrückzieher ansetzt. Wie die Schweizer nach Spielende darnieder sinken. Das alles hat sich im kollektive Fussball-Gedächtnis des Landes eingenistet.
Trainer Hitzfeld sagt im Rückblick:
Hitzfeld: «Mir imponiert die Arbeit von Yakin»
Vielleicht haben die Fussball-Götter zwölf Jahre später für die Schweiz ja ein anderes Ende vorgesehen. Hitzfeld verfolgt das Team mittlerweile als Fan. Und spricht seinem Nach-Nachfolger ein grosses Kompliment aus:
Nicht nur was das Fachliche betrifft, ist Hitzfeld angetan von Yakin. Auch seine Ausstrahlung imponiert ihm. «Murat Yakin wirkt auf mich sehr sympathisch und authentisch. Das ist meine Wahrnehmung von aussen, als TV-Zuschauer oder Zeitungsleser.» Und er ergänzt: «Er wirkt dadurch, dass er sich nicht verstellt, sehr glaubwürdig. Er zeigt auch, wenn ihm etwas Sorgen bereitet, wie etwa im Vorfeld des Achtelfinalspiels gegen Kolumbien die Fragezeichen um Manzambi, Vargas und Aebischer. Diese menschliche Seite trägt meines Erachtens auch viel zum offensichtlich guten Spirit in der Schweizer Delegation bei.»
Die Revanche für Xhaka und Rodriguez
Aus dem Schweizer Team von 2014 sind 2026 nur noch zwei Akteure dabei: Captain Granit Xhaka und Ricardo Rodriguez. Damals sind beide 21-jährig. Stehen am Anfang ihrer glorreichen Karriere. Die WM in Brasilien ist das erste grosse Turnier der beiden. Sie sammeln Erfahrungen, von denen sie selbst – und die Nati – noch heute profitieren.
Unvergesslich ist diese WM 2026 aus Schweizer Sicht sowieso schon. Aber ein Triumph über Messi und Argentinien, das die Sehnsucht ihrer Fans nach dem Weltmeistertitel 2022 erfüllt hat? Es wäre die Krönung einer Generation, deren Entwicklung unter Ottmar Hitzfeld begann.
Dzemailis Erinnerungen
«Für mich war es relativ schnell abgehakt», sagt Blerim Dzemaili zwölf Jahre nach seinem Kopfball an den Pfosten. «Als Fussballer muss man nach vorne schauen.» Vielleicht gelingt der Schweiz dieses Mal ein Sieg. «Auch für mich wäre das eine Genugtuung.»

