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Footeco vom Kind zum Profi

Ob wir einem von ihnen einmal in der Nati zujubeln? FE12-Talente beim Stützpunktturnier von GC, dem FCZ und Winterthur in Schwamendingen. bild: watson

Der Weg zum Fussballstar: Wie die Schweiz den nächsten Embolo findet

Früher tingelten die Scouts durch die Provinz in der Hoffnung, für ihren Verein den nächsten Stéphane Chapuisat zu finden. Diese Zeiten sind längst vorbei. Wer heute Talent hat, fällt kaum mehr durch die Maschen. Es fragt sich höchstens: Spielt der nächste Embolo in meinem Bezirk?



Ein kalter Sonntag im November auf dem Heerenschürli, Schwamendingen: Die 200 talentiertesten 12-Jährigen des Kantons tragen auf 16 Teams verteilt ein Turnier aus. Adrian fällt sofort auf. Der Spieler des FCZ-Stützpunkts Meilen schiesst für sein Team die ersten vier Tore beim klaren Sieg. Ist er der neue Embolo am Schweizer Fussballhimmel? Vielleicht.

Fakt ist: Praktisch jedes Kind, das irgendwann mal in Berührung mit Fussball kam, träumt von einer Profi-Karriere. Früher gehörte neben viel Talent und Wille fast noch mehr Glück dazu, um überhaupt von Grossklubs entdeckt zu werden. Einer von 1000 schafft den Durchbruch, so die gängige Faustregel. Sie gilt noch heute. Allerdings hat sich vieles verändert.

Um ein Talent wie Adrian hätten sich die Grossklubs früher gerissen und gezankt und womöglich wäre den Eltern der rote Teppich ausgelegt worden. Heute ist das nicht mehr so. «Natürlich hätten wir Adrian gerne bei GC», sagt GC-Footeco-Chef Johannes Moos. «Aber er wurde dem FCZ zugeteilt. Wir haben dafür andere Spieler.»

Footeco vom Kind zum Profi

Wer von den Kids schafft es zum Profi? Sicher ist einzig: Sehr wenige. bild: watson

Die vermeintliche Gleichgültigkeit von Talent-Chef Moos hat einen einfachen Grund: In der Schweiz geht kaum mehr ein möglicher, zukünftiger Star vergessen. Im engmaschigen Ausbildungsnetz bleibt der geschickteste Dribbler hängen. Die Vereine arbeiten heute eng zusammen – und bei den Jüngsten tun dies selbst die Profiklubs. Denn hier, bei den 11- bis 13-Jährigen werden technisch wie auch psychologisch wichtige Weichen gestellt. «Bis zur FE14 herrscht Austausch und Zusammenarbeit, erst ab der Stufe U15 wird die Rivalität intensiver», sagt Roman Hangarter, der Technische Leiter von GC.

Das Zauberwort heisst Footeco.

Seit 2012 sucht und fördert der Schweizer Verband seine Talente mit diesem System. Grabenkämpfe um junge Spieler gehören der Vergangenheit an. Die Liga unterstützt das Vorhaben mit jährlich einer Million Franken. Dabei wird das Land in vier Regionen unterteilt:

Dandong China Nordkorea

Die vier Regionen der Footeco-Schweiz. bild: footeco

Innerhalb dieser Regionen folgt eine feinere Aufteilung nach Klubs. Der Kanton Zürich bildet mit den drei Vereinen GC, FCZ und Winterthur dabei einen Sonderfall. So wird der Kanton bis auf Dorfebene eingeteilt:

Footeco Regionen Zürich

Ein Talent des FC Wetzikon «gehört» also eigentlich dem FC Zürich, von Wettswil führt der Weg über GC und Effretiker Hoffnungsträger machen die ersten zaghaften Schritte zum Profi beim FC Winterthur. Sieht GC dann bei einem Stützpunktturnier ein grosses Talent, das dem FCZ zugeteilt wurde, dann ist das halt Pech. Abgeworben werden die Talente nicht. So wie Adrian. «Er wird seinen Weg wohl beim FCZ machen», gesteht Moos.

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Alle FE12-Stützpunkt-Regionen der Schweiz. bild: footeco

Die besten Kicker ins Zusatztraining

Die Talente werden kaum mehr «klassisch» entdeckt. Sie werden von ihren Vereinen gemeldet. Das nächste Mal sind alle Fussballklubs bis am 10. Dezember 2016 aufgerufen, ihre Besten mit Jahrgang 2006 mit einem Formular den grossen Klubs mitzuteilen. 

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Zwei wichtige Erkenntnisse vom Stützpunktturnier: Eltern müssen draussen bleiben und dürfen nicht an den Spielfeldrand. Und Mädchen werden natürlich auch gefördert. Sie sind ein Jahr älter, spielen aber im Footeco-Bereich mit und gegen die Jungs. Video: streamable

Der Fussballverband lädt die Talente dann zu drei Sichtungstrainings im Frühling ein. Dort werden sie in drei Töpfe eingeteilt: 

Vom Kind zum Profi

watson zeigt in einer losen Serie den Weg vom Kind zum Fussball-Profi. Dieser Artikel ist der Startschuss dazu.

Die Spieler aus Topf A und diejenigen aus B, für welche es reicht, werden ab dann wöchentliche FE12-Stützpunkttrainings (FE = Footeco) zusammen absolvieren, welche vom Profiklub organisiert werden. Im Fall von GC befinden sich diese in Rapperswil, Wettswil, beim Juchhof, Glattbrugg und Limmattal. An jedem Ort trainieren ca. 16 bis 18 Junioren. Die Auswahl erfolgt dabei nicht willkürlich, sondern gemäss einem ziemlich ausführlichen Bewertungsbogen, welcher die Bereiche Technik, Intelligenz, Persönlichkeit und Schnelligkeit abdeckt.

Bild

Nach diesen Kriterien werden die Kinder bewertet.

Ebenfalls berücksichtigt wird der Entwicklungsstand. Ein im Januar geborener Junior, hat nun mal fast ein Jahr Vorsprung auf ein Dezember-Kind. Damit dann nicht nur die «Ältesten und Stärksten» ausgewählt werden, wird darauf geachtet, dass aus jedem Jahresdrittel etwa gleich viele Kinder die erste Auswahl überstehen. «Der beste 10-Jährige ist nicht immer der, der es auch schafft. Die aktuelle Leistung ist weniger wichtig als das Potential», sagt Roman Hangarter.

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Im Footeco-Bereich bleiben die Kids für ihren Stammverein spielberechtigt.

Wenn der Sohn des Trainers statt der beste Kicker gemeldet wird

«Das Eingangsfenster ist relativ gross», sagt Johannes Moos, Footeco-Chef von GC. Zu ist die Türe danach für andere Talente natürlich noch nicht. Denn die grösste Herausforderung bleibt: Wer garantiert, dass die Trainer in den Dorfklubs auch wirklich die Talente erkennen und nicht einfach beispielsweise der Trainer- oder Präsidentensohn gemeldet werden? «Dieses Problem existiert in der Tat. Obwohl die Zusammenarbeit meist gut ist, geht es teilweise gar in die andere Richtung: Die besten Talente werden versteckt, damit sie weiterhin beim eigenen Verein bleiben», erzählt Moos.

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Schauplatz Stützpunktturnier in Schwamendingen. Die Kinder müssen selbst entscheiden, ob der Ball draussen war oder eben nicht. Video: streamable

Sinnvoll ist dies meist nicht. Denn bis zur FE14 gehören die Spieler weiterhin ihren Stammklubs, trainieren und spielen dort und sollten – wenn es nicht mehr reicht für den nächsten Entwicklungsschritt beim Grossklub – zurück zum eigenen Verein. Logisch, dass das nicht alle machen, sondern dann in der Region zum besten Juniorenteam wollen. Aber in den meisten Fällen klappt die Rückkehr und der Stammverein profitiert von einem gut ausgebildeten Spieler.

Nach gut einem Jahr fällt die Hälfte weg

Um «versteckte» oder «nicht erkannte» Talente zu finden, besucht Moos selbst wöchentlich bis zu sechs Juniorenspiele: «Fünf von sechs Fahrten sind vergebens, aber manchmal findet sich so noch einer», sagt er. Die meisten Vereine hätten erkannt, dass das System am Ende allen hilft.

Während dem Jahr mit Stützpunkttrainings finden auch immer wieder Turniere der drei Klubs statt. Ende November war es zuletzt in Schwamendingen so weit. 16 Teams massen sich in zwei Achtergruppen. Eine Rangliste wurde nicht erstellt, Schiedsrichter gab es keine, Trainer hielten sich meist zurück. Es ist einer der Grundgedanken von Footeco. Die rund 200 Kinder sollen Spass haben und spielen, den Gegner respektieren und Fairplay leben.

Footeco vom Kind zum Profi

Kampf um jeden Ball, aber fair soll es sein. bild: watson

Der Konkurrenzkampf ist noch nicht sehr ausgeprägt. Natürlich sehen die jungen Fussballer auch, dass Spieler wie Adrian besonders auffallen. Aber ob sie ihn auch als Konkurrenz wahrnehmen? Wohl kaum. Dies kommt noch früh genug. Denn nach 18 Monaten Stützpunkttraining werden die Kinder bei den Grasshoppers in vier FE13-Mannschaften aufgenommen – oder eben nicht. In der FE12 existieren beispielsweise bei GC neben den fünf Stützpunkt-Teams drei GC-Equipen. Aus acht mach vier, da bleibt gut die Hälfte auf der Strecke.

Gibt es so wirklich mehr Talente?

Bei den «regulären» GC-Teams auf FE12-Stufe spielen nicht unbedingt die ursprünglichen Jahrgangsbesten. Weil sie aber von drei wöchentlichen Trainings profitierten, sind sie anderen eher voraus. «Die Frage ist dann: War er talentierter oder sind die besseren Leistungen die Folge der Trainings?», sagt Moos.

Footeco vom Kind zum Profi

Der Goalie muss mindestens eine Partie auch als Feldspieler absolvieren. bild: watson

Für Moos – und viele andere auch – ist klar: «Footeco ist vom Talentgedanken her super. Um bewerten zu können, ob das Footeco Programm tatsächlich mehr Talente hervorbringen wird, müssen wir noch abwarten.» Wird Adrian seinen Weg machen? Man weiss es nicht. Die Geschichten sind bekannt: Ronaldo, der Brasilianer, sei auch nicht der allerbeste Junior gewesen. Anderen Teamkollegen trauten viele in frühen Jahren die Megakarriere eher zu, welche «Il Fenomeno» am Ende erlebte. 

So bleibt noch unklar, ob Footeco den Schweizer Fussball an der Spitze wirklich besser macht. Die Spieler mit Jahrgang 2001 konnten als erste vom ganzen Programm profitieren, sie kommen jetzt langsam an die Schwelle zum Profitum. Ob es noch immer einer von 1000 schafft? Hangarter sagt: «Wir werden es sehen. Auch wenn es zwei von 1000 schaffen würde es bedeuten, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»

Sie sind schon fast am Ziel: Das sind die grossen Talente, auf welche die Welt 2016 blickte

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Syptom 07.12.2016 00:06
    Highlight Highlight Mir persönlich ist das Footeco-System fast ein bisschen zu weit weg vom normalen Fussball. Insbesondere da bei D-Junioren aufs C-Juniorentor gespielt wird (beim immernoch kleinen D-Jun.-Feld). Wer in dem Alter einen guten Schuss hat, haut alle Bälle über die jungen, kleinen Torhüter ins grosse Tor. Der Zusammenspielgedanke fällt ein wenig weg. Ausserdem ist der Schritt aus dem Footeco raus dann mMn auch grösser, weil sich das Spiel in der Feldgrösse und Spielminutenzahl arg vergrössert.
    Ich fühl mich da als Juniorentrainer im normalen Breitensport um einiges Wohler.
  • Mia_san_mia 06.12.2016 16:27
    Highlight Highlight Interessant, wie das heute so läuft... Mal schauen was dabei in den nächsten Jahren rauskommt.
  • gio melo 06.12.2016 15:57
    Highlight Highlight Fussball als Breitsport wird mit diesem Gedanken immer mehr verschwinden. Unzählige, auch wenig talentierte Spieler werden so extrem gefördert. In einem gewissen Alter, auch durch den massiven Trainingsaufwand, haben sie die Schnauze voll von Fussball.
    Schlimm ist es auch für die Stammvereine, diese verlieren schon früh wichtige Spieler, die vom Fussball begeistert sind/waren. Diese Spieler fehlen dann im Erwachsenenalter an allen Fronten: als Spieler, als Vorstandsmitglieder und als mögliche Trainer.

  • buenavista62 06.12.2016 14:49
    Highlight Highlight Eine Frage zu der Bildstrecke: Wo sind Dembele und Pulisic (und Mor)?
  • AJACIED 06.12.2016 14:06
    Highlight Highlight T.I.P.S. 🤔 das habe ich vor XX Jahren bei meinem Ajax gehört. So wurde damals die Seedorf's, David's und Kluivert's entdeckt.
    Hoffendlich ist das nicht erst jetzt in der Schweiz aktuell.
    Leider wurde bei uns hier ein bisschen zu spät damit angefangen. Trotzdem wurden mit der Zeit gute erfolge erzielt.
    • Jol Bear 06.12.2016 18:46
      Highlight Highlight Ajax war damals den meisten andern voraus, wurde auch in grossen Fussballländern, z.B. Spanien, kopiert. Die Schweizer Juniorenförderung gilt beteits seit längerer Zeit als vorbildlich, nicht umsonst liessen sich die Deutschen davon inspirieren.
    • AJACIED 06.12.2016 21:09
      Highlight Highlight Die Deutschen waren zu stolz um von de Holländern zu lernen 😉😄😄

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