Sport
Fussball

Uruguay-Goalie Fernando Muslera mit traurigem WM-Ende: «Er wollte raus»

Uruguay goalkeeper Fernando Muslera (23) fails to make a save during the World Cup Group H soccer match between Uruguay and Spain in Zapopan, near Guadalajara, Mexico, Friday, June 26, 2026. (AP Photo ...
Fernando Muslera blickt dem Ball hinterher und weiss genau: Den hätte er halten müssen.Bild: keystone

«Er wollte ausgewechselt werden»: Trauriger WM-Abschied für Uruguay-Legende Muslera

Fernando Muslera hat 137 Partien für Uruguay absolviert. Nun dürfte seine Nationalmannschaftskarriere zum zweiten Mal enden – und das ausgerechnet mit einer grossen Enttäuschung, an der er mit zwei Patzern einen grossen Anteil hat.
27.06.2026, 05:1827.06.2026, 05:45

Uruguay ist an der WM 2026 ausgeschieden. Für die Celeste ist dies auch nach der Ära von Luis Suarez, Edinson Cavani und Co. eine grosse Enttäuschung. Gerade in einer Gruppe mit Spanien, Kap Verde und Saudi-Arabien. Doch Uruguay holte gegen die beiden Aussenseiter jeweils nur einen Punkt, Spanien unterlag es zum Abschluss der Gruppenphase, als es schon mit dem Rücken zur Wand stand.

Und wieder patzte Goalie Fernando Muslera. Bei der 0:1-Niederlage gegen Spanien liess er einen Schuss von Alex Baena über seine Handschuhe rutschen. Der Gegentreffer kurz vor der Pause brach Uruguay das Genick und besiegelte am Ende das frühe WM-Aus.

Für den 40-jährigen Muslera war das Turnier aber noch früher beendet. Der Goalie wurde in der Halbzeit ausgewechselt und durch Sergio Rochet ersetzt. Trainer Marcelo Bielsa erklärte nach dem Spiel: «Es war nicht meine Entscheidung. Er wollte ausgewechselt werden.»

Es war ein trauriges Ende für Muslera, der 137 Partien für Uruguay absolviert hat. Nur Diego Godin und Luis Suarez haben noch mehr. Muslera stand an vier Weltmeisterschaften im Tor seines Heimatlandes und war unter anderem dabei, als Uruguay an der WM 2010 Vierter wurde. Nun dürfte seine Nationalmannschaftskarriere aber endgültig vorbei sein. Schon 2024 war er zurückgetreten, nachdem er zuvor nicht mehr berücksichtigt worden war. Im März kehrte er aber zurück. Etwas überraschend war er dann auch an der WM die Nummer 1.

Doch die lief für ihn überhaupt nicht nach Plan. Schon in den ersten beiden Spielen hatte er gepatzt. Beim 2:2-Unentschieden gegen Kap Verde sowie beim 1:1-Remis gegen Saudi-Arabien war Muslera an jeweils einem Tor mindestens mitschuldig. Der Goalie, der im letzten Jahr von Galatasaray zu den Estudiantes nach Argentinien gewechselt ist, ist aber wohl nicht der Einzige, dessen Zeit im Nationalteam Uruguays zu Ende geht.

Mit dem enttäuschenden Ausscheiden dürfte die Kritik an Trainer Marcelo Bielsa nämlich noch grösser werden. In den letzten Tagen habe es einen Aufstand der Führungsspieler gegen den 70-jährigen Argentinier, der den Beinamen «El Loco» («der Verrückte») trägt, gegeben.

Real Madrids Federico Valverde, Tottenhams Rodrigo Bentancur und Manuel Ugarte von Manchester United hätten sich über zu hartes Training, erschöpfte Spieler und eine zu riskante Spielweise beklagt, wie es in heimischen Medien heisst. Bielsa habe verärgert reagiert und einigen Spielern in einer langen Rede vor dem Team vorgeworfen, ihn zum zweiten Mal stürzen zu wollen. Nach dem Halbfinal-Aus bei der Copa America 2024 hatte es bereits einen Konflikt gegeben, in welchem Luis Suarez Bielsa vorwarf, eine «toxische Atmosphäre» geschaffen zu haben. Suarez trat danach als Nationalspieler zurück.

epa13068068 Uruguay's head coach Marcelo Bielsa gives instructions during the FIFA World Cup 2026 group stage match Uruguay against Spain in Guadalajara, Mexico, 26 June 2026. EPA/ALEX CRUZ
Warf seinen Spielern Meuterei vor: Uruguay-Trainer Marcelo Bielsa.Bild: keystone

Ex-Nationalspieler Diego Lugano kritisierte nun: «Es tut mir leid für die Spieler. Bielsa hat nie verstanden, wo er war. Die Spieler haben ihn nie verstanden. Er hätte nie an der WM sein dürfen.» Bielsa verfügt zwar fachlich über eine grosse Kompetenz und wird dafür unter anderem von Pep Guardiola bewundert. Doch hat er auch eine eigene Art zu kommunizieren. In Interviews vermeidet er Blickkontakt mit den Journalistinnen und Journalisten, auch beim offiziellen Fototermin der FIFA blickte er demonstrativ zu Boden. «Ich bin kein Model», begründete er dies.

Seine Art führte aber auch zu offensichtlichen Differenzen mit den Spielern – erneut. Womöglich wechselte er Valverde, den grossen Star und Captain Uruguays, im entscheidenden Spiel auch deshalb nach weniger als einer Stunde aus. Bielsa sprach davon, sich dadurch mehr Präsenz in der Offensive erhofft zu haben. Der Real-Star war wie viele seiner Teamkollegen hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Der 27-jährige Valverde hatte aber kein Verständnis für die Auswechslung und reagierte sehr verärgert, Bielsa würdigte ihn keines Blickes.

Es war ein weiteres Zeichen, dass der Haussegen bei Uruguay gehörig schief hängt. Und dass ein grosser Umbruch wohl unausweichlich ist – nicht nur auf der Goalie-Position.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die besten Bilder der Fussball-WM 2026
1 / 90
Die besten Bilder der Fussball-WM 2026

Schlauer Zug dieses US-Fans: Wer würde auf die Idee kommen, George Washington zu verdächtigen, Pyrotechnik abgebrannt zu haben?

quelle: keystone / christopher torres
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Sandro Feuillet: «Jedes Trikot erzählt eine Geschichte»
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Niederlande holt Gruppensieg vor Japan – Schweden ebenfalls weiter
Die Niederlande holen sich in der Gruppe F mit einem 3:1 gegen ein desolates Tunesien den Gruppensieg. Japan und Schweden trennen sich 1:1 und sind ebenfalls weiter.
Für Tunesien endete die WM im Fiasko. Nach dem 1:5 gegen Schweden, das den zerstrittenen Verband während des Turniers zu einem Trainerwechsel veranlasste, und dem 0:4 gegen Japan setzte es in Kansas City gegen die Niederlande eine dritte Niederlage ab, die auch höher hätte ausfallen können.
Zur Story