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Deshalb ist der Fussball nach der WM wieder zur Normalität zurückgekehrt

Sport Bilder des Tages Doha, Qatar, 21st November 2022. First half extra time added on during the FIFA World Cup, WM, Weltmeisterschaft, Fussball match at Khalifa International Stadium, Doha. Picture  ...
Während der Weltmeisterschaft in Katar gab es besonders lange Nachspielzeiten.Bild: www.imago-images.de

Warum der Fussball die ultralangen Nachspielzeiten (vorerst) wieder abgeschafft hat

An der WM in Katar wurde auf Wunsch der FIFA immer unglaublich viel Zeit nachgespielt. In der Champions League und den europäischen Meisterschaften ist dies jedoch bereits nicht mehr der Fall. Der Chef der Schweizer Schiedsrichter erklärt uns, warum.
23.02.2023, 11:3523.02.2023, 13:17
Yoann Graber / watson.ch/fr
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Istvan Kovacs hielt es nicht für nötig, das Martyrium des FC Liverpool am Mittwoch in der Champions League gegen Real Madrid (2:5-Heimniederlage) zu verlängern. Der rumänische Schiedsrichter gab nur drei Minuten Nachspielzeit. Dabei wurden in der zweiten Halbzeit acht Wechsel vorgenommen und drei Tore erzielt, was ebenso viele Spielunterbrechungen (zusätzlich zu den üblichen Unterbrechungen) bedeutete.

Damit sind wir weit von den Standards der letzten Weltmeisterschaft vor knapp zwei Monaten entfernt. In Katar hatten die Offiziellen sehr oft mindestens acht zusätzliche Minuten in der zweiten Halbzeit gewährt. England-Iran wurde in beiden Halbzeiten um insgesamt 27 Minuten verlängert – ein Rekord.

Die FIFA hatte erklärt, dass diese ebenso spektakuläre wie plötzliche Änderung aus dem Wunsch resultierte, die effektive Spielzeit in einem Spiel zu erhöhen. Die Schiedsrichter hielten sich strikt an die Anweisung und die Initiative wurde mit grossem Beifall bedacht. In der Champions League, der Schweizer Super League und überall sonst in Europa wurden jedoch wieder die Standards von vor der Weltmeisterschaft eingeführt, mit durchschnittlich maximal fünf Minuten mehr Spielzeit pro Halbzeit.

England's Harry Kane grabs his foot after a collision with Iran's Morteza Pouraliganji during the World Cup group B soccer match between England and Iran at the Khalifa International Stadium ...
Das Vorrundenspiel der WM 2022 zwischen England und Iran (6:2) dauerte 117 Minuten – ein Rekord.Bild: keystone

Wiedergefundene Routine und antizipierte Studie

«Wir haben keine Anweisungen von der FIFA oder der UEFA erhalten, diese verlängerten Nachspielzeiten weiterzuführen», erklärt Christophe Girard, Chef der Schiedsrichterkommission des Schweizerischen Fussballverbands (SFV). Er selbst habe seinen Männern in Schwarz keine Anweisungen gegeben.« Die Schweizer Schiedsrichter sind einfach von selbst zur Routine vor der WM zurückgekehrt», stellt er fest.

Keiner von ihnen versuchte also, das zu kopieren, was er im Emirat gesehen hatte. Wenn dies der Fall gewesen wäre, hätte man ihn zurechtgewiesen. «Wir versuchen, Ungleichheiten zu vermeiden. Wenn ein Schiedsrichter im Vergleich zu seinen Kollegen doppelt so viel Nachspielzeit gibt, ist das nicht in Ordnung», sagt Christophe Girard.

Der Schiedsrichterchef ist jedoch für eine Verlängerung der Nachspielzeit und übernimmt dabei die Argumentation des internationalen Verbands.

Warum hat er dann keine Änderungen im Schweizer Fussball eingeführt oder zumindest nach der Weltmeisterschaft in Katar einige Anweisungen in diese Richtung gegeben? «Ich warte auf die FIFA-Studie, die zeigen wird, ob die Verlängerung der Nachspielzeit wirklich die effektive Spielzeit erhöht oder ob es sich nur um Augenwischerei handelt», argumentiert Girard. Und weiter:

«Ich ändere ungern Regeln oder Gewohnheiten während der Meisterschaft, weil das die Meisterschaft verzerren würde. Wir warten normalerweise bis zur Sommerpause, um Änderungen vorzunehmen.»

Es ist jedoch nicht damit zu rechnen, dass die Anzeigetafeln der vierten Schiedsrichter schon in diesem Sommer verrückt spielen. Die FIFA-Studie wird wahrscheinlich erst in einigen Monaten veröffentlicht.

Bis dahin hofft Christophe Girard vor allem, dass es den Trainern und Ausbildern des SFV gelingt, die Spieler – vor allem Amateure und Junioren – dafür zu sensibilisieren, dass sie diesen Sport nicht pervertieren dürfen, indem sie versuchen, Zeit zu gewinnen. Denn am Ende ist es das Spiel, das diese Zeit verliert.

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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Inelaferi
23.02.2023 11:52registriert August 2019
Warum nicht eine Zeitmessung wie im Eishockey? Je Halbzeit 45 Minuten runterlaufen lassen und bei Unterbrüchen Zeit anhalten, fertig.
2011
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