Nach Doppelpack gegen Haiti: Dieser Rekordspieler des FC Sion ist jetzt Brasiliens Held
Matheus Cunha wusste gar nicht so recht, wohin mit all den Emotionen. 3:0 hatte Brasilien gerade gegen Haiti gewonnen. Cunha erzielte zwei Tore und korrigierte damit den Fehlstart ins Turnier (1:1 gegen Marokko) fast im Alleingang. Immer und immer wieder warf er seinen Liebsten auf der Tribüne Kusshände zu, er winkte, formte ein Herz und grinste über das ganze Gesicht, als er den Moment, auf den er so lange gewartet hatte, endlich mit seiner Familie teilen konnte.
«Bei einer WM Tore zu schiessen und meiner Mannschaft zu helfen – das ist alles, wovon ich je geträumt habe», schwärmte der 27-Jährige, der seine Karriere in Europa vor bald neun Jahren in der Schweiz beim FC Sion gestartet hatte. Er sei «sehr dankbar», dass er die «kleinen Augen» seiner Familie «voller Tränen» gesehen habe.
Nach seinem ersten Doppelpack für Brasilien empfand Cunha auch etwas Genugtuung, 2022 hatte er die WM ja noch verpasst. Und das mit ihm und Brasiliens Auswahl, es war bis zu diesem Abend in Philadelphia nicht immer eine Erfolgsstory. Doch Cunha scheint sein Glück inzwischen gefunden zu haben.
18 Skorerpunkte mit 18 Jahren in Sitten
Seine Karriere war in Europa zunächst nur schleppend vorangekommen. Beim FC Sion, da lief es noch ganz gut. 18 Jahr alt war er erst, als er im Sommer 2017 ins Wallis kam. In 29 Spielen in der Super League gelangen ihm 10 Tore und 8 Assists. Ein Jahr blieb Cunha in Sitten, dann kam schon das Angebot aus der Bundesliga. Rund 15 Millionen Franken zahlte Leipzig an den FC Sion – bis heute die Rekordablöse im Wallis.
Doch in Deutschland hatte es Cunha schwer. Nach anderthalb Jahren in Leipzig folgte der Wechsel zu Hertha Berlin. Seine Klasse blitzte immer wieder auf, taktische Disziplinlosigkeiten und mitunter unberechenbare Leistungen wurden ihm aber gleichermassen vorgeworfen. Der damalige Hertha-Coach Pal Dardai fragte sich sogar einmal, wie es Cunha nur geschafft habe, während eines Spiels derart in den «Spaziergang-Modus» zu schalten.
Immerhin bescherte er auch den Berlinern eine Rekordablöse, als er 2021 für rund 35 Millionen Euro zu Atlético Madrid wechselte, um seine Chancen auf die WM in Katar zu erhöhen. Dort fielen sie aber rasant, Cunha verkam zur Randfigur. In Spanien erlebte er die schwierigste Zeit seiner Karriere. Als sein WM-Traum platzte, habe er sich «wirklich sehr schlecht» gefühlt und «sehr gelitten», gab Cunha im Vorjahr zu.
In England fand er sein Glück
Erst als er 2023 nach Wolverhampton wechselte, blühte Cunha auf. Die «Wolves», sagte er mal dem «Guardian», hätten ihm die Freude zurückgegeben: «Manchmal wollen wir im Leben einfach nur Wertschätzung.» Die erhielt er in England, auch beim lange kriselnden Manchester United, für dessen Aufschwung er in der abgelaufenen Saison als linker Flügel mitverantwortlich war.
Und selbst im brasilianischen Nationalteam, das gegen Haiti zwar souverän gewann, aber weiterhin Luft nach oben besitzt, wird ihm diese Wertschätzung mittlerweile zuteil. Als Cunha, der seine Startelfchance nutzte, vom Feld ging, feierten ihn die Anhänger jedenfalls lautstark. Carlo Ancelotti, ein Fan von Cunhas Spielstil und dessen Vielseitigkeit, stellte umgehend klar, dass Cunha auch im letzten Gruppenspiel am Mittwoch gegen Schottland «natürlich» wieder im Sturmzentrum beginnen werde. (schweizheute.ch)
