Es geht um 60 Millionen: Darum wird Manzambi an der WM wohl nicht mehr spielen
Er war der grosse Abwesende beim Achtelfinal-Coup: Johan Manzambi. Kurz vor Ende des Abschlusstrainings vor dem Spiel gegen Kolumbien zog sich der 20-Jährige eine Knieprellung zu. Nicht in einem Zweikampf. Manzambi, so war im Anschluss an die Partie zu vernehmen, habe bei einer Übung sein Knie überstreckt und sei danach schmerzverzerrt liegengeblieben.
Im ersten Moment musste man vom Schlimmsten ausgehen. Stichwort Kreuzbandriss. Doch diese Befürchtungen bewahrheiteten sich in der anschliessenden MRI-Untersuchung zum Glück nicht. Doch schnell war klar: Im Achtelfinal muss Manzambi zuschauen.
Kurz nach Beginn der Partie schwenkte die TV-Kamera auf die Ersatzbank, wo Manzambi die Partie verfolgte. Der Blick ging ins Leere. Gut möglich, dass er da schon wusste: Egal, wie weit die Nati an der WM noch kommt, ein Comeback von ihm wird es wohl nicht mehr geben.
Trainer Murat Yakin sagte nach dem Kolumbien-Spiel, gefragt nach den Aussichten, Manzambi im Viertelfinal am Samstag gegen Argentinien einsetzen zu können: «Eher nicht. Er hat zum Glück keine Schmerzen. Aber ich weiss nicht, ob es vertretbar wäre aus medizinischer Sicht, ihn nochmals spielen zu lassen. Wie schwer die Verletzung wirklich ist, werden die nächsten Tage zeigen. Aber es wird sicher schwierig für Johan.»
In den Überlegungen, Manzambi nochmals einzusetzen oder nicht, dürfte auch sein Arbeitgeber Freiburg ein Wörtchen mitreden. Schliesslich winkt dem Bundesligisten eine Rekordsumme, sollte Manzambi in diesem Sommer eines der Angebote eines Grossklubs annehmen. Die Rede ist von mindestens 60 Millionen Franken. Bei einer schwerwiegenden Verletzung mit monatelanger Ausfalldauer müsste Freiburg wohl bis auf Weiteres auf den Millionenregen verzichten.
Manzambi-Comeback wäre ein Wunder
Der Betroffene selber will (oder darf) nach dem Spiel nicht reden, wird in der Interview-Zone von einem Medienbetreuer an den Journalisten vorbeigeschleust. Eine Bandage ums linke Knie zeugt vom Manzambi-Drama. Aus dem Nati-Umfeld erfährt CH Media die Bestätigung von Yakins Worten: Alles andere als ein definitives WM-Out für Manzambi wäre ein mittleres Wunder.
Wie wichtig Manzambi für die Nati ein Jahr nach seinem Debüt bereits ist, haben die bisherigen WM-Spiele offenbart: Abgesehen vom Auftakt gegen Katar (1:1) war er bei allen Siegen die spielentscheidende Figur. Ohne seine Unberechenbarkeit und seinen Schmetterantritt war das Offensivspiel der Schweizer gegen Kolumbien lange inexistent. Ardon Jashari, den Yakin etwas überraschend als Ersatz aus dem Hut zauberte, enttäuschte auf der ganzen Linie und wurde schon in der Pause ausgewechselt.
Aber: Auf die Widerstandsfähigkeit der Schweizer hatte Manzambis Abwesenheit keine Auswirkungen. Es wirkte fast, als wäre die Solidarität im Kollektiv noch grösser geworden. Im Wissen, keinen Unterschiedsspieler auf dem Platz zu haben, der mit einer einzigen Aktion ein Spiel entscheiden kann. Die Bereitschaft zu Leiden wird für die Nati auch im Viertelfinal gegen Weltmeister Argentinien der Schlüssel zum Erfolg sein. Manzambi hin oder her.
Übrigens: Als Aufmunterung für den natürlich schwer enttäuschten Manzambi überreichten ihm die Teamkollegen einen WM-Pokal aus Legosteinen. Diesen hat das Team im Rahmen eines Spieleabends während des Basecamps in San Diego zusammengebaut. Wer weiss, vielleicht wird in knapp zwei Wochen die echte Trophäe daraus. Spätestens dann dürfte Manzambi wieder lachen.
