Endlich im WM-Viertelfinal – der steinige Nati-Weg für die Routiniers Xhaka und Rodriguez
Es ist endlich vollbracht. Nach 72 Jahren des Wartens steht die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft erstmals wieder in einem WM-Viertelfinal. In einem intensiv geführten Achtelfinal gegen Kolumbien setzen sich die Herren von Murat Yakin im Elfmeterschiessen durch. Es wurde ein grosses Stück Schweizer Fussballgeschichte geschrieben.
Mittendrin waren wie eigentlich immer in den letzten Jahren auch die beiden Nati-Urgesteine Granit Xhaka und Ricardo Rodriguez. Beide gaben ihr Debüt in der Nationalmannschaft während der missglückten Qualifikation zur Europameisterschaft 2012. Es ist bis heute das letzte grosse Turnier, welches die Schweizer Nati seither verpasste.
Mit der neuen Generation, angetrieben von Xhaka, Rodriguez und auch Xherdan Shaqiri, wird die Schweiz zu einem absoluten Stammgast an Welt- und Europameisterschaften. Längst ist es selbstverständlich, dass die Schweizer Nati sich locker für die grossen Fussballturniere qualifiziert.
Das Besondere daran: Nicht nur die Teilnahme ist Pflicht, sondern auch das Erreichen der K.-o.-Phase. Vor dem Verpassen der EM 2012 scheiterte die Schweiz zuvor an der WM 2010 und 2008 bei der Europameisterschaft im eigenen Land bereits in der Gruppenphase. Seither stand die Schweiz mit der sogenannten «goldenen Generation» immer mindestens im Achtelfinal.
Lange Zeit blieb die ganz grosse Krönung allerdings aus. Dreimal hintereinander bedeutete an einem Grossanlass der Achtelfinal Endstation. Unter anderem auch an der Europameisterschaft 2016, als Xhaka als Einziger im Elfmeterschiessen verschoss.
Der grosse Coup wollte lange nicht gelingen und man sorgte sich bereits, ob es irgendwann mit dieser Generation, welche die Schweiz zuvor noch nie hatte, klappen kann mit einer Viertelfinal-Qualifikation. Die Antwort lieferte das Team rund um Xhaka und Co. dann 2021.
Nach einer turbulenten Gruppenphase qualifizierte sich die Schweiz gerade noch so als eine der besten Drittplatzierten für den Achtelfinal und traf ausgerechnet auf den damals amtierenden Weltmeister Frankreich. Als krasser Aussenseiter lieferte die Schweiz ein bis heute unvergessliches Spiel und schlug die Franzosen nach einem 1:3-Rückstand im Elfmeterschiessen. Zwar endete der grosse Traum eine Runde später gegen Spanien, aber endlich konnte die Nati zeigen, dass sie für Grösseres bestimmt ist.
Während die Weltmeisterschaft 2022 dann mit einem blamablen 1:6 gegen Portugal endete, konnte an der darauffolgenden Europameisterschaft nach einem Sieg gegen Titelverteidiger Italien erneut der Viertelfinal erreicht werden. Wieder verlor die Schweiz nach einem dramatischen Elfmeterschiessen.
Vor der Weltmeisterschaft in Nordamerika war klar: Es wird wohl die letzte Chance für Xhaka und Rodriguez sein, um am grössten Fussballturnier der Welt den Viertelfinal zu erreichen. Beide befinden sich mit 33 Jahren bereits im Herbst ihrer fussballerischen Laufbahn.
Zwölf Jahre, nachdem Xhaka und Rodriguez bereits zum ersten Mal an einer Weltmeisterschaft teilgenommen hatten, haben sie als Anführer der Mannschaft endlich den Viertelfinal erreicht. Die Schweiz gehört endlich zu den acht besten Teams der Welt und das nach einem Turnier, welches nicht immer unter einem guten Stern stand. Bereits nach dem abschliessenden Testspiel gegen Australien kritisierte Xhaka die Einstellung und kritisierte sein Team auch nach dem blamablen Unentschieden gegen Katar. Während die Medien bereits davon schrieben, dass wegen Kapitän Xhaka eine schlechte Stimmung im Nati-Camp herrscht, wurde die Antwort auf dem Platz geliefert.
Die Schweiz schloss die Gruppenphase bekanntlich noch auf dem ersten Platz ab und auch in der K.o.-Phase wird mittlerweile geliefert. Der Sieg gegen Kolumbien soll noch nicht das letzte Kapitel an dieser WM sein. Dies stellt Xhaka auch nach der Partie gleich klar: «Der Hunger ist so gross wie noch nie. Wir haben unser Ziel Nummer 1 erreicht, aber wenn du im Viertelfinal stehst, willst du mehr.»
Im Viertelfinal wird nun der amtierende Weltmeister Argentinien warten und die Schweiz wird natürlich als Aussenseiter in diese Partie gehen. Aber eine Rechnung haben Xhaka und Rodriguez mit den Südamerikanern noch offen. Beide standen bereits im Achtelfinal vor zwölf Jahren in der Startelf als sich Argentinien in der Verlängerung gegen die Nati durchsetzen konnte. Es war ihr erstes WM-K.-o.-Spiel und die beiden 33-Jährigen werden alles daranlegen, dass es am kommenden Sonntag nicht das letzte sein wird.
