Der «Siesta-Faktor» spricht im WM-Final für Spanien
Manchmal gibt es Tendenzen. Manchmal Trends. Und dann gibt es eine Statistik, die auffällt:
Bei den Frauen ist dieses Muster genauso erkennbar: Bei den fünf letzten WM- und EM-Turnieren ging der Titel an jenes Team, das den Halbfinal zuerst absolvierte. Im modernen, immer athletischeren Fussball könnte dieser zusätzliche Ruhetag noch wertvoller sein als früher – auch wenn er natürlich nicht der einzige Grund ist, der über den Ausgang des Finals entscheidet.
Die Spieler von Spanien und Argentinien haben das bislang längste WM-Turnier der Geschichte in den Knochen, wenn sie am Sonntag (21 Uhr Schweizer Zeit) auf dem Rasen des MetLife Stadium in East Rutherford bei New York stehen. Mit den Sechzehntelfinals wurde eine zusätzliche Runde eingeführt, das Endspiel wird die achte Partie beider Mannschaften sein.
In einem Turnier mit langen Reisen und teils grosser Hitze kann ein zusätzlicher Tag zur Erholung tatsächlich ein Vorteil sein. Europameister Spanien hat vier Tage Zeit, um nach dem Sieg über Frankreich wieder Kräfte zu sammeln, Weltmeister Argentinien nach dem Erfolg gegen England drei.
Ausgerechnet Spanien und Argentinien trotzten dem Trend
Man muss relativ weit zurückblicken, um einen WM- oder EM-Final zu finden, den das Team gewonnen hat, das den Halbfinal einen Tag später absolviert hatte. Zuletzt gelang dies Spanien. Sowohl beim EM-Titel 2008 wie auch beim WM-Triumph zwei Jahre später hatten die Spanier den Halbfinal einen Tag nach ihrem Finalgegner bestritten.
Lionel Messi und Co. werden sich von dieser Statistik unbeeindruckt zeigen. Die Argentinier können auf die Copa America 2021 verweisen, an der sie triumphiert hatten, obwohl sie einen Tag weniger Zeit hatten, um sich zu erholen. Sehr viele jener Akteure werden auch am Sonntag wieder auf dem Platz stehen.
Im Eishockey zeigt sich übrigens ein ähnliches Bild: Acht der letzten elf Weltmeister durften den früheren Halbfinal (am gleichen Tag) bestreiten. Die Schweiz konnte diesen Vorteil 2026 in Zürich nicht ausnutzen und verlor den Final gegen Finnland.
– Bei elf Weltmeisterschaften in Europa gewann zehnmal ein europäisches Team. Die Ausnahme: Brasilien 1958 in Schweden.
– Bei elf Weltmeisterschaften ausserhalb Europas siegte neunmal eine nicht-europäische Mannschaft. Die Ausnahmen: Spanien 2010 in Südafrika und Deutschland 2014 in Brasilien.
