Vom Platzanweiser beim «Wunder von Bern» zum Verbandsboss: Ralph Zloczower ist tot
Ralph Zloczower war über Jahrzehnte eine prägende Figur im Schweizer Fussball. Seine Funktionärs-Laufbahn begann 1972 als Präsident des BSC Young Boys. Der Jurist war Fürsprecher mit eigener Anwaltskanzlei in Bern, FDP-Stadtrat in Bern, Oberst im Generalstab der Schweizer Armee und Präsident des Curling-Verbandes.
Von 1982 bis 1989 war Zloczower Mitglied und Präsident des Rekursgerichts der Nationalliga. Danach gehörte er dem Komitee der Nationalliga an, ehe er 1995 deren Präsident wurde. Im Februar 2001 wurde er zum Präsidenten des Schweizerischen Fussballverbandes gewählt.
In Zloczowers achtjähriger Amtszeit qualifizierte sich die Nationalmannschaft mit Trainer Köbi Kuhn für die EM 2004 und die WM 2006. An der EM in Portugal bekleckerte sich der Verband in der Spuckaffäre um Alex Frei nicht mit Ruhm.
Zloczowers grösster Erfolg auf Funktionärsebene gelang im Dezember 2002: Die UEFA vergab die EM 2008 an die Schweiz und Österreich. Damit fand erstmals seit mehr als 50 Jahren wieder ein Sportanlass dieser Grössenordnung in der Schweiz statt.
An jener WM 1954 half der junge Ralph Zloczower als Platzanweiser. Im Wankdorf wurde er so bei strömendem Regen Zeuge des Wunders von Bern, als Deutschland mit einem 3:2-Sieg über das übermächtig scheinende Ungarn seinen ersten Weltmeistertitel gewinnen konnte.
«Wir sind Ralph Zloczower äusserst dankbar dafür, dass er dem Schweizer Fussball mit juristischem Sachverstand, Verhandlungsgeschick und einem aussergewöhnlichen Beziehungsnetz national wie international Gehör und Ansehen verschafft hat. Dass die Schweiz 2008 EM-Co-Gastgeber sein durfte, wird für immer mit ihm verbunden sein», sagte SFV-Zentralpräsident Peter Knäbel.
2009 übergab Zloczower das Präsidentenamt nach acht Jahren an Peter Gilliéron. Gleichzeitig wurde er zum SFV-Ehrenpräsidenten ernannt. (ram/sda)
