Er konnte den Frust in seinen Aussagen nicht verstecken. «Er ist auch nur ein Mensch, wie wir alle. Er ist schneller als die meisten, aber sonst ist er ein ganz normaler Spieler», sagte Österreichs Goalie Patrick Pentz nach dem Schlusspfiff über Frankreichs Superstar Kylian Mbappé. «Viel haben wir nicht von ihm zugelassen. Unsere Verteidiger hatten ihn absolut im Griff.»
Dass Pentz überhaupt über Mbappé sprach und seinen Status als einen der weltbesten, aussergewöhnlichsten Fussballer infrage stellte, war einer anderen Situation geschuldet, in welche der Franzose involviert war.
Es läuft die 85. Minute, als Mbappé bei einem Kopfballversuch im gegnerischen Strafraum in die Schulter von Österreich-Schrank Kevin Danso rasselt. Schnell ist klar, dass sich der künftige Real-Star bei der Aktion ernsthaft wehgetan hat.
Das hat auch Österreich-Goalie Patrick Pentz schnell realisiert – er signalisiert Schiedsrichter Jesus Gil Manzano, die Partie zu unterbrechen und winkt medizinische Hilfe herbei. Im Anschluss an die Partie sagt er über die Szene:
Was Pentz richtig sauer aufstösst, ist nämlich das Verhalten Mbappés in den nächsten Minuten: Der französische Superstar wird kurz auf dem Feld gepflegt, ehe er dieses für die weitere Behandlung verlassen muss. Frankreich will rasch wechseln, um nicht in Unterzahl spielen zu müssen – doch Schiedsrichter Gil Manzano wartet zu, die Partie läuft weiter.
Was macht also Mbappé? Er marschiert – notabene mit immer noch blutender Nase – kurzerhand zurück auf das Feld und setzt sich auf den Rasen, begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert. Gil Manzano ist nun gezwungen, die Partie zu unterbrechen – er zeigt Mbappé folgerichtig die Gelbe Karte.
Doch der Stürmer hat sein Ziel erreicht, Frankreich kann in der Folge wechseln und muss nicht länger in Unterzahl spielen. Zudem tickt die Uhr unerbittlich weiter. Für Österreich-Torhüter Pentz ist das Verhalten Mbappés ein No-Go:
Für den gescholtenen Mbappé dürfte die aus österreichischer Perspektive unfaire Aktion indes keine Folgen haben, abgesehen von der Gelben Karte, die er erhalten hat. Der Franzose wird dies im Hinterkopf behalten müssen, weil man an der EM nach zwei Gelben Karten gesperrt wird.
Auch die Verletzung an der Nase scheint weniger gravierend zu sein, als zuerst befürchtet wurde. Einer sofortigen Operation, die nach Spielschluss im Raum stand, muss sich Mbappé nicht unterziehen, wie L'Équipe schreibt.
Der Stürmer habe sich zwar einen Nasenbeinbruch zugezogen, der eine Behandlungspause erfordere. Allerdings eben vorerst nicht in Form einer OP. Laut dem französischen Fussballverband werde eine Spezialmaske für ihn angefertigt. Ausfallen wird Mbappé demzufolge wohl höchstens für eine Partie, wenn überhaupt.