«War relativ entspannt»: Das sagen die Schweizer Penalty-Helden Kobel und Vargas
Einen grösseren Nervenkitzel als Penaltyschiessen kann man im Fussball kaum erleben. Schon als Fan ist das ja kaum auszuhalten, wie soll das erst als Spieler sein?
Gar nicht mal so schlimm, wenn man den Schweizern nach dem dramatischen Sieg im WM-Achtelfinal gegen Kolumbien zuhört. «Ich war eigentlich relativ entspannt wie schon das ganze Spiel über», sagte Goalie Gregor Kobel nach dem Erfolg im Penaltyschiessen, fügte dann aber an: «Also so entspannt, wie man in einem WM-Achtelfinal sein kann.» Der 28-Jährige parierte den Penalty von Kolumbiens Cucho Hernandez und war damit einer der Helden der Nati. «Es war ein guter Save, das muss ich sagen», lachte Kobel. Bei Kolumbien vergab auch Davinson Sanchez, der an der Latte scheiterte, während für die Schweiz nur Manuel Akanji nicht traf.
Schon während der Partie war der BVB-Profi einige Male gefragt und verhinderte so die Führung Kolumbiens. Im Penaltyschiessen habe ihm dann auch das Vertrauen des Teams geholfen. «Ich habe das Vertrauen der Jungs gespürt und wusste auch, dass wir bereit sind. Die Jungs machen ihre Penaltys dann auch super.»
Nati-Trainer Murat Yakin freute sich für seinen Goalie, der erstmals bei einem grossen Turnier die Nummer 1 ist und es gerade zu Beginn seiner Karriere im Nationalteam nicht immer einfach hatte. Auch etwas unglücklich kassierte er in seinen ersten zwölf Einsätzen immer mindestens ein Gegentor. «Gregi hat ein grosses Kompliment verdient. Schön, dass er sich auszeichnen konnte», so Yakin.
Ähnlich gelassen wie der Goalie war wohl auch Ruben Vargas, der den entscheidenden Penalty zum erstmaligen Viertelfinaleinzug seit 1954 verwandelte: «Ich habe mich heute so sicher gefühlt wie noch nie bei einem Penalty. Es war einfach eine so positive Energie und ich habe gemerkt, dass wir es schlicht verdient haben. Da habe ich mit voller Überzeugung geschossen.» Das hat man dem 27-Jährigen, der angeschlagen erst mal nur auf der Bank sass, angemerkt.
Die beiden Penaltyhelden wollten sich aber nicht in den Vordergrund stellen. Vielmehr gaben sie das Lob gleich weiter. «Die Mannschaft hat über 120 Minuten richtig gut gearbeitet und gekämpft», so Vargas, der von einem Auswärtsspiel sprach. «Es war nicht einfach, aber jetzt haben wir Geschichte geschrieben und das ist einfach nur geil.»
Auch Kobel schwärmte: «Es war eine Wahnsinnsleistung. Ich freue mich auch für jedes einzelne Staffmitglied, weil alle mit so viel Leidenschaft und Herzblut dabei sind.» Dass die Schweiz als kleine Nation mit den Weltbesten mithalten könne, sei «ein Riesenprivileg».
Der Lohn für den Sieg im Nervenduell mit Kolumbien ist ein Aufeinandertreffen mit Argentinien um Superstar Lionel Messi. Der Viertelfinal findet in der Nacht auf Samstag (3 Uhr, Schweizer Zeit) statt.
