Ade, Messi? Weit gefehlt! Doch die Ägypter reklamieren einen Makel
Viel hat nicht gefehlt, und es wäre einen Tag nach jener von Cristiano Ronaldo auch die WM-Karriere von Lionel Messi zu Ende gegangen. Wobei der Schock beim Argentinier deutlich grösser gewesen wäre. Einerseits waren die Gauchos im Achtelfinal gegen Ägypten, anders als Portugal gegen Spanien, klar zu favorisieren. Und andererseits war Messi im bisherigen Turnierverlauf deutlich einflussreicher als Ronaldo und gar einer der besten Spieler des Turniers.
Aber dem kleingewachsenen Fussballriesen will in der ersten Halbzeit gegen Mohamed Salah und Co. nicht viel gelingen. Immer wieder verzweifeln die Argentinier am herausragend spielenden Mostafa Shobeir im ägyptischen Tor. Nach dem frühen, überraschenden Rückstand könnte Messi das Spiel vom Elfmeterpunkt wieder ausgleichen. Doch «La Pulga» scheitert wie schon gegen Österreich mit einem schwach geschossenen Penalty und stellt damit sogar einen Negativrekord auf. Vor Messi hatte noch nie ein Spieler an der gleichen Endrunde zwei Penaltys verschossen, Penaltyschiessen nicht eingerechnet.
Und als Ägypten nach dem Seitenwechsel auch noch zwei Mal perfekt kontert und auf 0:2 erhöht (das erste der beiden perfekten Kontertore wurde nach VAR-Konsultation wieder einkassiert), wird Argentinien zunehmend verzweifelter. Die deutschsprachigen Medienhäuser haben die Schlagzeilen mit den Ade-Messi-Wortspielen bereits vorgeschrieben (schuldig im Sinne der Anklage).
In wichtigen Momenten ist Messi doch da
Ade Messi? Nein, nicht mit Lionel Messi in dieser Form. Je knapper die Zeit wird, desto entschlossener stürmt der argentinische Superstar nach vorne. Er sucht die 1-gegen-1-Duelle, schlägt Flanken und sucht den Abschluss. In der 79. Minute lassen die Ägypter Messi bei einer dieser Flanken etwas zu viel Zeit und Platz. Der 39-Jährige findet perfekt den Kopf von Cristian Romero, der Shobeir doch noch bezwingt. Vom Anschlusstreffer angestachelt behält Messi nach einem Gewusel im ägyptischen Strafraum den Überblick und erzielt via Lattenunterkante den 2:2-Ausgleich.
Es ist bezeichnend für Lionel Messi an dieser WM – und ganz generell im Spätherbst seiner Karriere. Er dominiert die Spiele nicht mehr über 90 Minuten, phasenweise hat er auch schlechte Momente. Aber der Zauberfloh spielt opportunistisch und schlägt dann zu, wenn sich die Gelegenheit bietet und der Moment wichtig ist.
Ägypten reklamiert beim Siegtreffer
Beim siegbringenden 3:2 für Argentinien noch in der Nachspielzeit ist Messi dann nicht mehr direkt beteiligt. Es ist Lautaro Martinez, der den Konter fährt und dann die perfekt getimte Flanke auf den Kopf von Enzo Fernandez spielt. Der erwischt Shobeir auf dem falschen Fuss und köpft Argentinien zum Sieg.
Doch die Ägypter sind mit dem 3:2 für den Favoriten überhaupt nicht einverstanden. Vor dem Konter gibt es im argentinischen Strafraum gleich zwei strittige Szenen. Ein Duell von Nicolas Otamendi mit Mohamed Salah wird von SRF-Schiedsrichterexperte Sascha Amhof nicht als eindeutiges Foul gewertet. Doch einige Meter entfernt reisst Alexis MacAllister am Strafraumrand noch einen Ägypter um – wobei sich dieser auch nicht gegen den Sturz wehrt. Ägyptens Torschütze Mostafa Ziko schiesst auch im TV-Interview nach dem Schlusspfiff scharf: «Der Schiedsrichter war unfair. Der Pokal wird Argentinien geschenkt.»
Eine gewagte Behauptung, zumal Argentinien heute aber auch schon im Sechzehntelfinal gegen Kap Verde nur knapp am Ausscheiden vorbeigeschrammt ist. Kein Wunder, war auch beim grossen Helden Messi nach dem Schlusspfiff die Erleichterung so gross, dass Tränen fliessen.
