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Gianni Infantino: Keine Fussballfelder in Gaza

FILE - FIFA President Gianni Infantino gestures as he meets the media at the FIFA World Cup closing press conference in Doha, Qatar, Friday, Dec. 16, 2022. (AP Photo/Martin Meissner, File)
FIFA Infant ...
Gianni Infantino wollte über 50 Fussballfelder in einem halben Jahr im Gaza-Streifen bauen. Es steht noch kein einziges.Bild: keystone

Keine Fussballfelder: Infantinos gebrochenes Gaza-Versprechen holt die Schweiz ein

Trotz interner Warnungen unterstützt der Bund ein Fussballprojekt der Fifa in Nahost. Erste Spielfelder im Westjordanland sollen bald bereit sein. In Gaza ist von Fifa-Boss Infantinos grossen Versprechen nichts zu sehen.
31.08.2026, 05:3031.08.2026, 05:30

«Gott segne den Frieden und Gott segne den Friedensrat»: Mit diesen Worten schloss Fifa-Präsident Gianni Infantino diesen Februar in Washington seine Ansprache vor dem «Board of Peace», das US-Präsident Donald Trump ins Leben gerufen hatte. Das umstrittene Gremium soll den Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas umsetzen und den Wiederaufbau des kriegsversehrten Gazastreifens koordinieren.

Zuvor hatte Infantino den Fussball als Symbol für «Hoffnung, Freude und Glück» bezeichnet. Er kündigte eine «echte Partnerschaft» zwischen der Fifa und dem «Board of Peace» an. In einem KI-generierten Video stellte die Fifa unter anderem den Bau von 50 Kleinfussballfeldern, fünf Grossfeldern, einer Fifa-Akademie und einem «Nationalstadion» mit bis zu 25'000 Plätzen im Gazastreifen in Aussicht. Gesamtsumme der Investitionen: 72,5 Millionen US-Dollar.

Eine gleichentags von Infantino unterzeichnete Absichtserklärung enthielt einen Zeitplan: Innerhalb von drei bis sechs Monaten sollten die 50 Kleinfelder gebaut und Fussbälle an Schulen verteilt werden.

Lokaler Fussballverband weiss von nichts

Sechs Monate sind abgelaufen. Von den vollmundigen Ankündigungen Infantinos wurde bislang keine in die Tat umgesetzt, wie die «NZZ am Sonntag» kürzlich berichtete.

Eine Sprecherin des Palästinensischen Fussballverbands (PFA), zuständig für den Fussball im Westjordanland und im Gazastreifen, erklärte gegenüber der Zeitung, man verfüge über keine offiziellen Informationen zu den Plänen der Fifa und sei «in keiner Weise konsultiert» worden.

Football tournament in Gaza to lift spirits amid Israeli attacks GAZA CITY, GAZA, PALESTINE - JULY 31: Palestinians take part in the final match of a football tournament organized on the initiative of ...
Bis auf Weiteres kicken die Menschen im Gaza-Streifen nach wie vor im Staub.Bild: www.imago-images.de

Die Fifa verweist auf ein Communiqué, wonach die Umsetzung der Pläne von der Situation vor Ort abhängig sei. In der von Infantino unterzeichneten Absichtserklärung war diese Einschränkung nicht enthalten.

Der nicht eingehaltene Zeitplan und die fehlende Transparenz sind auch mit Blick auf ein Projekt relevant, das von der offiziellen Schweiz unterstützt wird.

Schweiz zahlt an Fifa-Prestigeprojekt

Am 26. November 2025 beschloss der Bundesrat, den von den USA vorgelegten Friedensplan für Gaza mit 23 Millionen Franken an humanitärer Hilfe zu unterstützen. Ein kleiner Teil dieser Gelder war für ein Projekt der Fifa vorgesehen.

In einer ersten Phase werde die Schweiz den Bau von zwei Fussballfeldern im Westjordanland mit 120'000 Franken mitfinanzieren, teilte der Bundesrat mit. Insgesamt sieht das Projekt der Fifa den Bau von zehn Mini-Fussballfeldern in der Region im Lauf des Jahres 2026 vor: Fünf in den besetzten Palästinensergebieten, fünf in Israel. Die Schweiz könnte sich mit insgesamt bis zu 600'000 Franken daran beteiligen, wie das Westschweizer Radio RTS gestützt auf interne Dokumente berichtete.

Fifa-Präsident Infantino zeigte sich in einem Instagram-Post stolz über die Unterstützung durch die Schweizer Regierung. «Wir werden mithelfen, die gesamte Fussballinfrastruktur in Gaza und Palästina wiederaufzubauen», schrieb der Walliser.

Warum unterstützt der Bundesrat in einem Gebiet mit dringendem Bedarf an humanitärer Nothilfe ein Prestigeprojekt des milliardenschweren Weltfussballverbands? Aussenminister Ignazio Cassis sagte bei der Ankündigung letzten November, er habe mit kritischen Fragen gerechnet.

Bundesrat Ignazio Cassis spricht an einer Medienkonferenz zur Volksinitiative 'Wahrung der schweizerischen Neutralitaet (Neutralitaetsinitiative)', am Dienstag, 11. August 2026, in Bern. (KE ...
Das Aussendepartement von Bundesrat Cassis unterstützt die Pläne der Fifa mit mehreren hunderttausend Franken.Bild: keystone

Doch es handle sich um «humanitäre Hilfe pur». Entscheidend sei, konfliktbetroffenen Kindern so schnell wie möglich etwas «Konkretes» zu bieten und ihnen Ablenkung zu ermöglichen.

Das Projekt war selbst im Aussendepartement (EDA) umstritten. Mitarbeitetende warnten intern vor «Risiken für den Ruf der Schweiz», wie RTS im April berichtete. Dennoch hatte die in nur drei Wochen ausgehandelte und unterzeichnete Vereinbarung die volle Unterstützung von Aussenminister Cassis.

Aussendepartement weicht Fragen aus

Seit der Unterzeichnung hat die Fifa keines ihrer für den Gazastreifen angekündigten Projekte realisiert. Gleichzeitig sorgte Infantino während der Männer-WM in Nordamerika und mit gescheiterten Plänen für einen Teilverkauf der Fifa-Turniere an private Investoren für weitere Negativschlagzeilen.

«Schweiz heute» wollte vom EDA wissen, ob der Bund die Zusammenarbeit mit der Fifa weiterhin für richtig hält – oder ob diese der Glaubwürdigkeit der Schweiz und ihrer humanitären Tradition schadet.

Das Aussendepartement beantwortet die Frage nicht. Es hält lediglich fest, dass die Fifa bereits 30 Mini-Fussballfelder in 15 Ländern errichtet habe und könne dank dieser Erfahrung Bau, Ausbildung und nachhaltigen Betrieb sicherstellen. «Eine Zusammenarbeit mit der Fifa in diesem Projekt macht deshalb Sinn», so das EDA. Dieses sei ausserdem nur ein kleiner Teil des Schweizer Massnahmenpakets zuhanden der palästinensischen Bevölkerung.

Während im Gazastreifen weiterhin nichts von den hochtrabenden Fifa-Plänen umgesetzt worden ist, sollen die zwei von der Schweiz mitfinanzierten Mini-Fussballplätze im Westjordanland in den nächsten beiden Monaten eingeweiht werden. Drei weitere Felder in den besetzten Palästinensergebieten seien geplant. Ob eines davon in Gaza gebaut werden könne, sei «Gegenstand weiterer Evaluationen», so das EDA.

Dass die ingesamt zehn geplanten Kleinfeldfussballfelder in den besetzten Gebieten und Israel wie ursprünglich vorgesehen bis Ende Jahr stehen, ist zweifelhaft. Mit Infantinos hochtrabenden Ankündigungen droht auch die Glaubwürdigkeit der Schweiz ins Abseits zu geraten.

(schweizheute.ch)

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quelle: keystone / tony gutierrez
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26 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Wir (M)Ostschweizer*innen nun im Süden
31.08.2026 06:21registriert Juni 2019
Wieso ist ein Milliarden Schwerer Verband auf so eine Almose von 0.15% vom letzten Umsatz der letzten WM überhaupt angewiesen und wieso biedert sich die Schweiz so penetrant an einem Verband an, der bekannt für seine hohle Hand Business ist.

Nebenbei ist das Geld, schon abgebucht?
Respektive ausbezahlt?
Wenn ja, dann seid ihr aber bös im Erklärungs Notstand!

Hier dies lege ich dem Herrn Aussenminister der 🇨🇭 noch nahe, Gell Signore Cassis.

"Man soll das Fell des Bären nicht verteilen, bevor er erlegt ist."
"Non bisogna vendere la pelle dell'orso prima di averlo catturato."
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N. Y. P.
31.08.2026 06:46registriert August 2018
Zum Fremdschämen die Schweiz. Biedert sich überall an. Wirft 120'000.-zum Fenster raus, obwohl die FIFA grad 17 Milliarden Dollar Gewinn eingefahren hat.

Mir wäre lieber, die Schweiz würde mal die Siedlungspolitik aufs Schärfste verurteilen.
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Callao
31.08.2026 05:41registriert April 2020
Wundert sich etwas noch jemand?
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