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Interview

FCL-Patron Alpstaeg über den Machtkampf beim FC Luzern

21.07,2018 Luzern, Swissporarena Fussball Herren Super League Saison 2018/2019 FC Luzern - Neuchatel Xamax FC 0:2 . Im Bild:Bernhard Alpstaeg (Hauptgeldgeber FC Luzern) Sponsor Aktion Gestik Einzelbil ...
Bernhard Alpstaeg.Bild: imago/Geisser
Interview

FCL-Besitzer Alpstaeg: «Nicht nur ich denke, dass man mir den Verein weggenommen hat»

Seit Monaten tobt beim FC Luzern ein Machtkampf. Fans und Klubführung haben sich auf einen Mann eingeschossen: Bernhard Alpstaeg. Im Interview geht der 77-Jährige nun in die Gegenoffensive.
25.08.2023, 16:07
Simon Häring, Patrik Müller, François Schmid-Bechtel / ch media
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Ihnen liegt ein Kaufangebot für Ihr 25-Prozent-Aktienpaket am FC Luzern vor. Warum nehmen Sie dieses nicht an?
Bernhard Alpstaeg: Erst einmal: Dass sieben Aktionäre ein solches Kaufangebot an mich richten, bestätigt, dass ich der rechtmässige Aktionär bin, nicht nur was den unbestrittenen Anteil von 27 Prozent betrifft, sondern eben auch für den 25-Prozent-Anteil, den mir die aktuelle Vereinsführung streitig macht. Aber ich denke nicht daran, diese 25 Prozent abzugeben.

Warum nicht? Sie haben spätestens seit der Generalversammlung vom Dezember 2022, als Ihre Stimmrechte blockiert wurden, doch nur noch Ärger mit Ihrem FCL-Engagement. Es wäre ein eleganter Ausstieg!
Es wäre der Weg des geringsten Widerstands. Aber ich glaube an den Rechtsstaat, und wenn dieser noch etwas wert ist, gehören mir 27 plus 25 Prozent – ich bin und bleibe Mehrheitsaktionär mit 52 Prozent.

Ist Ihnen der angebotene Preis von 500’000 Franken zu tief?
Mir geht es nicht ums Geld. Natürlich ist das Angebot lächerlich, ich habe vor zwei Jahren 3,4 Millionen Franken für 52 Prozent der Aktien bezahlt. Aber das ist nicht der Punkt. Es geht um Grundsätzliches, um die Einhaltung des Rechts.

«Es darf nicht so weit kommen, dass in der Schweiz mit irgendwelchen Kniffen ein Mehrheitsaktionär einfach rausgeworfen wird.»

Ihre Gegner sagen: Alpstaeg geht es nur um Macht!
Unsinn. Schauen Sie, ich bin Unternehmer, wir haben Gesetze, an die ich mich halten muss. Gesetze gelten auch in der Fussballbranche. Es darf nicht so weit kommen, dass in der Schweiz mit irgendwelchen Kniffen ein Mehrheitsaktionär einfach rausgeworfen wird. Aber wenn Sie die Macht ansprechen: Ich habe sicher Fehler gemacht.

Welche Fehler?
Es gibt das Recht, es gibt aber auch die Macht der Fans, oder der vermeintlichen Fans, und diese Macht habe ich unterschätzt. Der FCL ist in Stadt und Kanton enorm verwurzelt. Man glaubt, der Verein gehöre allen. Das stimmt insofern, als er für die ganze Region da ist. Aber letztlich ist er auch ein Unternehmen, das wirtschaftlich überleben muss, und dafür ist der Ankeraktionär verantwortlich.

Sie sind überzeugt, dass Sie die Vereinsführung ausgebremst hat. Juristisch zu gewinnen, ist das eine. Wie aber wollen Sie die Herzen der Fans zurückgewinnen?
Dass man mir den Verein weggenommen hat, das ist nicht nur meine Überzeugung. Der angesehene Aktienrechtler Professor Peter Nobel hat in einem Gutachten festgestellt: «Es ist meines Erachtens nicht möglich, Zweifel zu hegen an der Eigentümerstellung sowie an der notwendigen und erfolgten Eintragung von 52’000 Namenaktien von Bernhard Alpstaeg.» Das ist sehr deutlich.

Foto Manuel Geisser 04.03.2023 Fussball Herren Saison 2022/2023 Super League FC Luzern - FC Basel 0:1 . Bild : Demo der FC Luzern Fans. Alpstaeg Raus Aktion *** Photo Manuel Geisser 04 03 2023 footbal ...
Das Verhältnis zwischen Alpstaeg und den FCL-Fans ist angespannt.Bild: www.imago-images.de

Sollten Sie vor den Gerichten siegen, heisst das nicht, dass auch die Fans zu Ihnen überlaufen: Die Bewegung «Zäme meh als 52 %» richtet sich gegen Sie und ist breit abgestützt.
Einfach wird das nicht. Ich habe früher die Ansprüche der Fans sicher zu wenig berücksichtigt. Aber schauen Sie: Die Fans wollen letztlich sportlichen Erfolg, und den gibt es nur, wenn der Klub finanziell vernünftig und gut geführt ist. Die Fans wurden vom Verwaltungsrat und vom Kommunikationschef des FCL instrumentalisiert. Sie lancierten eine eigentliche Kampagne gegen mich. Sie informierten total einseitig. Ich sehe erste Anzeichen, dass die Stimmung kippt. Dass der FCL die 8000 Franken, die ich vor Gericht gewann, als Spende für die Junioren ablehnte, das versteht niemand.

Sie werden angefeindet, aber bekommen auch Zuspruch.
Wenn ich in der Migros einkaufen gehe, begegne ich stets Leuten, die sagen: «Sie sind doch Herr Alpstaeg. Halten Sie durch!» Ich bin überzeugt, es gibt eine stille Mehrheit, die es gleich sieht wie ich.

Und die Anfeindungen?
Das Schlimmste war die Generalversammlung im letzten Dezember. Ich gegen 89 andere. Da sassen ein paar Kollegen im Saal, die applaudierten, als es «Alpstaeg raus»-Rufe gab. Das tat weh, ich fühlte mich verraten. Was ich mir da anhören musste, auch von Mitgliedern des Beirats, war unverschämt. Darunter waren sogar Leute, die Stadionverbot haben, also sehr fragwürdige Figuren. Die Namen sind mir bekannt.

«Notfalls gehe ich jetzt halt mit dem Kopf durch die Wand.»

Wie sind Sie damit umgegangen?
In der Familie hiess es: Warum tust du dir das an? Willst du nicht verkaufen?

Was antworteten Sie?
Da müssen wir durch. Notfalls gehe ich jetzt halt mit dem Kopf durch die Wand. So behandelt man niemanden! Gerechtigkeit schaffen! Aber natürlich, solche Angriffe hinterlassen Spuren.

Welche Spuren?
Durchaus in gesundheitlicher Hinsicht. Mein Körper reagierte, ich will nicht näher auf die Details eingehen, aber es ging an die Substanz. Ich wurde bedroht, die Polizei befahl mir, Türen und Garagentor zu sichern. Es gab eine Attacke mit Böllern. Mir macht das weniger Sorgen, meiner Frau aber schon, sie ist gehbehindert, sie kann nicht einfach davonrennen. Sie fragte mich: Was muss ich machen, wenn wieder ein Böller kommt? Mehr will ich dazu nicht sagen.

Nehmen wir an, Sie gewinnen vor Gericht und bekommen die Stimmenmehrheit zurück. Wie sieht dann Ihr Plan aus?
Zuerst braucht es eine saubere Analyse. Wo steht der FCL finanziell? Da befürchte ich das Schlimmste, ich bekomme ja keinen Einblick mehr in die Zahlen. Dann: Haben wir die richtigen Strukturen, sind wir organisatorisch richtig aufgestellt, haben wir die richtigen Ziele vor Augen? Aus diesen Fragen ergibt sich dann auch, welche Personen wofür zuständig sein sollen.

Das haben Sie bereits im Februar bei Gesprächen unter der Führung der Stadt und der Swiss Football League verlangt, aber die Führung sagt, es brauche keine Analyse, man sei gut aufgestellt.
Warum machen sie dann dauernd so Riesendefizite? Letztes Jahr betrug der Verlust rund 3,3 Millionen Franken bei Transfererlösen von 4,5 Millionen Franken. Das heisst doch: Der FCL hat ein strukturelles Defizit von über 7 Millionen Franken. Das Eigenkapital von 6,6 Millionen, das ich zusammen mit Josef Bieri Anfang 2021 eingeschossen hatte, war deshalb schon Ende der letzten Saison aufgebraucht. Und bis Ende dieses Jahres müssen noch rund 4 Millionen an Covid-Krediten ans Bundesamt für Sport zurückbezahlt werden. Woher soll all dieses Geld kommen? So kann der FCL doch nicht weiterwirtschaften.

Ihr Misstrauen gegenüber der Führung steht am Anfang des Konflikts.
Im Sommer letzten Jahres verlangte ich eine Due Diligence, also eine Analyse der Geschäftsbücher. Das lehnte der Verwaltungsrat ab. So etwas macht doch misstrauisch. Da fragt sich doch jeder: Ist da alles sauber?

Sie vermuten, dass Gelder abgezweigt werden?
Ich stelle nur Fragen. Warum wird keine Transparenz geschaffen? Was hat der Verein zu verstecken? Und konkret: Was bezieht eigentlich der Präsident, Stefan Wolf?

Haben Sie Informationen dazu?
Meines Wissens bezieht er beim FCL alles in allem rund 250’000 Franken pro Jahr. Der Lohn von Stefan Wolf ist etwas, das ich sofort untersuchen würde. Zudem widerspricht die heutige Leitung des FCL wichtigen Grundsätzen der Unternehmensführung. Wolf hat drei Verwaltungsratspräsidien inne: bei der FC Luzern Holding, der FC Luzern-Innerschweiz AG und bei der swissporarena events ag. Dazu ist er auch noch CEO. Das geht nicht.

«Wolf nimmt seine Führungsaufgabe nicht wahr.»
Bernhard Alpstaeg

Was halten Sie von Stefan Wolf?
Nichts.

Der Praesident des FC Luzern, Stefan Wolf anlaesslich einer Medienkonferenz zum Fuehrungsstreit zwischen dem FC Luzern Verwaltungsrat und Investor Bernhard Amstaeg vom Mittwoch, 22. Maerz 2023 in Luze ...
Stefan Wolf ist in Luzern eine wichtige Figur. Bild: keystone

Fachlich oder menschlich?
Ich halte einfach nichts von ihm und könnte mit ihm nicht weiterarbeiten.

Warum dieses harsche Urteil?
Wolf nimmt seine Führungsaufgabe nicht wahr. Im letzten Jahr haben über ein Drittel der Angestellten der Geschäftsstelle gekündigt, darunter das ganze Sponsoringteam.

Was halten Sie von Josef Bieri?
Ich traue ihm nicht mehr.

Von Sportchef Remo Meyer?
Vor ihm habe ich Respekt. Ich habe ihn teilweise übermässig kritisiert, das tut mir im Nachhinein leid, aber der Mann kann einstecken. Mit ihm käme ich klar. Das Problem ist vor allem Wolf.

Wann waren Sie zum letzten Mal im Stadion?
Das ist lange her. Ich würde den FCL gern live sehen, fürchte aber, dass im Moment die Sicherheit nicht gewährleistet wäre. Frau Bundesrätin Karin Keller-Sutter hat mir bei einem Schwingfest gesagt: Herr Alpstaeg, wenn ich hierherkomme, brauche ich keine Polizei, wenn ich zum Fussball will, dann schon.

Sie sind Eigentümer des Stadions, das nach Ihrem Unternehmen benannt ist – und wagen sich selber nicht in die Swisspor-Arena?
Ja, das tut mir weh.

Haben Sie die Situation nicht provoziert? Anfang Jahr haben Sie gedroht, der FCL dürfte nicht mehr im Stadion spielen.
Das stimmt nicht. Fakt ist: Für die Lizenz braucht es eine schriftliche Bewilligung des Stadioneigentümers. Als der FCL Anfang Februar – nur wenige Wochen nach der Generalversammlung im Dezember – dafür eine Unterschrift von mir wollte, haben wir gesagt: Stopp! Jetzt schauen wir die Situation erst mal genau an. Es bestand übrigens auch kein Grund zur Eile. Ich habe aber nie gesagt, dass der FCL nicht mehr in der Swisspor-Arena spielen darf.

Was hat es mit der Geschichte auf sich, dass Sie 2019 einen Privatdetektiv eingesetzt haben sollen, um Druck für die Aktienmehrheit auszuüben?
Das trifft nicht zu. Rechtsanwalt Marco Bolzern, der die vier FCL-Aktionäre, Josef Bieri, Samih Sawiris, Hans Schmid und Marco Sieber vertrat, und ich haben uns damals getroffen. Danach hat er ihnen eine E-Mail geschrieben: Ich hätte ihm klargemacht, dass ich dreckige Wäsche waschen würde, wenn sie nicht einwilligen würden, mich als Aktionär mit den 25 Prozent einzutragen. Ich hätte einen Privatdetektiv engagiert, Ehen würden zu Bruch gehen. Dieses Mail ist der Kern der Strafanzeige des Verwaltungsrates gegen mich. Aber das sind reine Behauptungen von Bolzern, die nicht stimmen.

Sawiris, Schmid, Sieber und Bieri waren der Ansicht, sie selber hätten 2015 bei ihrem Kauf des Aktienpakets von Walter Stierli (25 Prozent) ein Vorkaufsrecht gehabt.
Ein Gutachten, das sie gemeinsam mit mir in Auftrag gegeben hatten, hat festgestellt, dass sie kein Vorkaufsrecht hatten. Darum wurde ich im Aktienbuch der FCL Holding eingetragen, mit Protokoll des Verwaltungsrats und den entsprechenden Unterschriften. Dieses Gutachten wird in der Strafanzeige der Gegenseite übrigens mit keinem Wort erwähnt!

Samih Sawiris, aegyptischer Investor, bei der Ankunft zu seiner Ehrenbuergerfeier im Theater Uri in Altdorf, am Freitag, 4. Juni 2021. (KEYSTONE/Urs Flueeler)
Der ägyptische Milliardär Samih Sawiris ist seit 2023 erneut Aktionär beim FCL.Bild: keystone

Die Klage eingereicht hat der Verwaltungsrat der jetzigen FC Luzern Holding AG. Wer von den damals Betroffenen ist überhaupt noch dabei?
Das ist ja das Absurde: Ausser Josef Bieri sind alle, die sich von mir vor viereinhalb Jahren angeblich bedroht fühlten und denen das jetzt plötzlich wieder eingefallen ist – Sawiris, Schmid und Sieber –, schon 2019 aus dem VR ausgetreten. Dazu kommt, dass es die Aktien, die ich 2015 angeblich widerrechtlich erworben haben soll, gar nicht mehr gibt. Sie wurden 2021 bei einem Kapitalschnitt vernichtet. Und dass ich danach neue Aktien für 3,4 Millionen kaufte, das ist bis heute unbestritten. Stefan Wolf und Josef Bieri haben sie damals selbst ins Aktienbuch eingetragen.

Wurden Sie schon einvernommen, Herr Alpstaeg?
Nein.

Sie haben selbst Strafanzeige gegen die Verwaltungsräte der FC Luzern Holding AG eingereicht wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und mutmasslicher Ehrverletzung.
Auch hier hat es noch keine Einvernahmen gegeben.

Unter welchen Bedingungen wären Sie bereit, die Anzeige zurückzuziehen?
Höchstens, wenn der Verwaltungsrat des FCL mir die 25 Prozent Aktien der FCL Holding, die er mir im Dezember widerrechtlich weggenommen hat, wieder zurückgibt und anerkennt, dass ich Anspruch auf die vollen 52 Prozent habe.

Können Sie beziffern, was Sie der Rechtsstreit bisher gekostet hat?
Das kann ich, aber das würde Sie schockieren.

So schnell sind wir nicht schockiert.
Es ist ein sechsstelliger Betrag.

Eine halbe Million?
Das reicht nicht. Mehr.

Der FC Luzern dürfte ähnlich viel Geld aufgeworfen haben …
Die Kosten der Kanzlei Rudolf und Bieri, die den Verwaltungsrat vertritt, lässt dieser vermutlich den Klub bezahlen. Und damit mich. Absurd: Ich komme dann als Aktionär auch noch dafür auf, wenn ich vor Gericht gewinne! Deshalb habe ich auch Verantwortlichkeitsklagen eingereicht, damit die Verantwortlichen persönlich haften.

«Da muss ich schon sagen, dass ich sehr glücklich über den Verbleib von Jashari bin. Wahrscheinlich ist es zudem für einen Wechsel ins Ausland noch ein Jahr zu früh für ihn.»

Der FC Luzern schreibt Millionenverluste. Trotzdem schlug er ein Angebot des FC Basel von kolportierten 5 Millionen Franken für Ardon Jashari aus. Können Sie das nachvollziehen?
Aus rein finanzieller Sicht kann man sich schon fragen, ob das Vorgehen der FCL-Führung verantwortungsvoll ist.

FC Luzerns Ardon Jashari feiert nach dem Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Luzern und Servette FC am Montag, 29. Mai 2023 in der Swissporarena in Luzern. (KEYSTONE/Philipp  ...
Der FCL lehnte ein Angebot aus Basel für Ardon Jashari ab.Bild: keystone

Es gibt auch die sportliche Sicht.
Natürlich, für mich ist das vor allem die sportliche Sicht durch die FCL-Brille. Und da muss ich schon sagen, dass ich sehr glücklich über den Verbleib von Jashari bin. Wahrscheinlich ist es zudem für einen Wechsel ins Ausland noch ein Jahr zu früh für ihn.

Sie sind ein erfolgreicher Unternehmer, expandieren immer weiter und beschäftigen in der Swisspor-Gruppe mittlerweile 5000 Menschen. Warum haben Sie in der Privatwirtschaft Erfolg und im Fussball nur noch Ärger?
Ich führe die Swisspor als Patron. Da kann ich entscheiden. Ab und zu falsch, aber in den meisten Fällen richtig. Den FCL würde ich gerne auch als Patron führen. Obwohl ich beispielsweise mehr auf die Fans eingehen müsste. Wenn ich die 25 Prozent Aktien wieder zugesprochen bekomme, werde ich mehr Leute in die Entscheidungsfindung involvieren als früher

Was ist Ihnen als Patron wichtig?
Im Unternehmen stehen die Mitarbeiter und die Kunden im Mittelpunkt. Wenn mein Verhältnis zu diesen beiden Gruppen stimmt, dann ist der Gewinn die logische Konsequenz. Mir ist der Kontakt zu den Leuten enorm wichtig.

Warum?
Als ich in einem unserer Betriebe in der Mittagspause einem Mechaniker begegnet bin, stachen mir zwei Fotos aus seinem offenen Spind in die Augen. Sein Sohn und seine Tochter. Er sagte voller Stolz: «Ihnen konnte ich mit meinem Gehalt die Ausbildung finanzieren.» Das hat mich sehr glücklich gemacht. Egal ob in unseren Betrieben in Polen, Griechenland oder sonst wo: Wenn mir die Menschen solche Geschichten erzählen, weiss ich, dass ich einiges richtig gemacht habe.

Aber alle werden Sie auch im Betrieb nicht glücklich machen können.
Das ist mir schon klar. Ich bin streng. Kürzlich musste ich im IT-Bereich einen Riegel schieben. Die wollten mehr und mehr Leute einstellen. Ich sagte: Stopp, jetzt ist genug, jetzt bewillige ich nichts mehr. Da erschraken einige. Jetzt mache ich mich gerade unbeliebt, weil ich einzelne Rechnungen kontrolliere.

Sie scherzen.
Nein. Solche Details sind wichtig, sonst laufen die Kosten aus dem Ruder. Mir fiel etwa eine Rechnung für einen Filter auf. Ich liess mich mit dem Sachbearbeiter verbinden und fragte ihn, wo die Konkurrenzofferte sei. Er antwortete: «Ich habe eingekauft, wo wir schon immer eingekauft haben.» Also sagte ich ihm, das gehe so nicht mehr. Künftig muss mindestens eine Konkurrenzofferte eingeholt werden. Der Effekt ist verblüffend. Wenig später wissen alle im Unternehmen: Achtung, der Alte kontrolliert die Rechnungen.

Sie sind 77. Wie weit sind Sie mit der Nachfolgeregelung?
Ich habe eine Tochter, die zwar erst 30, aber gut ausgebildet ist. Ohne, dass ich Einfluss genommen habe, will sie meine Nachfolge antreten. Giulia ist noch härter als ich. Und sie wäre jetzt schon bereit, das Geschäft zu übernehmen. Aber noch habe ich das Sagen. Das muss ich ihr hin und wieder klarmachen (lacht).

Soll Ihre Tochter später auch beim FCL eine führende Rolle übernehmen?
Ja. Sie will das. Aber nicht jetzt. Dafür herrscht im Moment zu viel Unruhe im Klub. Nicht alte weisse Männer wie ich sind die Zukunft des Klubs, sondern junge Talente wie meine Tochter. Aber auch für Leute von ausserhalb der Region sehe ich die Möglichkeit, beim FCL zu wirken.

Auch Ausländer?
Nicht als Inhaber. Ich habe einst versichert, dass der FC Luzern in Schweizer Händen bleibt.

Und was ist mit Inter Mailand? Sie sollen mit den Italienern über eine Übernahme verhandelt haben.
Das ist Blödsinn. Es gab zwar Interesse vom AC Mailand wie auch von einer italienischen Unternehmerfamilie und Investoren aus China und den USA. Aber ich habe nie mit Ausländern über eine Übernahme gesprochen, geschweige denn verhandelt.

Haben Sie einen Zeitplan für die Stabübergabe an Ihre Tochter?
Ja. Aber den verrate ich Ihnen nicht.

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26 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Elpampa
25.08.2023 16:35registriert September 2018
Wer durch Gespräche in der Migros darauf schliesst, er hätte eine stille Mehrheit, dem ist nicht mehr zu helfen.
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James R
25.08.2023 17:33registriert Februar 2014
Er sagt es sehr schön, dass er den Verein als Patron führen will, genau so wie er sein Unternehmen führt. Patron ist ein schönes, etwas nostalgisches Wort für Alleinherrscher. So lässt sich heute wohl kein Club mehr führen.
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baBIELon
25.08.2023 19:02registriert August 2016
Alpstaeg: «Nicht nur ich denke, dass man mir den Verein weggenommen hat»

Stimmt, deine Tochter denkt das wohl auch😂

Alle anderen sind froh kann nicht eine einzige Person einen Verein in Geiselhaft nehmen!

P.S. Ich bin nicht Fan des FCL.
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