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Interview

NHL-Star Nico Hischier spricht über WM-Finals, Geld und New Jersey

Nico Hischier ist jetzt auch Investor und Botschafter des Schweizer Sport- und Fitnessunternehmens Sensopro.
Nico Hischier ist jetzt auch Botschafter der Schweizer Sportmarke Sensopro. Bild: sensopro
Interview

Hischier unterschreibt 11-Millionen-Vertrag und sagt: «Geld-Vergleiche haben keinen Platz»

Die letzten Jahre waren für Nico Hischier und die New Jersey Devils weniger erfolgreich als gehofft. Trotzdem verlängerte er seinen Vertrag vorzeitig bis 2032 – weil er Vertrauen ins Team und ins neue Management hat.
26.09.2026, 07:5126.09.2026, 08:37

Nico Hischier, Sie haben letzte Saison mit NHL, Olympia und WM fast 100 Pflichtspiele bestritten. Brauchten Sie längere Ferien, um das zu verarbeiten?
Nico Hischier: Ich habe meinen Sommer eigentlich mehr oder weniger gleich durchgezogen. Natürlich habe ich die letzte Saison gemerkt – sowohl körperlich als auch mental. Aber mit meinen ersten Olympischen Spielen und der Heim-WM waren so viele Highlights dabei, die Spass gemacht haben. Natürlich war die Saison mit New Jersey nicht top. Aber am Ende war ich glücklich, dass ich die ganze Saison ohne Verletzungen absolvieren konnte. Das ist mir zuvor nur in meiner allerersten Saison gelungen.

Was fehlte, waren sportliche Krönungen. Haben Sie die Niederlage im WM-Final schon verdaut?
Nein, ich glaube, das ist so eine Niederlage, mit der ich immer Mühe haben werde. Ich konnte sicher die ganze WM reflektieren und auch dieses letzte Spiel. Und wenn ich das gemacht habe, ist das für mich eigentlich abgeschlossen. Dann wird das Spiel irgendwo in einer Schublade versteckt. Wenn ich an die WM zurückdenke, dann ist sie für mich mit positiven Emotionen gefüllt. Dieses letzte Spiel ist halt, wie es ist. Es wird mich immer ärgern, aber ändern kann ich es nicht mehr und die Welt dreht sich weiter.

Switzerland's goaltender Leonardo Genoni, left, and Switzerland's Nico Hischier, right, react with disappointment after the defeat of the 2026 IIHF Men's Ice Hockey World Championship g ...
Nico Hischier nach dem verlorenen WM-Final. Bild: keystone

War es fast einfacher, diese Finalniederlage zu verarbeiten, weil die Heim-WM mit so vielen positiven Emotionen verknüpft war?
Es war eher schwieriger. Jede Finalniederlage war natürlich nicht schön. Aber weil wir zuhause waren und so gute Auftritte hatten, waren wir anders drauf in der Garderobe. Wir sind mit noch mehr Selbstvertrauen aufgetreten und waren noch etwas positiver eingestellt. Dass es am Ende trotzdem nicht geklappt hat, schmerzt.

«Am Ende war es auch eine mentale Sache – wieder 0:0, wieder in die Verlängerung.»

Haben Sie mit etwas Abstand eine Erklärung, warum die Nati nun schon drei WM-Finals in Folge kein Tor erzielt hat?
Ich würde darauf gerne eine Antwort geben, aber ich weiss es nicht. Und ich bin überzeugt davon, dass man Dinge anzieht, wenn man zu viel über sie spricht. Nicht mehr drüber sprechen wäre meine Lösung, aber das lässt sich so einfach sagen.

Sie waren in den Finals ja auch nie die unterlegene Mannschaft.
Genau, wir haben nicht jeweils fünf Tore kassiert. Die Spiele wurden einfach als defensive Schlachten gespielt, insbesondere das letzte gegen die Finnen. Sie sind defensiv immer sehr gut aufgestellt und die wollen genau dieses Spiel. Am Ende war es auch eine mentale Sache – wieder 0:0, wieder in die Verlängerung. Aber auch hier hatte ich nie das Gefühl, dass wir das Spiel verlieren werden. Das eine Tor hätten auch wir machen können. Ich glaube nicht, dass wir wie vielleicht in anderen Finals etwas zu vorsichtig waren.

Wenn man mehr riskiert, droht man auch den Finnen ins Messer zu laufen, wie das den Kanadiern im Halbfinal passiert ist.
Auf jeden Fall. Jeder, der etwas von Hockey versteht, weiss, dass die Finnen in einem 3-2 stehen. Und wenn man da riskiert, dann kann es schnell gehen. Für Risiko kannst du belohnt werden, aber du gibst natürlich auch etwas auf. Sie waren sicher so eingestellt, dass sie uns so wenige Chancen wie möglich zugestehen. Sie hofften, dass wir dann Fehler machen und sie zuschlagen können. Wir schafften es auch, ihre Chancen zu reduzieren. Da kann man jetzt diskutieren, ob es mehr Risiko gebraucht hätte. Vielleicht wäre es aufgegangen, vielleicht auch nicht. Wir werden es nie wissen. So ist das im Hockey.

«Die WM-Trikots hängen im Schrank und jede Medaille ist beim entsprechenden Trikot.»

Renato Tosio hat unlängst gesagt, dass es fast absurd ist, wenn man in der Schweiz enttäuscht ist über drei Mal Silber in Serie. Wie sehen Sie das?
Das ist sicher eine Perspektive, die man nicht vergessen darf. Ich glaube, wir haben über die Jahre riesige Fortschritte gemacht. Wir müssen uns nie mehr verstecken. Drei Finals in Serie musst zuerst einmal erreichen. Aber wir Athleten sind einfach so gepolt, dass wir gewinnen wollen. Darum ist es logischerweise bitter. Aber die Perspektive ist sicher wichtig. Ein wenig stolz kann man sicher sein.

Sind Sie schon so weit, dass Sie darauf stolz sein können?
Ich habe das Gefühl, das kommt eher später noch. Wir waren immer so nahe dran und es fehlt immer noch die grosse Krönung. Aber als Athlet gibt das auch noch zusätzliche Motivation. Ich sage immer, dass es dafür umso schöner wird, wenn es endlich klappt. Und ich hoffe natürlich, dass man irgendwann noch einmal in dieser Situation ist und auch da einfach die Gedanken ablegen kann. Ohne gross zu überlegen, wirklich Vollgas geben. Ich glaube, das ist etwas, das uns helfen könnte, egal ob wir gewinnen oder nicht.

Haben Sie Ihre Silbermedaillen irgendwo aufgehängt, oder liegen die noch in einer Schublade?
Wir erhalten von jeder WM auch ein Leibchen. Die Trikots hängen im Schrank und jede Medaille ist beim entsprechenden Trikot. Ich habe sie also aufgehängt, aber nicht wirklich präsentiert.

Wenden wir uns der neuen Saison zu. Sie haben diesen Sommer bei den New Jersey Devils einen neuen Vertrag unterschrieben. Wie involviert waren Sie in den Verhandlungen?
Im Grossen und Ganzen bist du eigentlich als Spieler gar nicht involviert. Man hat einen Austausch mit seinem Agenten, mit dem General Manager des Teams hat man aber nicht gross Kontakt. Während meiner Vertragsverhandlungen hatte ich ein einziges Telefon mit unserem neuen GM Sunny Mehta, aber nichts Grosses. Davor habe ich ihn schon nach der Saison – vor der Rückkehr in die Schweiz – noch rasch gesehen und mit ihm einen Kaffee getrunken. Ich habe ihn nach seinen Plänen fürs Team gefragt und er mich nach meinen Plänen für die Zukunft. Aber als die tatsächlichen Verhandlungen losgingen, habe ich mich eigentlich herausgehalten.

Sunny Mehta, the new general manager of the New Jersey Devils NHL hockey club, attends news conference in Newark, N.J., Tuesday, April 21, 2026. (AP Photo/Seth Wenig)
Sunny Mehta
Der neue General Manager der New Jersey Devils: Sunny Mehta. Bild: keystone

Was wissen Sie nach Ihrem ersten Gespräch über Sunny Mehta?
Das erste Gespräch mit ihm war sehr positiv. Er weiss was er will. Was mich auch überzeugt hat: dass er von den Florida Panthers kommt, einem Team, das in den letzten Jahren sehr viel Erfolg gehabt hat. Ich hoffe, er kann seine Ideen auch hier einbringen. Mit meiner Unterschrift habe ich ihm auch gezeigt, dass ich «on board» bin mit seinen Ideen.

«Geld ist für mich nichts, woran man sich messen sollte.»

Der Vertrag ist ab Sommer 2027 gültig und darauf steht eine jährliche Lohnsumme von 11,7 Millionen. Haben Sie noch einen Bezug zum Geld?
Ich checke natürlich schon, dass das eine grosse Summe ist. Aber für mich ist das irgendwie … es ist halt einfach so. Geld war noch nie die treibende Kraft hinter meiner Karriere. Aber ich bin natürlich dankbar, dass ich mein Hobby als Beruf ausüben kann. Und dass ich dafür so gut entschädigt werde und finanzielle Stabilität habe.

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In den ersten Jahren des Vertrags ist der Lohn höher als zum Schluss. Das heisst, ab nächster Saison erhalten Sie sogar mehr als die 11,7 Millionen. Damit sind Sie einer der bestverdienenden Schweizer Teamsportler …
Tatsächlich? Das habe ich nicht gewusst …

… Also sicher ganz weit vorne mit dabei.
Auch wenn es so ist, ist das für mich nichts, worin ich mich messen möchte. Geld spielt bei mir nicht so eine grosse Rolle. Gerade im Teamsport hat diese Art von Vergleich für mich keinen Platz.

Der Lohn ist ja auch eine Art Auszeichnung für das Geleistete?
Das auf jeden Fall. Ich arbeite hart an mir selbst und investiere viel. Jeder Spitzensportler weiss genau, dass es auch harte Zeiten gibt, Dinge, auf die man verzichten muss. Ab dieser Saison stehen bei uns 84 Regular-Season-Spiele an – wir sind eigentlich nur am Spielen und am Reisen. Aber ich schätze es sehr. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich gesund bin und das machen darf.

Wie sehr haben Sie darauf gedrängt, dass die Vertragsdauer fünf Jahre beträgt? Es wären ja auch acht Jahre möglich gewesen.
Es kam sicher eher von unserer Seite, dass der Vertrag nicht ganz so lang wird. Natürlich spielt die stets steigende Lohnobergrenze in der NHL eine Rolle, aber wenn das die Hauptmotivation wäre, hätte ich nur zwei oder drei Jahre unterschrieben. Für mich haben fünf Jahre einfach richtig getönt. Ein Jahr habe ich ja noch mit dem aktuellen Vertrag. Danach bin ich 33 Jahre alt und kann mich dann nochmals wie in diesem Sommer entscheiden – wo ich stehe im Leben und wie es weitergehen soll.

«Ich trage schon lange genügend Verantwortung, darum glaube ich nicht, dass ich eine zusätzliche Scheibe Gewicht noch merke.»

Acht Jahre hätten aber auch zusätzliche Sicherheit gegeben. Ist der Fünfjahresvertrag nicht auch ein Risiko?
Logisch. Aber eben, ich weiss ja auch nicht, was ist, wenn ich dann 33 bin. Vielleicht will ich ja irgendwo etwas anderes machen. Das weisst du nie. Für mich waren die fünf, respektive sechs Jahre irgendwie einfach richtig. Danach kann ich mich entscheiden, ob ich in New Jersey weitermachen möchte, ob ich vielleicht woandershin will. Oder ob ich vielleicht auch gar nicht mehr weiterspielen möchte. In fünf oder sechs Jahren kann im Leben viel passieren. Bei einem Achtjahresvertrag wären die nächsten neun Jahre verplant gewesen – das wäre für mich ein zu grosses Commitment gewesen.

Apropos Commitment. Nach einer weiteren enttäuschenden letzten Saison haben Sie gesagt, Sie wollen Teil der Lösung sein und nicht davonlaufen. Sie sehen in den Devils also weiterhin Potenzial für nach ganz oben?
Klar. Viele Spieler waren schon im Team, als wir 2022/23 unsere beste Saison gespielt haben. Da haben wir gezeigt, was wir draufhaben. Es ist das Schwierigste im Sport, stets liefern zu können, und wir versuchen wie jedes Team, dass uns das gelingt.

New Jersey Devils center Nico Hischier (13) skates off the ice after the Devils lost to the Philadelphia Flyers in an NHL hockey game Tuesday, April 7, 2026, in Newark, N.J. (AP Photo/Adam Hunger)
Nic ...
Nico Hischier führt die New Jersey Devils als Captain an.Bild: keystone

Ab 2027 sind Sie der bestbezahlte Spieler der Devils, Captain und haben noch viele Vertragsjahre vor sich. Das ist nochmals eine ganze Schippe Verantwortung.
Ich trage eigentlich schon lange genügend Verantwortung, darum glaube ich nicht, dass ich eine zusätzliche Scheibe Gewicht noch merke. Wenn man in der NHL spielt, ist immer Druck da.

Wie blenden Sie diesen Druck aus?
Ich fokussiere mich auf Dinge, die ich kontrollieren kann. Ich fokussiere mich auf mein Spiel und das Team und blende so viel wie möglich von der Aussenseite aus. Ich lese nichts und schaue nichts an. Klappt das immer? Nein. Aber es klappt immer besser und mit mehr Erfahrung kann man auch damit besser umgehen.

Der neue Vertrag läuft 2032 aus. Was muss bis dahin passiert sein, damit Sie zufrieden sind?
Rein sportlich muss ich den Stanley Cup gewonnen haben. Dann habe ich die richtige Entscheidung getroffen und bin zufrieden.

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