Ein Priester verfluchte sie – 75 Jahre später wurden sie endlich wieder Meister
Über die Jahre haben sich auf meinem Computer unzählige Links angesammelt. Einer von ihnen führt zu einem Artikel über den «Fluch über dem County Mayo». Dazu, etwas darüber zu schreiben, kam ich nie.
Bis jetzt. Denn der Fluch ist gebrochen.
— GibHogSport (@GibHogs) July 26, 2026
Am Sonntag gewann Mayo mit 1-20 zu 1-17 gegen Kerry und brachte die Meisterschaft in dieser Mischung aus Rugby und Fussball zurück in den Westen Irlands. Als vor 82'300 Fans im Croke Park in Dublin der Schlusspfiff ertönte, sanken die Spieler erschöpft und erlöst auf den Rasen, und auf den Tribünen liessen Fans ihren Freudentränen freien Lauf.
Ein Fluch und elf Finalniederlagen
Die Hoffnung hatten sie nie aufgegeben, dass es wieder einmal klappen könnte. Doch mit jeder Finalniederlage gewann der Fluch an Glaubwürdigkeit. Elf Mal erreichte Mayo seit dem dritten und letzten Titelgewinn 1951 den Final. Elf Endspiele – mit elf Niederlagen.
Wie schon im Jahr zuvor waren die Sportler im September vor 75 Jahren als Sieger aus Dublin heimgereist. Ausgelassen kehrte das Team in einem offenen Bus zurück, als es im Dorf Foxford am Trauerzug einer Beerdigung vorbeikam. Im strenggläubigen Irland verlangten die Sitten Ruhe und dass die Mannschaft der Trauergemeinde ihren Respekt erweist.
Doch die Spieler feierten ihre Party weiter, was den Priester erzürnte. Und so stiess er einen Fluch aus: «Die Verdammnis sei auf jeden einzelnen von euch. Solange ihr alle lebt, wird County Mayo nie wieder die Meisterschaft gewinnen.»
Triumph im ersten Final ohne Überlebende von 1951
Wie bei vielen guten Geschichten blieb unklar, ob sie sich in allen Details so zugetragen hat. Doch es schien sich in den folgenden Jahrzehnten um eine unumstössliche Wahrheit zu handeln: Mayo konnte keine Meisterschaft mehr gewinnen. Und je seltsamer die Ereignisse waren, die zur Finalniederlage führten, umso mehr glaubten Fans an den Fluch. Da war etwa das Endspiel 1996 und ein kaum zu glaubender Glückstreffer des Gegners. Oder der Final 2016, in dem sich Mayo gleich zwei Eigentore einfing, im Gaelic Football ein äusserst seltenes Ereignis.
Doch wie hiess es im Fluch des Priesters? «Solange ihr alle lebt.» 2023 starb das letzte noch lebende Mitglied der Meistermannschaft von 1951, womit die Bedingung des priesterlichen Fluchs erfüllt war. Nun gelang Mayo erstmals seither der Einzug in den Final – es gewann ihn und brach den Fluch.
Das Spiel war nichts für schwache Nerven. Rekordmeister Kerry legte mit einem Blitzstart vor, doch bis zur Pause kam Mayo heran. Mit dem Tor von Darragh Beirne kippte die Partie endgültig. Kerry wehrte sich zwar noch einmal, doch mit der letzten Aktion des Spiels machte Tommy Conroy alles klar – und sorgte für Ekstase im Stadion und bei den rund 140'000 Bewohnern des County Mayo.
«Davon habe ich jeden Tag meines Lebens geträumt», sagte Captain Jack Coyne. «Dass ich das nun erleben darf – das lässt sich mit Worten gar nicht beschreiben.»
Das Rätsel um den Fluch bleibt
Lokale Chronisten bezeichnen die Geschichte mit dem Fluch als eine Anekdote, die Anfang der 2000er-Jahre «aus dem Nichts» aufgetaucht sei. Dutzende Menschen, die ihr Leben lang in Foxford gelebt haben, hätten sich nicht an den Vorfall mit der Beerdigung erinnern können.
Mick Loftus, der letzte Überlebende der 1951er-Meister, sprach von «viel Lärm um Nichts» und gab an, er könne sich nicht an einen Trauerzug erinnern. Wobei er ergänzte: «Nur weil ich keinen Trauerzug gesehen habe, heisst das noch lange nicht, dass es keinen gab.» Das Rätsel um den Fluch bleibt – auch wenn er nun gebrochen wurde.
