So gut sind die Bösen vor dem Saison-Highlight Kilchberger im Schuss
Der Bergkönig
Fabian Staudenmann vollendete mit seinem Co-Sieg am Sonntag beim Bergkranzfest auf dem Brünig seine Sammlung an Bergfestsiegen. Erst als zweiter Schwinger nach dem Schwyzer Martin Grab reüssierte er mindestens einmal bei jedem der sechs Bergklassiker.
Ohnehin ist der – gemäss der inoffiziellen Wertung des Fachmagazins Schlussgang – beste Schwinger der vergangenen drei Jahre in bestechender Form. Bereits vier Kranzfestsiege feierte der Guggisberger in dieser Saison, zuletzt reüssierte er dreimal in Folge: beim Berner Kantonalen, auf der Rigi und dem Brünig. Beim Kilchberger, das er bei der letzten Austragung vor fünf Jahren ziemlich überraschend gewonnen hatte, geht der Festsieg nur über den 26-Jährigen.
Der Temperamentvolle
Sieg am St.Galler Kantonalen, Sieg auf dem Stoos, Sieg am Nordostschweizerischen, Co-Sieg auf dem Brünig: Werner Schlegel befindet sich in einer beneidenswerten Form. Der Toggenburger liess sich am Sonntag auf der Passhöhe zwischen den Kantonen Bern und Obwalden auch nicht von einem zweifelhaften Kampfrichterentscheid und der damit verbundenen überraschenden Niederlage gegen Jonas Amrhyn von seinem Weg abbringen.
Seine Stärke bewies Schlegel auch, als er in der Höhle der Löwen – oder besser gesagt der Bären – in den Schlussgang vorstiess und beim Bernisch-Kantonalen im Wankdorf nur gegen den späteren Festsieger Staudenmann kein Mittel zum Sieg fand. Nach dem völlig verkorksten Jubiläumsschwingfest vor zwei Jahren in Appenzell hat Schlegel nochmals einen Schritt nach vorne gemacht, was die Schlussgangteilnahme im Vorjahr beim Eidgenössischen in Mollis beweist. Neben Staudenmann ist der 23-Jährige der ganz grosse Favorit auf den Sieg am Kilchberger.
Das Ausnahmetalent
103 Kilogramm verteilt auf 191 Zentimeter: Michael Moser ist gewiss kein geringer Mann, im Vergleich mit anderen Spitzenschwingern jedoch einer, dem die körperlichen Voraussetzungen sicherlich keinen Vorteil verschaffen. Umso erstaunlicher ist die Entwicklung des erst vor wenigen Tagen 21 Jahre alt gewordenen Emmentalers, der seine Kontrahenten nicht mir roher Gewalt, sondern mit einem breiten technischen Repertoire und einer Regelmässigkeit ins Sägemehl bettet, die momentan seinesgleichen sucht.
Zuletzt musste das die Konkurrenz am Südwestschweizerischen Teilverbandsfest feststellen: Moser stand nach fünf Siegen bereits vor dem Schlussgang als Festsieger fest. Dies hielt ihn jedoch nicht davon ab, in der Endausmarchung auch den körperlich überlegenen Verbandskollegen Adrian Walther platt zu besiegen. Bereits vor einem Jahr am Eidgenössischen gehörte Moser zum Favoritenkreis. Und wer weiss, wie das Fest ausgegangen wäre, wenn der Jungspund im 4. Gang das (eigentlich klare) Resultat gegen Samuel Giger erhalten hätte.
Der kritisierte König
Schwingerkönig Armon Orlik stand im ersten Jahr seiner Regentschaft schon oft in der Kritik. Der «Blick» schrieb im Juni vom «schwächsten König seit Matthias Glarner» und erhielt beim Bernisch-Kantonalen Wasser auf seine Mühlen. Gleich drei Niederlagen musste der Bündner im Wankdorf hinnehmen.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es die einzigen Niederlagen für Orlik waren in diesem Jahr. Auch wenn der 31-Jährige noch nicht so unwiderstehlich auftritt wie in Mollis, kommt er besser in Form. Auf dem Brünig hielt er Staudenmann gleich zweimal in Schach, was ihm den vierten Sieg an einem Bergfest einbrachte. Auch wenn andere Schwinger besser in Form sind – den König sollte man nie abschreiben.
Der Hoffnungsträger
In den letzten beiden Jahren triumphierten Schwinger aus der Innerschweiz auf dem Brünig. Nun musste man der Konkurrenz den Vortritt lassen – und dies gleich in vierfacher Ausführung. Nach den Rücktritten von König Joel Wicki und dem Zuger Hünen Pirmin Reichmuth fehlt es dem nach wie vor grössten Teilverband an Spitzenathleten. Lukas Bissig wurde auserkoren, um die Lücke gemeinsam mit Routinier Marcel Bieri zu schliessen.
Der 23-jährige Urner liefert auch, gewann zwei Kranzfeste und klassierte sich gleich viermal im 2. Rang, zuletzt auch auf dem Brünig. Doch die Last wiegt schwer, den Innerschweizern fehlt es an der Breite in der Spitze. Umso mehr schmerzt der Ausfall von Sven Schurtenberger, der nach seinem Bandscheibenvorfall für den Rest der Saison ausfällt. Marc Lustenberger, Samuel Schwyzer, Michael Gwerder oder Joel Ambühl ist der ganz grosse Wurf (noch) nicht zuzutrauen.
Der Aufsteiger
Sinisha Lüscher hat in Mollis seinen ersten eidgenössischen Kranz gewonnen. Dem Status des Eidgenossen wurde er seither mehr als gerecht. Der 20-jährige Aargauer, der für den solothurnischen Verband schwingt, feierte in diesem Jahr bereits zwei Kranzfestsiege und stand auf dem Weissenstein im Schlussgang. Gemeinsam mit dem ein Jahr älteren Marius Frank sowie den Routiniers Nick Alpiger, Joel Strebel und Lars Voggensperger haben die Nordwestschweizer eine starke Truppe zusammen, mit der zu rechnen ist.
Der Rest
Samuel Giger gehört wie Damian Ott zu jenen Schwingern, die am Kilchberger vor fünf Jahren siegreich waren. Der Thurgauer schlägt sich seit Ende Mai mit einer hartnäckigen Schulterverletzung herum, die ihn vom Wettkampfgeschehen fern hält. Ziel bleibt das Kilchberger. Mit dem unbequemen St.Galler Ott ist ebenfalls stets zu rechnen.
Gleiches gilt für Adrian Walther, der in dieser Saison schon zwei Kranzfeste gewinnen konnte und eine wichtige Berner Teamstütze ist. In Romain Collaud und Lario Kramer haben die Südwestschweizer zwei Schwinger in ihren Reihen, die an guten Tagen jedem Gegner wehtun können. Weil dahinter die Qualität im kleinsten Teilverband des Landes jedoch merklich abnimmt, sind die beiden beim Saisonhöhepunkt in gut einem Monat ziemlich auf sich alleine gestellt.
