Armon Orlik und der Druck, der auf einem König lastet: «Brauche wohl Hilfe»
Sieg auf dem Brünig, Sieg am Bündner-Glarner, Sieg am Glarner-Bündner: Das ist die Ausbeute von Armon Orlik in diesem Jahr. Wofür viele andere Schwinger unterschreiben würden, ist für einen König eine anständige Bilanz, aber kein Grund zum überbordenden Jubel.
Der 31-jährige Bündner war deshalb auch schon als schwächster König seit Matthias Glarner bezeichnet worden. Kritik, die ihm nahe ging, wie Orlik nun im «Blick» sagte: «Mit gewissen Dingen und damit, wie sie gesagt werden, bin ich nicht einverstanden. Teilweise ist es überspitzt und zielt an der Realität vorbei. Klar, das macht etwas mit einem.» Er sei sich Kritik aber inzwischen gewohnt und versuche, sie auszublenden.
«Damit umzugehen, ist nicht einfach»
Bei ihm müsse eben alles perfekt zusammenpassen, sonst werde es schwierig, erklärte Orlik. «Ich bin halt kein Christian Stucki. Er konnte mit seinen 140 Kilo viele Gegner dank seiner gewaltigen Kraft bezwingen. Dafür fehlen mir die körperlichen Voraussetzungen.» Sei er nicht in absoluter Topform, müsse er gegen viele Konkurrenten hart arbeiten und länger im Sägemehl stehen, bis es zur Entscheidung kommt.
Im Interview sprach Armon Orlik auch über den zusätzlichen Druck als Schwingerkönig. Vor dem Eidgenössischen in Mollis im vergangenen Jahr habe er dank seiner Erfahrung gewusst, was auf ihn zukomme und sei sein eigener Mentaltrainer gewesen. Weil das gut funktioniert habe, habe er auch in diesem Jahr auf externe Hilfe verzichtet.
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Nun bezweifle er, ob dies der richtige Entscheid gewesen sei, sagte Orlik offen. «Ich bin mir nicht mehr sicher, ob es für mich der beste Weg ist, alles allein zu bewältigen. Ich brauche wohl professionelle Hilfe. Als Schwingerkönig bin ich in Situationen geraten, die ich so vorher nicht kannte.» Den meisten Druck mache er sich wohl selbst. «Damit umzugehen, ist nicht einfach.» Ob er künftig mit einem Mentaltrainer arbeite, werde er nach der Saison entscheiden, wenn er Zeit zur Reflektion habe. «Ich muss herausfinden, wo das Problem genau lag.»
Vorher steht am Samstag mit dem Kilchberger Schwinget das Highlight der Saison an. Orlik sagte, sein Formaufbau sei klar auf dieses Fest ausgerichtet. Das Nordostschweizer Team strebe den Sieg an und mit seiner Leistung wolle er dazu beitragen. «Ich fühle mich auf jeden Fall topfit und bin bereit.» Wen es am Zürichsee zu schlagen gibt, ist für Orlik klar: den Berner Fabian Staudenmann. «Er ist der konstanteste und beste Schwinger in diesem Jahr. Für mich ist er definitiv der Top-Favorit.» (ram)
