Der neue Präsident des Eishockeyverbandes kündigt Sparmassnahmen an
Die Schweiz ist in der Eishockey-Weltrangliste zum ersten Mal die Nummer 1 und hat dreimal hintereinander den WM-Final erreicht. Aber der Verband kommt seit Jahrzehnten nicht zur Ruhe. Marc Lüthi ist der zehnte Präsident seit Einführung der Playoffs im Jahr 1986 und nur fünf von ihnen haben das Amt in Frieden und Ehren ihrem Nachfolger übergeben.
Am Donnerstag ist Marc Lüthi gewählt worden und seit Freitag ist er im Amt. Und die Frage ist, ob er nach einem Vierteljahrhundert als Macher nun das diplomatische Geschick und die politische Schlauheit hat, die für das höchste Amt in unserem Hockey unabdingbar sind.
Ein Grund zur Hoffnung: Seine erste Amtshandlung war ein kluger und diplomatischer Akt. Er hat an seinem ersten Tag im Amt zu einer Medienkonferenz in Fribourg eingeladen. An der Kultur- und Sprachgrenze zwischen der welschen und der deutschen Schweiz. Eine schöne Geste des Respektes gegenüber unserer frankophonen Hockeykultur. Und er sagt, er sei sehr wohl dazu in der Lage, andere Meinungen anzuhören und Entscheidungen zu akzeptieren, die in einem Kollektiv erarbeitet werden. «Ich lasse mich mit guten Argumenten überzeugen.»
Lüthi lernt, mit Engelszungen zu reden
Einen Zeitplan, wann er welche Massnahmen umsetzen will, nennt Lüthi nicht. Es gebe Ideen zur Lösung verschiedener Probleme – wie die Neuausrichtung der Swiss League –, aber noch sei es zu früh, darüber zu reden. Auffallend ist, wie oft er im Gespräch das Wort «wir» verwendet. Er lernt, mit Engelszungen zu reden.
Immerhin formuliert er ein Ziel doch noch: «Der Verband muss Ende Saison so aufgestellt sein, dass er mit weniger Zahlungen der National League finanziell über die Runden kommt.» Es sind die Zahlungen der Klubs der höchsten Liga für Dienstleistungen des Verbandes (u.a. Schiedsrichter und Lizenzwesen). Marc Lüthi war als SCB-Manager einer der Wortführer für eine Reduktion dieser Zahlungen.
Diese Zielsetzung ist hoch brisant. Die Ausgaben beim Verband sind zu hoch, das zweistellige Millionenvermögen schmilzt und nun geht Marc Lüthi davon aus, dass die Zahlungen der National League beim neu auszuhandelnden Zusammenarbeitsvertrag mit der National League kleiner werden. Das bedeutet, dass die Verbandsausgaben reduziert werden müssen, was nur über Personalabbau in der Administration möglich ist, und seine Aussage nichts anderes ist als die verklausulierte Ankündigung eines Personalabbaus.
Dazu sagt Marc Lüthi weiter nichts. Er wird nächste Woche zwei Tage in Zürich in den Verbandsbüros verbringen und bei dieser Gelegenheit mit CEO Martin Baumann zu Mittag essen. Einzelne Verwaltungsräte proben bereits den Aufstand gegen den neuen Präsidenten und haben vertraulich erklärt, eine Amtsenthebung von Baumann komme nicht in Frage, da könne der Lüthi machen, was er wolle. Allerdings hat der Verwaltungsrat Baumanns Bitte um eine Gehaltserhöhung in der letzten Sitzung vor Lüthis Amtsantritt nicht entsprochen und so verhindert, dass eine allfällige Trennung noch teurer käme.
1994 bis 1996: Sepp Brunner – zum Rücktritt gedrängt.
1995 bis 2003: Werner Kohler – zum Rücktritt gezwungen.
2003 bis 2008: Fredy Egli – erfolgreich.
2002 bis 2012: Philippe Gaydoul – erfolgreich.
2012 bis 2017: Marc Furrer – zum Rücktritt gedrängt.
2017 bis 2023: Michael Rindlisbacher – erfolgreich.
2023 bis Dezember 2024: Stefan Schärer – zum Rücktritt gezwungen.
Dezember 2024 bis Ende Mai 2025: Urs Kessler – freiwilliger Rücktritt.
Seit 28. August 2026: Marc Lüthi – noch im Amt.
