Feier auf der Tribüne: Das steckt hinter dem wilden Jubel von Ecuador-Trainer Beccacece
Vor dem letzten Gruppenspiel war klar: Wenn sich Ecuador an dieser Weltmeisterschaft noch für die K.o.-Phase qualifizieren möchte, braucht es gegen Deutschland einen Sieg. Die Partie startete nach einem umstrittenen Gegentor zwar ziemlich schlecht für die Südamerikaner, aber bereits in der 9. Spielminute erzielte Nilson Angulo den Ausgleichstreffer.
Beim 1:1 blieb es bis zur 77. Minute. Dann erlöste Gonzalo Plata eine ganze Nation und erzielte das 2:1 für die Ecuadorianer. Bei Nationaltrainer Sebastian Beccacece gab es gar kein Halten mehr. Wie von der Tarantel gestochen sprintete der 45-Jährige los und feierte mit seiner Frau und weiteren Familienmitgliedern, welche auf der Tribüne waren.
JAJAJA qué hace el fantasma de Beccacece? Siempre una sampaoliada pic.twitter.com/QRZ48wfHQa
— Marian Herrera (@marianherrrera) June 25, 2026
Für den Trainer war es wichtig, diesen Moment mit seiner Familie zu feiern. «Es geht darum, zu verstehen, dass das Leben solche Momente bereithält, die man mit seiner Familie, seinem Partner, seiner Mutter, seiner Schwester, seinen Freunden teilen kann», erklärte Beccacece und dachte auch an seinen verstorbenen Vater. «Mein Vater fehlt. Er schaut von oben auf uns herab. Aber ich denke, wir sollten diese Momente feiern. Ich denke an die Ecuadorianer, 19 Millionen Menschen, die sich umarmen, ein Bier trinken und diesen historischen Sieg feiern.»
Beccacece wurde nach den ersten zwei Partien stark kritisiert. Ecuador verlor das Auftaktspiel gegen die Elfenbeinküste und kam gegen Aussenseiter Curaçao nicht über ein 0:0 hinaus. Es wurde bereits die Entlassung des Argentiniers gefordert. Umso grösser war der Druckabfall nach dem Siegtor von Plata.
Nach dem sensationellen Erfolg erklärte Beccacece: «Wir sind auf die Welt gekommen, um zu fühlen. Manchmal spüren wir den Schmerz einer Niederlage, manchmal aber auch die Zufriedenheit eines Sieges. Wichtig ist, ein Gleichgewicht zu finden. Das wird mein Leben nicht verändern. Das wird es nicht. Aber wir müssen uns diese Freude gönnen.» Seit zwei Jahren steht Beccacece bei Ecuador an der Seitenlinie und hat sich, wie er selbst sagt, in das Land verliebt.
Rechnerisch ist es noch möglich, dass Ecuador im Sechzehntelfinal auf die Schweiz trifft. Am wahrscheinlichsten ist gemäss Klinkt ein Sechzehntelfinal zwischen Co-Gastgeber Mexiko und Ecuador. Beccacece träumt aber ohnehin von mehr: «Es wäre fantastisch, wenn wir uns für das Viertelfinale qualifizieren würden, nicht wahr? Warum nicht? Dafür haben wir gearbeitet. Ich wünsche mir, dass wir das schaffen, denn dieses Team und diese Menschen haben es verdient.» Die Südamerikaner konnten sich an einer WM bisher noch nie für die Runde der letzten Acht qualifizieren. (riz)
