Lieber Alex Frei, bleiben Sie beim Käse
Als Stürmer und Rekordtorschütze der Schweizer Fussball-Nati freute sich Alex Frei, wenn die gegnerische Abwehr «löchrig wie ein Schweizer Käse» war. Schon als Spieler bestellte er sich zum Dessert lieber Käse, statt sich süssen Versuchungen hinzugeben. Aus Vorliebe ist Leidenschaft geworden.
Frei liess sich zum Käsesommelier ausbilden, tüftelt an eigenen Kreationen und gerät ins Schwärmen, wenn er über Reife, Sensorik und Konsistenz referiert. Sein persönliches Fondue (eine handgemachte 600-Gramm-Rohmilch-Mischung aus je einem Drittel Vacherin, Gruyère und Walliser Bergkäse, verfeinert mit einem Schuss Kirsch) liefert er oft gar selber aus. Käse macht Alex Frei offensichtlich glücklich. Tut das auch der Fussball?
Während er beim Käse die richtige Mischung längst gefunden hat, scheint ihm das beim Fussball nicht so richtig zu gelingen. Den Job als Sportchef beim FC Luzern gab er auf, nachdem er ein Burn-out erlitten hatte. Auch bei Wil und in Aarau hörte er auf, weil ihm am Ende die Energie fehlte. Und seine Amtszeit beim FC Basel endete nach 221 Tagen und 34 Spielen. Davor war er mit Winterthur in die Super League aufgestiegen.
Alex Frei kenne ich nur aus dem Fernsehen, erst als Spieler, später als Trainer, dazwischen als Experte. In dieser Rolle empfand ich ihn zuweilen als miesepetrig. Und noch schlimmer – das gab er offenherzig zu – gar nicht mal so gut informiert. Unvergessen, wie er im Sportpanorama vor einem Spiel der Schweizer Nati bei der Europameisterschaft 2024 gegen Ungarn eindringlich vor Stürmer «Gyökeres oder Kyeres, oder wie er heisst» warnte (SRF-Moderator Salzgeber nickte andächtig). Das Problem: Gyökeres hat zwar ungarische Wurzeln, spielt aber für Schweden.
Nach jedem Engagement als Fussballtrainer dachte Frei laut darüber nach, ob er sich das noch einmal antun soll, und meist kam er dann zum Schluss: Nein, eigentlich nicht. Nun ist er doch wieder zurück an der Seitenlinie. Seit Anfang Jahr ist er Trainer der Schweizer U21-Nationalmannschaft. Auf einen 1:0-Knorzsieg gegen den Fussballzwerg Färöer folgten Pflichterfolge gegen Estland und Luxemburg. Zuletzt spielten Alex Freis Schützlinge ziemlichen Käse zusammen: 1:5 gegen Island, 1:7 gegen Frankreich.
Die EM-Endrunde verpasst die Schweiz. Wieder einmal läuft es für Frei als Trainer nicht so, wie er sich das vorgestellt hat. Und wieder stellt sich die Frage: Warum tut er sich das eigentlich an? Vielleicht beweist er allen, die daran zweifeln, dass er es kann. Nur wirkt es seit Jahren nicht so, als würde ihn der Beruf als Trainer besonders glücklich machen.
Ganz anders, wenn er über Käse spricht. Dann schwärmt Alex Frei, er mischt, er tüftelt und probiert aus. Lieber Alex Frei: Vielleicht liegt Ihr Glück nicht auf der Trainerbank, sondern auf dem Käsebrett. Deshalb: Weshalb tun Sie sich das an? Bleiben Sie lieber beim Käse. Nicht, weil Sie kein Trainer sein können – sondern weil Sie dabei richtig glücklich wirken. (schweizheute.ch)

