Erstes Spiel für Trainer Frei: Die Nati-Legende möchte die U21 wieder auf die Spur bringen
Der Star der U21-Nationalmannschaft ist neu der Trainer. Nachdem bis im November mit dem Deutschen Sascha Stauch ein eher Unbekannter die U21 betreut hat, ist mit Alex Frei jetzt eine der prägendsten Figuren des Schweizer Fussballs für die älteste SFV-Auswahl verantwortlich. Mit seinen 42 Toren ist der 46-Jährige weiterhin Rekordtorschütze der Nationalmannschaft.
Frei ist aber auch ein Mann der klaren Worte, der in seiner Karriere einigen Widerständen getrotzt und überall seine Treffer erzielt hat. Ein Vorbild für alle jungen Spieler, die am Beginn einer womöglich grossen Karriere stehen. Nur schon sein Name flösst Respekt ein. Seine «Erfahrung und Haltung» werden «die Nationalspieler von morgen» weiterbringen, ist sich Nationalmannschaftsdirektor Pierluigi Tami sicher.
Nach gut zwei Jahren unter Stauch verordnete Tami der U21 Ende des letzten Jahres neue Impulse. Das 1:2 gegen Luxemburg in der laufenden EM-Qualifikation liess den Verband reagieren und den kleinen Paradigmen-Wechsel vollziehen – weg vom früheren Spielanalysten Stauch, hin zum charismatischen Anführer Frei. Die Mannschaft soll mit dem neuen Coach an Konstanz und Charakter gewinnen.
Sieben Neulinge im Team
Leistungsschwankungen wie zuletzt zwischen dem überzeugenden 1:1 gegen Frankreich und dem blamablen 1:2 gegen Luxemburg sind auch auf Stufe U21 nicht akzeptabel, erst recht nicht innerhalb von vier Tagen. Frei will von seiner Mannschaft eine Mischung aus Demut und Überzeugung. Die kommenden Aufgaben gegen die Färöer am Freitag und gegen Estland am Dienstag, jeweils in Thun, geht er mit viel Respekt an, sagt aber auch: «Wir haben noch immer die Chance, uns direkt oder als Zweiter für die EM zu qualifizieren. Diese Chance wollen wir packen.»
Fehltritte kann sich die U21 auf dem anvisierten Weg zur Europameisterschaft 2027 in Serbien und Albanien kaum mehr erlauben. In den Hinspielen gab es in fünf Partien acht Punkte. Damit dürfte die direkte Qualifikation schon fast nicht mehr zu erreichen sein. Aber der Umweg über die Playoffs bleibt offen und realistisch. Die Konkurrenten für den 2. Platz scheinen die Färöer und Island zu sein.
Für seinen ersten Zusammenzug mit dem U21-Nationalteam bot Frei in erster Linie Spieler auf, die sich in guter Form befinden und «in ihren Klubs regelmässig Spielpraxis sammeln». Auch deshalb schafften es sieben Neulinge ins 24-Mann-Kader: Tibault Citherlet (Winterthur), Nevio Di Giusto (Zürich), Issa Kaloga (Stade Lausanne-Ouchy), Samuel Krasniqi (GC), Giacomo Koloto (Basel), Rodri Smith (Winterthur) und Jarell Simo (Nyon).
Ein riesiger Erfahrungsschatz
Es ist ein neuer Blick, der auf die jungen Schweizer Spieler gerichtet ist. Alex Frei hat zum einen die Erfahrung von über 500 Partien als Profi, 84 Länderspielen und einer Heim-EM als U21-Internationaler, aber zum anderen auch ein breites Wissen als Trainer. Beim FC Basel trainierte er drei Altersstufen, bevor er in Wil, Winterthur, Basel und Aarau die A-Teams coachte. Zudem war er nach seiner Aktivkarriere zunächst Sportchef des FC Luzern und zuletzt auch TV-Experte.
Lange wirkte Frei als Trainer nie bei einem Klub. Wil und Aarau verliess er auf eigenen Wunsch, der FC Basel entliess ihn sieben Monate nach seiner Einstellung, die er sich in einem Halbjahr beim FC Winterthur verdient hatte. Er führte die Zürcher im Frühjahr 2022 zum ersten Mal nach 37 Jahren zurück in die höchste Liga. Es ist bislang sein grösster Erfolg als Trainer.
Die Fähigkeit, junge Spieler voranzubringen, wurde Frei insbesondere in Wil und Winterthur attestiert. Bereits im Klubfussball sah der Basler die Entwicklung der einzelnen Spieler als eine entscheidende Aufgabe an. Als Nationalcoach der wichtigsten Schweizer Juniorenauswahl kommt diesem Aspekt noch mehr Bedeutung zu. Nicht zuletzt von seiner Kernkompetenz, dem Toreschiessen, können seine neuen Schützlinge profitieren. Gerademal fünf Treffer haben die 24 aufgebotenen Spieler zusammengezählt bisher für die U21-Nationalmannschaft erzielt. (riz/sda)
