Oh Embolo, oh Embolo … – im Morgenrot ein Tränenmeer
Grosser Frust statt überschwänglicher Freude. Die Schweiz kann sich ihren Traum, zum ersten Mal in einen WM-Halbfinal einzuziehen, nicht erfüllen. Argentinien gewinnt 3:1 nach Verlängerung und hat weiter die Titelverteidigung im Visier.
Ein Platzverweis verändert alles. Just nachdem die Nati in ihrer besten Phase durch Dan Ndoye zum Ausgleich gekommen ist, wird Breel Embolo in die Kabine geschickt.
Es ist ein Entscheid, der lange diskutiert werden wird, denn er wird erst nach Intervention des Videoschiedsrichters gefällt. Der Schiedsrichter auf dem Feld hatte einen Argentinier für ein Foul verwarnt, aber die Zeitlupen entlarven Embolos Schwalbe.
Kaum jemand blickt mehr durch im Regeldschungel. Aber niemand will Zeitspiel sehen, niemand will Schwalben sehen. Bei Neymar würden alle hämisch klatschen, jetzt hat es einen Schweizer erwischt.
Die Entscheidungsfindung, die zur Gelb-Roten Karte führte, ist diskutabel. Doch weder der (schwache) Schiedsrichter João Pinheiro ist durch die Luft gesegelt, ohne dass er getroffen wurde, noch der VAR. Sondern Breel Embolo.
Mit dem Platzverweis kippt das Momentum wieder. Zu zehnt schaffen es die Schweizer in die Verlängerung. Sie wehren sich lange, machen es in Unterzahl gut. Nach dem Traumtor von Julian Alvarez in der 112. Minute wirft die Nati alles nach vorne, kassiert kurz vor dem Abpfiff noch das dritte Gegentor, das ihr endgültig den Stecker zieht. Gerade als in der Heimat um 05.41 Uhr die Sonne aufgeht, ist alles vorbei.
Die Schweiz hat ein starkes WM-Turnier gespielt. Sie ist erstmals seit 72 Jahren in einen Viertelfinal eingezogen. Was sie sich vorgenommen hat, ist ihr gelungen: Die beste Weltmeisterschaft der Geschichte zu spielen.
Mannschaft, Trainer und Fans sind nun trotzdem enttäuscht, denn das Gefühl bleibt: Mit etwas Wettkampfglück wäre noch mehr dringelegen. Lionel Messi und Co. wirkten nie unwiderstehlich, auch in Überzahl kamen sie nur zu wenigen gefährlichen Abschlüssen. Leider wird es nie eine Antwort auf die Frage geben, wie die Partie mit elf gegen elf Spielern weitergegangen wäre.
In Kansas City wurde eine vielleicht einmalige Chance vertan. Und darum der grosse Frust.
