«Ein Skandal!»: Weshalb Embolo gegen Argentinien nicht hätte Rot sehen dürfen
Die Schweiz hatte im WM-Viertelfinal durch Dan Ndoye gerade erst ausgeglichen, da sah Breel Embolo wegen einer Schwalbe die zweite Gelbe Karte und flog damit vom Platz. Die Nati musste gegen Argentinien ab der 72. Minute also mit einem Mann weniger weiterspielen. «Für mich ist das ein Skandal!», schimpfte SRF-Kommentator Sascha Ruefer und fügte an: «So können wir aufhören mit dem VAR!» Und er ärgerte sich zu Recht. Der Schiedsrichter hätte dem Stürmer in der Szene nämlich gar keine Gelbe Karte zeigen dürfen.
Denn: João Pinheiro entscheidet erst auf Foul von Argentiniens Leandro Paredes und zeigt diesem Gelb. Daraufhin meldet sich der VAR. Der Schiedsrichter solle sich die Szene noch mal anschauen, er habe nämlich den falschen Spieler verwarnt. Dies ist seit dieser WM erlaubt.
So führten die Regelhüter vom International Football Association Board (IFAB) eine Neuerung ein, die dem VAR erlaubt, einzugreifen, wenn ein falscher Spieler die Gelbe Karte sieht.
Aber nur bei «Mistaken Identity», also wenn der Unparteiische zwei Spieler verwechselt hat. Also hätte er beispielsweise Lionel Messi statt Paredes die Gelbe Karte gezeigt. Die Entscheidung, von einem Foul in eine Schwalbe umzuändern, ist hingegen nicht vorgesehen. In den Regeln heisst es nämlich: «Wenn der Schiedsrichter eine Gelbe oder Rote Karte zeigt, dabei jedoch eindeutig den falschen Spielen einer der beiden Teams bestraft hat, kann das Vergehen selbst nicht überprüft werden – ausser wenn eine Verwechslung vorliegt.»
Damit war die Gelbe Karte für Embolo, die zu dessen Platzverweis geführt hat, regelwidrig – obwohl es natürlich eine Schwalbe war. Doch kann bei Schiedsrichter Pinheiro unmöglich eine Verwechslung vorgelegen haben. Er entschied auf Foul und merkte im Anschluss, dass er einen Fehlentscheid getroffen hatte. Diesen hat er korrigiert, dabei aber nicht nach den Regeln des IFAB gehandelt.
Der Schweizer war aber nicht der Erste an dieser WM, bei dem die Regel nicht im Sinne des IFAB angewandt wurde. So zeigte bereits der Niederländer Danny Makkelie im Auftaktspiel der USA gegen Paraguay erst dem US-Verteidiger Tim Ream Gelb und änderte seinen Entscheid nach dem VAR-Check dann von einem Foul zu einer Schwalbe um und verwarnte Paraguays Miguel Almiron.
Im Anschluss verteidigte die FIFA ihren Schiedsrichter gegenüber der Sportschau. So habe Makkelie den Vorfall wie in den Regeln vorgesehen «als Spielerverwechslung eingestuft, da die Gelbe Karte an den falschen Spieler vergeben worden war». Auch SRF-Schiedsrichterexperte Sascha Amhof erklärte, dass die Regeln dies erlauben würden, woraufhin Ruefer seinen Skandalvorwurf zurücknahm.
Mit seiner Auslegung widerspricht der Weltfussballverband aber dem IFAB – welche Regel in Zukunft gelten wird, wird sich also erst zeigen. (nih)
