Ehammer holt mit Weitsprung-Silber erste Schweizer Medaille
Weitsprung-Silber für Simon Ehammer
Die Leistung von Ehammer ist hoch einzuschätzen, denn seine Weite kam bei starkem Gegenwind zustande. Der Schweizer Rekordhalter zeigte sich in Top-Form. Einzig der langjährige Dominator Miltiadis Tentouglou aus Griechenland war mit 8,44 m besser.
Der Appenzeller setzte dem Wettkampfjahr 2026, das er mit Hallen-Weltrekord im Siebenkampf lancierte und mit hochkarätigen Schweizer Rekorden im Weitsprung und im Zehnkampf fortgeführt hatte, eine weitere Krone auf.
Das Timing stimmte. Ehammer war nach einer auskurierten Zerrung im Oberschenkel und einer längeren Wettkampfpause erst am Montag zur Qualifikation ins Wettkampf-Geschehen zurückgekehrt. Die Verletzung hat er noch gerade rechtzeitig überwunden. Dies ermöglichte es ihm, seine Medaillensammlung bei Freiluft-Grossanlässen der Elite auf vier Stück zu erweitern: EM-Silber und -Bronze in den Jahren 2022 (Zehnkampf) und 2024 (Weitsprung) sowie WM-Bronze 2022 (Weit) zieren bereits sein Palmarès, in der Halle als Siebenkämpfer wurde er allein bei globalen Treffen zweimal Weltmeister und einmal Zweiter.
Erneut ein Hundertstel-Krimi gegen die Schweiz
Ditaji Kambundji verpasste die Medaille wie schon tags zuvor Géraldine Di Tizio-Frey über 100 m nur hauchdünn. Die Weltmeisterin von Tokio 2025 belegte über 100 m Hürden in 12,75 Sekunden Platz 4. Zur Medaille fehlten ihr zwei Hundertstel.
Gold ging an Nadine Visser in 12,67 Sekunden. Die Tausendstel sprachen für die Niederländerin. Die zweitklassierte Pia Skrzyszowska aus Polen war gleich schnell. Bronze holte die Französin Leaticia Bapté.
Das Abschneiden der Bernerin ist nur auf den ersten Blick enttäuschend. Angesichts der Vorgeschichte fühlt sich Platz 4 auch als Erfolg an. Ditaji Kambundji bestritt erst die Outdoor-Rennen vier und fünf in dieser Saison. Die 24-Jährige war seit Ende Mai ohne Wettkampfpraxis, vor einem Monat kam noch eine Oberschenkelzerrung hinzu.
Kambundji galt zwar auf dem Papier als Mitfavoritin, doch ihre Form ist derzeit nicht überragend ist. Den Final erreichte sie als Achte mit Ach und Krach. Als es aber um die Medaillen ging, konnte sie in Kambundji-Manier noch einen Zacken zulegen. Nach Platz 4 an der Hallen-WM in Torun ging sie heuer zum zweiten Mal leer aus, doch die Niederlage im Sommer wiegt weniger schwer als jene im Winter.
Angelica Moser souverän
Angelica Moser kann am Donnerstagabend ihren Titel im Stabhochsprung verteidigen. Die Zürcherin geriet in der Qualifikation bei windigen Bedingungen nicht ins Zittern, obwohl auf der Einstiegshöhe von 4,40 m im ersten Versuch die Latte fiel. 4,50 m im ersten Anlauf reichte dann.
Mumenthaler mit Platz 10 über 100 m
Timothé Mumenthaler verpasste über 100 m den Finaleinzug. Die Qualifikation für die Halbfinals hatte der 23-jährige Genfer bei Gegenwind noch geschafft. Den Halbfinal schloss er dann am Abend im 10. Rang ab. Der Europameister über 200 m richtet nun den Fokus auf die erfolgreiche Titelverteidigung.
Zum Europameister über 100 m kürte sich der Einheimische Romell Glave, der sich im Final in 10,09 sehr zur Freude des Publikums vor Landsmann Jeremiah Azu (10,16) durchsetzte. Bronze ging an den Deutschen Owen Ansah, dem allerdings wegen des Vorwurfs, eine Dopingprobe verweigert zu haben, eine vierjährige Sperre und damit eine nachträgliche Disqualifikation droht.
Der italienische Topfavorit Marcell Jacobs verpasste seinen dritten EM-Titel in Folge deutlich. Der Olympiasieger von Tokio 2021 belegte in 12,26 nur den 7. Platz, nachdem er seinen Lauf auf halber Strecke abgebrochen hatte.
Spitz trotz Saisonbestleistung nicht im Final
Auch Lionel Spitz muss im Final über 400 m zuschauen. 45,34 Sekunden reichten zu Platz 14.
Über 400 m Hürden steht mit Dany Brand ein Schweizer in den Halbfinals vom Mittwochmorgen. Der 30-jährige Zürcher lief in 49,07 Sekunden die zweitbeste Zeit seiner Karriere. (car/sda)
