«War nicht mein Ziel, so schnell zu laufen»: Audrey Werro nach Fabelzeit aus dem Häuschen
In 1:53,98 Minuten lief Audrey Werro die 800 m beim Diamond-League-Meeting in Stockholm am Sonntagabend. Sie brach nicht nur ihren eigenen Schweizer Rekord und die Jahres-Weltbestleistung, sondern es ist auch die drittbeste Marke in der Geschichte der Leichtathletik.
Seit 1983 und Jarmila Kratochvilova war keine Frau schneller – und die Zeit der Tschechoslowakin steht aufgrund der Ära des Staatsdopings in den Ostblock-Nationen unter grossem Dopingverdacht, obwohl Kratochvilova das immer verneint. Werro lief also eine absolute Fabelzeit.
«Es ist crazy», sagte die 22-Jährige danach im Interview beim SRF. «Ich bin sehr glücklich mit meiner Zeit und brauche wohl eine Woche, um darüber nachzudenken und das zu verarbeiten.» Besonders beeindruckend machte den Erfolg, dass sie sich damit selbst überrascht hat. «Es war nicht mein Ziel heute, eine solche Zeit zu laufen», so Werro.
Erstmals schlug die Freiburgerin auch Olympiasiegerin und Hallen-Weltmeisterin Keely Hodgkinson. Werros Plan vor dem Rennen war, mit der 24-jährigen Britin mitzuhalten. «Jetzt war ich sogar vor ihr, es ist sehr gut», zeigt sich Werro stolz. Erst nach der vorletzten Kurve zog Hodgkinson an ihr vorbei. Werro blieb jedoch ruhig. «Meine Taktik war sehr einfach: Ich wollte an ihr dranbleiben und wenn ich noch Energie habe, beschleunigen.» Und wie sie noch Energie hatte.
Auf der Zielgeraden schlug Werro zurück, überholte ihre Rivalin Hodgkinson und distanzierte sie danach gar noch um 35 Hundertstelsekunden. «Es war sehr schwierig, aber als ich vor Keely war, hat mir das zusätzliche Energie gegeben», berichtete eine überglückliche Audrey Werro, die aber anfügte: «Das Rennen entsprach nicht meinem Plan, ich wollte eigentlich an dritter Position laufen, das ist aber nie passiert.» Dennoch liess sich Werro nie aus dem Konzept bringen.
Dass sie nun eine solche Fabelzeit lief, ist auch eine Bestätigung für sie. «Die Rekorde sind eine grosse Motivation für mich. Ich bin sehr glücklich mit allem.» Auf die Frage, ob sie Hodgkinson mit Blick auf die Europameisterschaft Mitte August in Birmingham nun einiges zu denken gegeben habe, antwortete sie: «Ja, ich denke schon.» (nih)
