Martinez schockt England kurz vor Schluss: Argentinien steht erneut im WM-Final
Der Traum von der ersten Finalteilnahme seit 60 Jahren ist für England geplatzt. In einem intensiven, von Taktik geprägten WM-Halbfinal in Atlanta behielt Titelverteidiger Argentinien am Ende dank seiner unnachahmlichen Comeback-Qualitäten die Oberhand. Die «Albiceleste» drehte einen späten Rückstand und liess die Mannschaft von Thomas Tuchel tief in der Nachspielzeit geschockt zurück.
Historische Flaute vor der Pause
Das geschichtsträchtige Duell im Mercedes-Benz Stadium hielt vorerst nicht, was es versprach. Von Beginn an war die Partie von enormer Härte und giftigen Nicklichkeiten geprägt. Schiedsrichter Ismail Elfath musste bereits in den Startminuten nach einer Rudelbildung zwischen Rodrigo de Paul, Leandro Paredes und Jude Bellingham schlichtend eingreifen. Auf fussballerischer Ebene lieferten sich die beiden Schwergewichte eine zähe Abnutzungsschlacht.
Das Resultat lieferte ein historisches Novum: Zum ersten Mal in der WM-Geschichte gab es in den ersten 30 Minuten eines Spiels keinen einzigen Torschuss zu verzeichnen. Die einzige nennenswerte Offensivaktion der ersten Halbzeit gehörte Argentiniens Enzo Fernandez, dessen Distanzschuss in der 38. Minute knapp über das Kreuzeck strich. England verbuchte zwar mehr Ballbesitz, fand gegen die kompromisslose Defensive des Weltmeisters um Cristian Romero jedoch überhaupt keine Lücke.
Gordon bricht den Bann, Argentinien wütet
Der zweite Durchgang startete ungleich spektakulärer. Erst scheiterte Julian Alvarez an Englands starkem Keeper Jordan Pickford (47.), ehe die «Three Lions» dem Spielverlauf trotzten. Nach einer weiten Flanke von Rogers verschätzte sich Argentiniens Molina entscheidend. Anthony Gordon reagierte blitzschnell und schob aus kurzer Distanz eiskalt zur vielumjubelten 1:0-Führung für England ein (55.).
Der Gegentreffer wirkte wie ein Weckruf für den Titelverteidiger. Angeführt vom immer stärker werdenden Spielmacher Lionel Messi schnürte Argentinien die Engländer fortan in deren eigener Platzhälfte ein. Thomas Tuchel reagierte, stellte auf ein ultra-defensives 5-4-1-System um und brachte mit Ezri Konsa zusätzliche Absicherung. Die englischen Kräfte schwanden unter dem Dauerdruck sichtlich.
Messis Genialität leitet die Wende ein
In der Schlussphase konnten sich die Argentinier für ihren Aufwand belohnen. Erst vergab Alexis Mac Allister die Riesenchance auf den Ausgleich, als sein Kopfball nur am linken Innenpfosten landete (76.). In der 85. Minute konnte die leidenschaftlich anrennende «Albiceleste» aber jubeln:: Nach einem kurz ausgeführten Eckball von Lionel Messi bediente der Superstar im Rückraum Enzo Fernandez. Dessen überlegter Rechtsschuss schlug unhaltbar im linken Toreck zum hochverdienten 1:1-Ausgleich ein.
Das Momentum lag nun vollends beim Weltmeister. Während England sich stehend k.o. in die Verlängerung retten wollte, drückte Argentinien unbarmherzig weiter. Nachdem Mac Allister in der Nachspielzeit nochmals am Aluminium gescheitert war (90.+2), belohnte sich das Team von Lionel Scaloni für seinen unbändigen Willen. Lautaro Martinez verwertete eine präzise Flanke Messis zum Siegtreffer.
England - Argentinien 1:2 (0:0)
Atlanta. - 71'000 Zuschauer. - SR Elfath.
Tore: 55. Gordon (Rogers) 1:0. 85. Fernández (Messi) 1:1. 92. Lautaro Martínez (Messi) 1:2.
England: Pickford; James (82. Burn), Stones (96. Toney), Guéhi, Spence (96. Rashford); Rice (82. O'Reilly), Anderson; Rogers, Bellingham, Gordon (72. Konsa); Kane.
Argentinien: Emiliano Martínez; Molina (72. Montiel), Romero, Lisandro Martínez (72. Otamendi), Tagliafico (81. Lautaro Martínez); Paredes (64. González); Simeone (72. De Paul), Fernández, Mac Allister, Alvarez; Messi.
Verwarnungen: 37. Anderson. 42. Lisandro Martínez. 51. Romero. 94. De Paul. (riz/sda)
