Spanien schlägt ein sehr schwaches Frankreich und steht erstmals seit 2010 im WM-Final
Aller guten Dinge sind drei - zumindest aus spanischer Sicht: Wie schon vor zwei Jahren im EM-Halbfinal (2:1) und vor einem Jahr im Halbfinal der Nations League (5:4) behalten die Iberer auch im WM-Halbfinal die Oberhand gegenüber Frankreich - und dies ausgerechnet am Nationalfeiertag der Grande Nation.
Vor zwei Jahren sorgte Lamine Yamal mit dem Ausgleich und seinem damals ersten EM-Tor im Alter von noch nicht ganz 17 Jahren für den Umschwung zugunsten Spaniens. Nun stand der Flügelstürmer vom FC Barcelona, der bisher ein enttäuschendes Turnier zeigte, am Ursprung des Führungstreffers. Dabei fiel er am Tag nach seinem 19. Geburtstag nach rund 20 Minuten nicht durch filigrane Technik auf, sondern durch Wille.
Aussetzer von Digne
Während Lucas Digne, Frankreichs linker Aussenverteidiger, einen eigentlich harmlosen Flankenball mit dem Kopf kontrollieren und anschliessend klären wollte, schlich sich Yamal in dessen Rücken an und wurde vom Franzosen, der sich ausschliesslich auf den Ball konzentrierte, getroffen. Mikel Oyarzabal verwertete den fälligen Penalty souverän für die bis dato offensiv nicht in Erscheinung getretenen Spanier.
Das Team von Luis de la Fuente verdiente sich die Führung im Nachhinein und baute diese in Person von Pedro Porro gar noch aus. Nach einer knappen Spielstunde und einem Doppelpass mit Dani Olmo, der die komplette französische Abwehr schachmatt setzte, behielt der rechte Aussenverteidiger vor Mike Maignan die Nerven und schob zum 2:0 ein.
Perfekt eingestellte Spanier
Den Franzosen, die vor den Halbfinals mit 16 Toren die zweitbeste Offensive nach Argentinien (17) stellten, wollte wenig gelingen. Mit sechs Siegen in sechs Spielen förmlich durch das Turnier gerauscht, fand die Grande Nation um Captain Kylian Mbappé kein Mittel, um die perfekt organisierten Spanier zu knacken. Während das Spiel der Franzosen nervös und ideenlos wirkte, zeigte der Europameister die reifere Spielanlage. Vor allem im Mittelfeld hatten die Iberer mit Captain Rodri, Fabian Ruiz und Dani Olmo die Oberhand.
Selbst mit dem Rücken zur Wand konnte sich die hochgelobte Offensive Frankreichs nur selten in Abschlussposition bringen. Ein abgefälschter Schuss von Mbappé - seines Zeichens gemeinsam mit Lionel Messi Führender in der Torschützenliste mit acht Toren – war die gefährlichste Aktion des grossen Titelfavoriten.
Deschamps nun alleiniger Rekord-Trainer
Eine spezielle Partie war der Halbfinal für Frankreichs Trainer Didier Deschamps, der zum 26. Mal bei einem WM-Spiel als Coach an der Seitenlinie stand und damit zum alleinigen Rekordhalter aufstieg. Mit dem gewonnenen Viertelfinal gegen Marokko hatte der 57-Jährige zum Deutschen Helmut Schön aufgeschlossen. Seinen Rekord wird er trotz der Niederlage um eine weitere Partie ausbauen, ehe er nach 14 Jahren im Amt nach der WM zurücktritt.
Spanien spielt am Sonntag in East Rutherford um den zweiten WM-Titel nach 2010. Gegner wird England oder Titelverteidiger Argentinien sein. Frankreich, das die dritte Finalteilnahme in Folge verpasste, trifft am Samstag in Miami im Spiel um Platz 3 auf den Verlierer des zweiten Halbfinals.
Frankreich - Spanien 0:2 (0:1)
Arlington. - SR Barton (ESA).
Tore: 22. Mikel Oyarzabal (Penalty) 0:1. 58. Pedro Porro (Dani Olmo) 0:2.
Frankreich: Maignan; Koundé, Upamecano, Saliba (30. Lacroix), Digne (72. Hernández); Tchouaméni, Rabiot (46. Koné); Dembélé, Olise (72. Cherki), Barcola (57. Doué); Mbappé.
Spanien: Unai Simón; Pedro Porro (84. Marcos Llorente), Pau Cubarsí, Aymeric Laporte, Marc Cucurella; Rodri, Fabián Ruiz (78. Pedri); Lamine Yamal, Dani Olmo (78. Mikel Merino), Álex Baena (84. Nico Williams); Mikel Oyarzabal (74. Ferran Torres).
Verwarnungen: 9. Rabiot. 31. Marc Cucurella. 86. Mbappé. (riz/sda)
