Gerade einmal 23 Sekunden war das Spiel alt, da jubelte der Aussenseiter ein erstes Mal. Ein missglückter Einwurf von Inter-Star Federico Dimarco landete bei Nedim Bajrami, der bei GC zum Profi wurde und mittlerweile bei Sassuolo in Italien kickt. Der 25-jährige Stürmer zögerte nicht und drosch den Ball ins kurze Eck zur albanischen Führung. Es war das schnellste Tor der EM-Geschichte. Bajrami löste damit den Russen Dimitri Kiritschenko, der bei der EM 2004 beim 2:1-Sieg gegen Griechenland nach 67 Sekunden getroffen hatte, ab.
Die albanische Führung hielt jedoch nicht lange. Schon kurz nach dem historischen Tor hätte Italien bereits ausgleichen können, Lorenzo Pellegrini schoss aus aussichtsreicher Position aber am Tor vorbei. In der 10. Minute fiel der Ausgleich dann trotzdem: Nach einer flach ausgeführten Ecke flankte Pellegrini an den langen Pfosten, wo Verteidiger Alessandro Bastoni frei stehend zum Kopfball kam und Goalie Thomas Strakosha keine Chance liess. Damit war der Fehlstart aus Sicht des haushohen Favoriten korrigiert.
Wiederum einige Minuten später führte dieser dann. Nach einem dürftig geklärten Ball schloss Nicolo Barella sofort ab und traf halb mit dem Fuss, halb mit dem Schienbein sehenswert zum 2:1 für Italien. Dabei fürchtete der Titelverteidiger noch lange um den Mittelfeldmotor. Der Inter-Profi hatte mit einer Muskelverletzung zu kämpfen, wurde aber rechtzeitig fit.
Danach passierte lange nichts – bis Albanien-Goalie Strakosha gleich zweimal glänzend parierte. Erst bekam er gerade noch eine Hand an den Lupfer von Davide Frattesi und lenkte den Ball so an den Pfosten. Anschliessend verwehrte er auch Gianluca Scamacca von Atalanta Bergamo aus kurzer Distanz einen Treffer. Damit blieb es bei der knappen, aber nach 45 Minuten verdienten Führung für das Team von Trainer Luciano Spalletti.
Der Wiederbeginn nach der Pause verlief deutlich weniger fulminant als in der ersten Halbzeit. Zwar kam Albanien nach einem Foul von Ex-Basler Riccardo Calafiori zu einem Freistoss vom Strafraumrand, doch donnerte der scharfe Schuss genau auf den Kopf von Bastoni. Im Gegenzug verpasste Frattesi den vierten Treffer des Spiels, wobei er wohl im Abseits stand.
In der Folge plätscherte die Partie einfach vor sich hin. Die Italiener kontrollierten das Spielgeschehen zwar weiterhin und versuchten auch für klarere Verhältnisse zu sorgen, doch gelang es ihnen kaum, den albanischen Abwehrverbund zu durchdringen. Albanien fehlte auf der anderen Seite hingegen schlicht die Qualität, um ernsthaft für Gefahr zu sorgen.
So warteten die mehrheitlich albanischen Zuschauerinnen und Zuschauer im Dortmunder Westfalenstadion lange vergeblich auf ein weiteres Tor, ein Aufbäumen des Aussenseiters oder auch nur eine weitere Grosschance. Bis in der 90. Minute fast doch noch der Ausgleichstreffer gefallen wäre. Italien-Goalie Gianluigi Donnarumma – bei der EM vor drei Jahren als bester Spieler ausgezeichnet – war beim Schuss von Rey Manaj aber mit den Rippen zur Stelle und verhinderte den Gegentreffer.
So blieb es beim knappen 2:1-Erfolg für Italien – ein klassischer Pflichtsieg, also. Dieser war umso wichtiger, als Albanien der schwächste Gegner in der Gruppe B ist. Im Kampf um die ersten beiden Plätze und damit die sichere Achtelfinal-Teilnahme werden dann vor allem die Spiele gegen Spanien und Kroatien entscheidend sein.
Italien – Albanien 2:1 (2:1)
Dortmund. 60'512 Zuschauer. SR Zwayer (GER).
Tore: 1. (0:23) Bajrami 0:1. 11. Bastoni 1:1. 16. Barella 2:1.
Italien: Donnarumma; Di Lorenzo, Bastoni, Calafiori, Dimarco (83. Darmian); Jorginho, Barella (92. Folorunsho); Frattesi, Pellegrini (77. Cristante), Chiesa (77. Cambiaso); Scamacca (83. Retegui).
Albanien: Strakosha; Hysaj, Djimsiti, Ajeti, Mitaj; Asllani, Ramadani, Bajrami (87. Muci); Asani (68. Hoxha), Seferi (68. Laci); Broja (76. Manaj).
Verwarnungen: 22. Pellegrini. 50. Calafiori. 51. Broja. 75. Hoxha. (nih/sda)