Wow! Dieser Auftritt war richtig stark. Vor allem in der ersten Halbzeit. Und er hat neben dem gesamten Schweizer Team noch einen zweiten Sieger: Murat Yakin.
Wie würde der Nationaltrainer aufstellen? Wen würde er im Sturm bringen, in dem zuletzt bloss ein laues Lüftchen wehte?
Yakin überraschte bei der Besetzung von zwei Positionen in seiner Startelf. Er brachte Michel Aebischer im Mittelfeld und nicht Xherdan Shaqiri. Und er stellte nicht Zeki Amdouni, sondern Kwadwo Duah ins Sturmzentrum.
Der Trainer bewies damit ein goldenes Händchen. Denn es waren just Aebischer und Duah, die in der 12. Minute für das Schweizer 1:0 sorgten.
Aebischer, der mit Bologna eine starke Serie-A-Saison hinter sich hat, spielte den Ball herrlich in den Rücken der ungarischen Abwehr, wo er freien Raum sah, den auch Duah erkannte. Der 27-jährige Stürmer vom bulgarischen Meister Ludogorez Rasgrad sprintete in den Strafraum und blieb im Duell mit Ungarns Goalie Peter Gulasci eiskalt.
22 – Im Aufbau zum Schweizer Eröffnungstor durch Kwadwo Duah wurden 22 Pässe gespielt, das ist die drittlängste Passsequenz vor einem Tor bei Europameisterschaften seit Datenerfassung (1980). Zurechtgelegt. #EURo2024 #HUNSUI @nati_sfv_asf https://t.co/UqmVG2zRCp
— OptaFranz (@OptaFranz) June 15, 2024
Aebischer und Duah kennen sich schon ewig: Gemeinsam spielten sie, die beide Anfang 1997 auf die Welt kamen, schon vor zehn Jahren im Nachwuchs von YB.
Ihr Weg vom Talent in die EM-Startelf verlief danach sehr unterschiedlich. Aebischer stieg bei den Young Boys vom Ergänzungs- zum Stammspieler und Leistungsträger auf. Zu Beginn des Jahres 2022 wechselte der Freiburger nach Italien, wo er sich Schritt für Schritt in den Vordergrund spielte. In dieser Saison war Michel Aebischer Stammspieler und damit ein wichtiger Grund dafür, dass der FC Bologna als Fünfter der Serie A den erstmaligen Einzug in die Champions League schaffte.
Kwadwo Duahs Karriere verlief weniger geradlinig. Bei YB reichte es ihm nicht, er wechselte in die Challenge League, wo er für Xamax, Winterthur und Wil spielte. Dort schoss er in 33 Spielen zwölf Tore, wodurch sich der grosse Nachbar St.Gallen meldete. Und bei den Grün-Weissen gelang Duah schliesslich der Durchbruch. In zwei Saisons für die Ostschweizer schoss er 28 Tore.
Mit 25 Jahren war der Angreifer reif fürs Ausland. Duah zog zum 1. FC Nürnberg in die 2. Bundesliga, traf auch dort elf Mal – und zog wieder weiter. Seit dem vergangenen Sommer stürmt er nun für Ludogorez, das auch dank der 13 Treffer des Schweizers den Meistertitel errang.
Murat Yakin belohnte dies – wohl auch, weil er kaum Alternativen hatte – mit dem ersten Länderspielaufgebot für die Testspiele vor der EM. Gerade 45 Minuten lang trug Duah vor dem Turnier das Nationaltrikot. Nun in Deutschland sind er und Aebischer, die einstigen YB-Junioren, wieder vereint. Und nicht nur der eine wurde gegen Ungarn zum Torschützen. Denn Aebischer legte nach seinem Traumpass kurz vor der Pause nach und schlenzte den Ball herrlich zum 2:0 ins Netz.
Das Tor war die Krönung einer brillanten ersten Halbzeit, in der die Schweiz nichts zuliess und Ungarn von A bis Z im Griff hatte.
Auch nach der Pause hatte die Nati zunächst mehr vom Spiel. Doch nach dem Anschlusstreffer in der 65. Minute – Aebischer hatte in dieser Szene nicht gut ausgesehen – geriet sie mehr und mehr ins Schwimmen. Ungute Erinnerungen kamen hoch an die EM-Qualifikation, in der die Schweiz mehrfach in der Schlussphase Führungen verspielt hatte. Je näher der Schlusspfiff rückte, umso grösser wurde das Zittern im Stadion und vor den Bildschirmen.
Doch mit Einsatz und dem nötigen Wettkampfglück brachte die Schweiz das 2:1 über die Runden. In der Nachspielzeit stellte der eingewechselte Breel Embolo den Sieg sicher, sein brillantes 3:1 war ein feiner Lupfer aus dem Lauf. Lange war der Monaco-Stürmer verletzt, erst wenige Wochen vor der EM konnte er sein Comeback geben und ein Einsatz im Startspiel stand bis zuletzt auf der Kippe.
Drei Punkte sind im Sack, die ersten drei auf dem Weg in die K.-o.-Phase. Der Einzug in die Achtelfinals kann schon am Mittwoch sichergestellt werden. Dann trifft die Schweiz auf Schottland, das beim 1:5 im Eröffnungsspiel gegen Deutschland eine ganz schwache Leistung zeigte.
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Aber alles andere als der nächste Schweizer Sieg wäre gegen die Schotten eine Enttäuschung. Und Murat Yakin hat es seinen vielen Kritikern fürs Erste gezeigt. In Zürich jedenfalls waren bereits erste Hupkonzerte zu hören.
Ungarn – Schweiz 1:3 (0:2)
Köln. - 43'000 Zuschauer. - SR Vincic (SLO).
Tore: 12. Duah (Aebischer) 0:1. 45. Aebischer (Freuler) 0:2. 66. Varga (Szoboszlai) 1:2. 93. Embolo 1:3.
Ungarn: Gulacsi; Lang (46. Bolla), Orban, Szalai (79. Dardai); Fiola, Adam Nagy (67. Kleinheisler), Schäfer, Kerkez (79. Adam); Sallai, Szoboszlai; Varga.
Schweiz: Sommer; Schär, Akanji, Rodriguez; Widmer (68. Stergiou), Freuler (86. Sierro), Xhaka, Aebischer; Ndoye (86. Rieder), Vargas (74. Embolo); Duah (68. Amdouni).
Bemerkungen: Schweiz ohne Zakaria und Zuber (beide verletzt). Verwarnungen: 5. Widmer, 59. Freuler, 69. Szalai, 88. Fiola, 88. Yakin (Trainer Schweiz). (sda)
Tolle Leistung. Weiter so!
So darf es gerne weiter gehen. 👍
Bravo, Muri!