Der Sport der Trump-Fans zahlt jetzt Geld fürs Fluchen
Ein lautes «Shit!» hier, ein verärgertes «Fuck!» da. Fluchen gehört in der NASCAR offenbar dazu. Und zwar so sehr, dass die Organisatoren der amerikanischen Rennserie daraus einen Wettbewerb machen.
Für jedes Schimpfwort, das ein Fahrer über den Teamfunk äussert, zahlt NASCAR fünf Dollar in ein virtuelles Fluch-Glas. Der Fan, der vor einem Rennen am exaktesten voraussagt, welches Wort am häufigsten und wie oft es zu hören ist, gewinnt den Jackpot.
«Authentischer Bestandteil unseres Sports»
Alleine beim Southern 500 in Darlington (South Carolina) füllte sich das Glas dank 223 Schimpfwörtern auf 1115 Dollar. Weitaus am häufigsten ging bislang ein «Fuck» über den Funk (235 Mal), bereits mit deutlichem Abstand (103 Mal) folgt danach «Shit». Abgeschlagen auf den Rängen 9 und 11 finden wir «Motherfucker» mit sechs Nennungen und «Bitch» mit vier.
Welcher Fahrer am häufigsten flucht, teilt die Serie nicht mit. Die «New York Times» meinte, man dürfe wohl mit Fug und Recht vermuten, dass es sich beim Spitzenreiter um Ryan Blaney handle. Der 32-jährige gelte als derjenige der aktuellen Fahrer, der besonders für derbe Tiraden im Funkverkehr bekannt sei. «Ich muss es einfach rauslassen», sagte Blaney übers Fluchen. Wenn es draussen ist, bin ich zu hundert Prozent darüber hinweg.»
«Die lebhaften Funkgespräche der Fahrer sind ein authentischer Bestandteil unseres Sports», sagte die NASCAR-Verantwortliche Jess Smith, «das Fluch-Glas passt perfekt.» Es gehe der Serie darum, Aufmerksamkeit für die entscheidende Saisonphase zu erzeugen.
Formel 1 bestraft fluchende Fahrer
NASCAR wurde auch schon als «Sport der Trump-Fans» bezeichnet. Traditionell ist die Rennserie bei der Arbeiterklasse beliebt. «Würde die Präsidentschaftswahl in diesem Mikrokosmos stattfinden – Trump würde haushoch gewinnen», hielt der «Deutschlandfunk» vor zwei Jahren fest.
In der Formel 1, der weltweiten Königsklasse des Motorsports, werden Fahrer für Fluchen bestraft. «I knew the car was fucked», hatte Max Verstappen vor zwei Jahren über sein Arbeitsgerät geurteilt. Frei übersetzt: Das Auto sei im Arsch gewesen. Dafür war der Niederländer zu gemeinnütziger Arbeit verknurrt worden, was der Niederländer als lächerliche Massnahme kritisierte. «Für mich ist das definitiv kein Weg, in diesem Sport weiterzumachen.»
Offenheit mit Sternchen
Mit dem Wettbewerb ums Fluchen will die NASCAR-Serie womöglich auch damit bei ihren Fans punkten, dass sie eben anders ist: Statt politischer Korrektheit gibt es in den Vereinigten Staaten Geld für derbe Worte.
Allerdings zeigt sich selbst in solchen Momenten eine gewisse amerikanische Prüderie: Die NASCAR führt zwar eine öffentliche Strichliste mit den gezählten Schimpfworten. Auf dem Leaderboard erscheinen sie aber zensiert, mit Sternchen statt vollständig ausgeschrieben.
