Dominique Aegerter – die Hoffnung des «Töff-Sauriers» auf ein letztes Hurra
Dominique Aegerter gehörte noch Mitte der 2010er-Jahre zu den populärsten helvetischen Sportstars. Als GP-Sieger (Moto2/Sachsenring) und Rivale von Tom Lüthi sorgte er im GP-Zirkus für Spektakel. Er schaffte es, seine Karriere nach dem Ende des GP-Abenteuers ab 2021 in der Superbike-Szene zu verlängern und gewann 2021 und 2022 die Supersport-WM und nebenbei 2022 auch noch die «Rasenmäher-WM» – den Weltcup der Elektro-Töffs.
Seit 2023 ist es mit Ruhm und Ehre vorbei. Zwar gelang ihm der Aufstieg in die Superbike-WM, der höchsten Klasse der Superbike-Szene. Aber in drei Jahren (2023, 2024 und 2025) reichte es nur zu zwei Podestplätzen. Auf diese Saison ist er in die Supersport-WM, die zweithöchste Klasse, zurückgekehrt und fährt in einem italienischen Kawasaki-Team hinterher wie noch nie. Soeben tuckerte er in den beiden Rennen in Magny-Cours gerade noch zu einem 17. und 15. Platz und in der WM steht er auf dem 18. Rang. Während sein spanischer Teamkollege Jeremy Alcoba immerhin WM-8. ist.
2026 ist seine 21. Saison im internationalen Strassenrennsport. Dominique Aegerter ist wahrlich ein Töff-Saurier. Ein rüstiger zwar, immer noch topfit und motiviert. Ein ruhmloses Ende einer langen Karriere droht trotzdem.
Doch nun arbeitet sein Bruder Kevin, der sich seit Jahren ums Management kümmert, an einer Lösung, die ein letztes Hurra ermöglichen würde: Eine Rückkehr ins Ten Kate-Team von Yamaha, mit dem Dominique Aegerter 2021 und 2022 in 44 Rennen sagenhafte 27 Siege und 35 Podestplätze herausgefahren hat und zweimal hintereinander Supersport-Weltmeister geworden ist. Der Rohrbacher ist Yamahas erfolgreichster Fahrer in der zweithöchsten Kategorie der Superbike-Szene.
Die Rückkehr zu Yamaha wäre die perfekte Lösung. Und könnte sich auch für den Schweizer Yamaha-Importeur als Werbe-Glücksfall erweisen: Seht her, auf Kawasaki ist er hinterhergefahren, nun ist er bei uns zurück in der Spitzengruppe. Nach dem Motto frei nach Wilhelm Busch: «Mit der Kawasaki war er lahm und krank, auf der Yamaha rockt er wieder Gott sei Dank.» Nicht einmal Siege wären nötig. Er müsste nur besser fahren als diese Saison mit der untermotorisierten Kawasaki. Und das wäre gar nicht so schwierig.
Eine Rückkehr zu Yamaha wäre so etwas wie eine späte Dividende für die ruhmreichen zwei Jahre (2021 und 2022). Nummer 1-Pilot würde der ehemalige GP-Pilot bei Yamaha nicht mehr. Aber selbst wenn er im Ten Kate-Team nur die Nummer 2 sein sollte – Podestplätze wären wohl noch einmal ein realistisches Ziel.
Was, wenn es mit Yamaha nicht klappt? «An einen Rücktritt denke ich auf gar keinen Fall», sagt Dominique Aegerter. «Ich bin motiviert und fit.» Das Scheitern in dieser Saison führt er auf ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren zurück und meint damit einen im Vergleich zur Konkurrenz untermotorisierten Töff, ein italienisches Team, bei dem er nie ganz angekommen ist, und zu viel Frustration während einer langen Saison, die eine negative Dynamik ausgelöst hat. Konkrete Vorwürfe macht er seinem Team nicht. Wohlwissend, dass ein Pilot, der schlecht über sein aktuelles Team redet, nur seine Chancen für den Wechsel in ein neues Team reduziert.
Und doch die Frage: Was ist, wenn es keine Lösung mit Yamaha gibt? Kevin Aegerter sagt, er prüfe Alternativen für seinen Bruder. «Die Langstrecken-WM ist eine Option.» In dieser Klasse hat sich Dominique Aegerter in der Vergangenheit bei einzelnen Einsätzen mit zwei Podestplätzen beim prestigeträchtigen Acht-Stunden-Rennen im japanischen Suzuka bereits profiliert. Aber mit nur vier Veranstaltungen (zwei 24-Stunden- und zwei 8-Stunden-Rennen) pro Saison wäre er nicht ausgelastet.
Eine letzte Möglichkeit vor einem Ausklingen der Karriere in der Deutschen Meisterschaft wäre wohl der Harley-Davidson Bagger World Cup, den er im Idealfall sogar neben der Langstrecken-WM bestreiten könnte. Dieser Wettbewerb wird 2026 zum ersten Mal ausgetragen. Die Rennen finden an sechs MotoGP-Wochenenden in Nordamerika und Europa statt. Alle haben die gleichen Höllenmaschinen: Es handelt sich um speziell für die Rennstrecke von Harley-Davidson entwickelte Rennmaschinen mit gut 200 PS, die Spitzengeschwindigkeiten bis zu 300 km/h erreichen.
Im späten Spätherbst einer grossen Karriere wäre das eigentlich gar keine so schlechte Variante. Der Umstieg von der Rennstrecke auf die Landstrasse auf einer echten Harley mit Seitentaschen und Teleskop-Gabel im Easy-Rider-Stil wie sie rockige Rentner zu fahren pflegen, wäre dann womöglich etwas einfacher.
