Diese Aussage des verhassten ManUnited-Besitzers wird die Fans zur Weissglut treiben
Sportlicher Erfolg ist eigentlich egal. Das hat Avram Glazer so zwar nicht genau gesagt, doch dürfte es bei Fans von Manchester United in etwa so ankommen. Glazer ist ein Sohn des 2014 verstorbenen Malcolm Glazer und damit Teil der Familie, der die Mehrheit des englischen Fussballklubs sowie die NFL-Franchise Tampa Bay Buccaneers gehören.
Bei einem Event der Deutschen Bank in London über Investments im Sport soll Glazer gemäss The Athletic gesagt haben, dass Teams auf dem Level von Manchester United nicht von sportlichem Erfolg abhängig seien, um kommerziell erfolgreich zu sein. Der 66-Jährige verglich seinen Klub mit den New York Yankees und den Dallas Cowboys.
Obwohl diese zuletzt 2009 bzw. 1995 einen Titel gewannen, sind diese nach wie vor die berühmtesten Teams im Baseball und im American Football. Glazer sieht Manchester United auf einem ähnlichen Level. Seine Aussage war die Antwort auf die Frage, inwiefern die wirtschaftliche Anziehungskraft eines Klubs von den Ergebnissen auf dem Platz abhängig sei.
Angesichts der Tatsache, dass Manchester United auf der Forbes-Liste der wertvollsten Fussballklubs der Welt nach Real Madrid trotz nun seit über einem Jahrzehnt anhaltenden Misserfolgs nach wie vor auf dem zweiten Platz rangiert, ist es schwierig, entgegen Glazers Aussage zu argumentieren. Branchenexperten erklären jedoch, dass es während einer Phase des Misserfolgs schwieriger sei, lukrative Verträge abzuschliessen – selbst wenn der Klub weltbekannt sei.
Malcolm Glazer erwarb die Anteile von Manchester United zwischen 2003 und 2005 und nutzte dazu Kredite, die er teilweise auf den Klub abwälzte. Der zuvor schuldenfreie Verein hatte auf einen Schlag Schulden in dreistelliger Millionenhöhe, heute belaufen sich diese angeblich auf rund 1,15 Milliarden Pfund (1,27 Milliarden Franken). Bei den Fans war der Besitzer deshalb von Beginn weg unbeliebt.
Auch nach dem Tod Glazers im Jahr 2014 blieb der Klub in den Händen der Familie. Obwohl seine Söhne Avram und John Glazer die Entscheidungsmacht über den Klub im Dezember 2023 an Sir Jim Ratcliffe, der 28,9 Prozent der Anteile gekauft hatte, übertrugen, haben sie immer noch einen Einfluss auf das Budget und gar sportliche Entscheide wie die Zukunft von Trainer Michael Carrick, wie es heisst.
Der Protest gegen die Glazers, der nie ganz verschwand, wurde in den letzten Wochen und Monaten wieder intensiver. Beim Champions-League-Spiel vom Dienstag gegen die AS Roma warfen Fans von Manchester United Tennisbälle auf das Feld, um gegen die Besitzer zu demonstrieren. Dabei sangen sie «Wir wollen die Glazers weghaben!» und «Verkauft den Klub und verpisst euch nach Hause!».
Die Aussage, dass der sportliche Erfolg für die kommerzielle Kraft – von der die Fans nichts haben – ziemlich unbedeutend sei, dürfte die Wut der Anhängerschaft von Manchester United kaum kleiner werden lassen. (nih)
