Ist der erste WM-Auftritt von Curaçao wirklich eine Verwässerung des Turniers wert?Bild: keystone
Pro und Contra
«Der neue WM-Modus verwässert das Turnier» – «Er sorgt für tolle Emotionen»
Die Fussball-WM 2026 wurde von 32 auf 48 Teams aufgestockt. Sorgt das für tolle Momente bei den Neulingen oder eine Verwässerung des Turniers? Zwei Redaktoren, zwei Meinungen.
Sechs statt vier Wochen. 48 statt 32 Mannschaften, dafür auch diverse Neulinge. Die Fussball-WM präsentiert sich für die Ausgabe 2026 in Kanada, Mexiko und den USA in einem neuen Kleid. Eine tolle Chance für neue Teams und grossartig für jeden Fussballfan, findet Sportredaktor Niklas Helbling. Zu viel des Guten, kontert sein Kollege Adrian Bürgler.
Nik sagt: Der neue Modus bietet tolle Momente
Die Grundmotivation für die Erweiterung der WM auf 48 Teams ist finanzieller Natur, da muss man nicht um den heissen Brei herumreden. Obwohl die FIFA es natürlich damit schönredet, auch kleineren Nationen den Zugang zum grössten Event im Fussball zu erleichtern, ist dies für den Weltverband und Präsident Gianni Infantino nur ein Vorwand, um auch deren Stimmen zu sichern.
Dennoch ist das eben auch ein schöner Aspekt. Nationen, die zum ersten Mal (seit Langem) an einer WM dabei sind, werden für grosse Emotionen sorgen. Auch bei der Erweiterung der Europameisterschaft von 16 auf 24 Teams gab es die grosse Angst, dass das Niveau verwässert würde. Dann stellte man fest, dass zwischen dem 16. und dem 24. Team aus Europa gar kein so grosser Qualitätsunterschied besteht. Und es kamen Nationen wie Georgien 2024, die alle begeisterten. Weil mit Underdogs eben viele mitfiebern und sich in einer Welt, in der es genug Spaltung gibt, endlich mal alle vereinen können.
Als Fussballfan kann es zudem nichts Schöneres geben, als jeden Tag und bis zu fünf Spiele täglich Fussball zu schauen – und das fast einen Monat lang. Erst nach den Achtelfinals gibt es einen spielfreien Tag.
Wem das zu viel ist, der soll halt nicht einschalten. Aber ich werde auch am 28. Juni mit Freude zuschauen, wenn die Demokratische Republik Kongo auf Usbekistan trifft, und mich an den grossen Emotionen der Spieler, die so etwas zum ersten und vielleicht letzten Mal erleben, erfreuen und mit ihnen feiern oder leiden.
Die Grundmotivation für die Erweiterung der WM auf 48 Teams ist finanzieller Natur, da muss man nicht um den heissen Brei herumreden. Obwohl die FIFA es natürlich damit schönredet, auch kleineren Nationen den Zugang zum grössten Event im Fussball zu erleichtern, ist dies für den Weltverband und Präsident Gianni Infantino nur ein Vorwand, um auch deren Stimmen zu sichern.
Dennoch ist das eben auch ein schöner Aspekt. Nationen, die zum ersten Mal (seit Langem) an einer WM dabei sind, werden für grosse Emotionen sorgen. Auch bei der Erweiterung der Europameisterschaft von 16 auf 24 Teams gab es die grosse Angst, dass das Niveau verwässert würde. Dann stellte man fest, dass zwischen dem 16. und dem 24. Team aus Europa gar kein so grosser Qualitätsunterschied besteht. Und es kamen Nationen wie Georgien 2024, die alle begeisterten. Weil mit Underdogs eben viele mitfiebern und sich in einer Welt, in der es genug Spaltung gibt, endlich mal alle vereinen können.
Als Fussballfan kann es zudem nichts Schöneres geben, als jeden Tag und bis zu fünf Spiele täglich Fussball zu schauen – und das fast einen Monat lang. Erst nach den Achtelfinals gibt es einen spielfreien Tag.
Wem das zu viel ist, der soll halt nicht einschalten. Aber ich werde auch am 28. Juni mit Freude zuschauen, wenn die Demokratische Republik Kongo auf Usbekistan trifft, und mich an den grossen Emotionen der Spieler, die so etwas zum ersten und vielleicht letzten Mal erleben, erfreuen und mit ihnen feiern oder leiden.
Adrian sagt: Der neue Modus verwässert das Turnier
Als grosser Sportfan heisst bei mir grundsätzlich die Devise: Je mehr Sport, desto besser. Es gibt nichts Besseres als ein Winterwochenende, an dem zuerst Skirennen, dann Fussballspiele und zum Abschluss noch eine National-League-Vollrunde anstehen.
Doch offensichtlich hat alles eine Grenze. Die Fussball-WM mit 48 Teams ist zu lang und zu gross. Sechs Wochen dauert der 104 Spiele umfassende Zauber mittlerweile – in einem Zeitalter, in dem das Fussballangebot für den normalen TV-Zuschauer längst übersättigt ist.
Das schönste und wichtigste Fussballturnier der Welt wird so verwässert. Natürlich kann ein Underdog eine Überraschung schaffen – wir erinnern uns an den Sieg von Saudi-Arabien gegen Argentinien vor vier Jahren in Katar. Aber die WM hat nun zu viele Spiele, die aus neutraler Sicht einfach zu wenig interessant sind. Haiti gegen Marokko? Schnarch. Kap Verde gegen Saudi-Arabien? Wäre früher höchstens eine Partie aus den interkontinentalen Playoffs gewesen. Auch Katar gegen Kanada würde mich kaum interessieren, wären beide nicht Teil der Schweizer Gruppe. Oder wer kann ernsthaft – und ohne zu googeln – einen Spieler von Haiti, Curaçao oder Jordanien aufzählen? Eben.
Dann hat die WM-Expansion auch noch den unsäglichen Modus zur Folge, bei dem es mehr als die Hälfte der Gruppendritten auch in die K.o.-Phase schafft. Dort wird es darum zu Beginn auch nicht attraktiver. Im Sechzehntelfinal drohen «Kracherduelle» wie Tschechien gegen Kanada oder Australien gegen Algerien. Das ist einer Fussball-WM nicht würdig. Ich liebe Sport über alles, aber in einigen seltenen Fällen wäre weniger tatsächlich mehr. Und die Fussball-WM ist einer davon.
Als grosser Sportfan heisst bei mir grundsätzlich die Devise: Je mehr Sport, desto besser. Es gibt nichts Besseres als ein Winterwochenende, an dem zuerst Skirennen, dann Fussballspiele und zum Abschluss noch eine National-League-Vollrunde anstehen.
Doch offensichtlich hat alles eine Grenze. Die Fussball-WM mit 48 Teams ist zu lang und zu gross. Sechs Wochen dauert der 104 Spiele umfassende Zauber mittlerweile – in einem Zeitalter, in dem das Fussballangebot für den normalen TV-Zuschauer längst übersättigt ist.
Das schönste und wichtigste Fussballturnier der Welt wird so verwässert. Natürlich kann ein Underdog eine Überraschung schaffen – wir erinnern uns an den Sieg von Saudi-Arabien gegen Argentinien vor vier Jahren in Katar. Aber die WM hat nun zu viele Spiele, die aus neutraler Sicht einfach zu wenig interessant sind. Haiti gegen Marokko? Schnarch. Kap Verde gegen Saudi-Arabien? Wäre früher höchstens eine Partie aus den interkontinentalen Playoffs gewesen. Auch Katar gegen Kanada würde mich kaum interessieren, wären beide nicht Teil der Schweizer Gruppe. Oder wer kann ernsthaft – und ohne zu googeln – einen Spieler von Haiti, Curaçao oder Jordanien aufzählen? Eben.
Dann hat die WM-Expansion auch noch den unsäglichen Modus zur Folge, bei dem es mehr als die Hälfte der Gruppendritten auch in die K.o.-Phase schafft. Dort wird es darum zu Beginn auch nicht attraktiver. Im Sechzehntelfinal drohen «Kracherduelle» wie Tschechien gegen Kanada oder Australien gegen Algerien. Das ist einer Fussball-WM nicht würdig. Ich liebe Sport über alles, aber in einigen seltenen Fällen wäre weniger tatsächlich mehr. Und die Fussball-WM ist einer davon.
