DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Britain's Johanna Konta celebrates after beating Romania's Simona Halep at the end of their Women's Quarterfinal Singles Match on day eight at the Wimbledon Tennis Championships in London Tuesday, July 11, 2017. (AP Photo/Alastair Grant)

Johanna Konta: Ganz Grossbritannien hat sie ins Herz geschlossen. Bild: Alastair Grant/AP/KEYSTONE

Dank dem neusten Tennis-Darling träumt Grossbritannien 40 Jahre später wieder 

Lange 77 Jahre musste Grossbritannien bei den Männern auf den nächsten Wimbledon-Sieg warten. Bis Andy Murray 2013 das Königreich erlöste. Jetzt warten die Briten seit 40 Jahren noch auf die nächste Frau. Johanna Konta könnte ihre Retterin sein.



Ganz Grossbritannien ist spätestens seit den Damen-Viertelfinals definitiv im Tennisfieber. Johanna Konta (WTA 7) bezwang in einem aufwühlenden Match nach 2:38 Stunden Simona Halep (WTA 2) 6:7 (2:7), 7:6 (7:5), 6:4. Erstmals nach 39 Jahren steht damit wieder eine Britin in Wimbledon im Halbfinal. Die 72-jährige Virginia Wade, welche 1978 in der Runde der letzten vier scheiterte, war in der Royal Box live mit dabei und sie sagte danach: «Es hat mich überrascht, dass es so lange dauerte.»

epa06082827 Johanna Konta of Britain in action against Simona Halep of Romania during their quarter final match for the Wimbledon Championships at the All England Lawn Tennis Club, in London, Britain, 11 July 2017.  EPA/NIC BOTHMA EDITORIAL USE ONLY/NO COMMERCIAL SALES

Johanna Konta: Erlöst sie Grossbritannien? Bild: NIC BOTHMA/EPA/KEYSTONE

Tatsächlich lag das Damentennis in Grossbritannien lange im Dornröschenschlaf. Wade ist seit Wimbledon 1977 die letzte Grand-Slam-Siegerin von der Insel. Beim French Open wartet man seit 1976 (Sue Barker), in Australien seit 1972 (Wade) und beim US Open gar seit 1968 (ebenfalls Wade) auf den nächsten Major-Titel. Die Aufregung erreicht noch nicht ganz die Ausmasse von Fred Perry, der 1936 als letzter Brite Wimbledon gewann, bis Andy Murray 2013 triumphierte. Aber die Euphorie ist spürbar.

Im Viertelfinal zwischen Konta und Halep war das Publikum zwar von Anfang an auf der Seite der Einheimischen, aber erst im Tiebreak des zweiten Satzes erreichte die Stimmung fast Davis-Cup-Ausmasse. Konta wurde nach vorne gepeitscht und jeder Punkt frenetisch gefeiert. (Unglücklicher) Höhepunkt waren zwei Zwischenrufe während den Ballwechseln. Der zweite beim Matchball.

abspielen

Simona Halep hört beim Matchball praktisch auf zu spielen, weil sie nach einem Zwischenruf irritiert war. Video: streamable

Als nächste Gegnerin wartet jetzt mit Venus Williams die fünffache Siegerin in Wimbledon. Trotzdem ist ganz Grossbritannien überzeugt, dass Konta den Titel holen kann. Die Gründe dafür werden in verschiedenen Medien gleich gelistet:

Dass Konta einen so raketenhaften Aufstieg hinlegen würde, konnte 2014 noch niemand ahnen. Damals erreichte sie erstmals die Top 100. 2015 war sie in den Top 50, 2016 in den Top 10. 2017 gewann sie mit Sydney und Miami ihre WTA-Turniere zwei und drei – und der erste Major-Titel ist nur noch zwei Siege entfernt. Gewinnt sie Wimbledon, hüpft sie im WTA-Race an die erste Stelle.

Johanna Konta, of Britain, returns the ball during the first set of her fourth round match against Petra Kvitova, of Czech Republic, at the U.S. Open tennis tournament in New York, Monday, Sept. 7, 2015.  (AP Photo/Kathy Willens)

Johanna Konta beim US Open 2015: Da konnte noch niemand ahnen, dass der Aufstieg so raketenmässig sein wird. Bild: Kathy Willens/AP/KEYSTONE

Doch wer ist Johanna Konta überhaupt? 1991 kam sie im australischen Sydney zur Welt. Als Tochter ungarischer Eltern besass sie die beiden Staatszugehörigkeiten. Mit neun Jahren fand sie zum Tennis, arbeitete danach verbissen an ihrem Spiel und träumte von grossen Erfolgen. «Ich hatte nicht viele Freunde. Vermutlich, weil ich immer besser als sie sein wollte», gestand sie einst. Und auch ihre Eltern forderte sie mit ihrem Lernwillen. Manchmal habe sie ihren Vater morgens um fünf Uhr aus dem Bett geholt, um trainieren zu können.

Mit 12 Jahren wurde Konta von Pete McCraw an einem Turnier entdeckt. Sie war in Australien damals nur die Nummer 388 ihrer Altersklasse, aber McCraw sah, was er selten sah. «Sie wärmte sich lange vor den Spielen auf, war besessen von Details und war mit vollem Herzblut dabei», erklärte er einmal. Mit 14 Jahren durfte Konta für 15 Monate nach Barcelona ins Training.

Während dieser Zeit entschieden ihre Eltern, nach Europa zu ziehen, um ihre Tochter besser fördern zu können. Sie landeten 2006 in Eastbourne in Südengland. 2012 wurde Konta eingebürgert und sofort entschied sie sich auch, für ihre neue Heimat zu spielen. 

Ein Foto mit ehemaligen Soldaten – das freut alle.

Als Britin erhielt sie 2012 und 2013 eine Wildcard für Wimbledon. Sie schied aber jeweils in der Startrunde aus. Genauso wie 2014 und 2015. Im letzten Jahre feierte die Rechtshänderin ihren ersten Sieg auf dem heiligen Rasen, ehe sie in Runde 2 ausschied. 

Eine gute Geschichte gibt es aus dem gleichen Jahr vom Australian Open zu berichten. Als Konta erstmals in die Schlagzeilen rückte und die Australier sie für sich wollten, antwortete sie: «Es ist schön, dass ihr euch für meine Wurzeln interessiert. Aber Ich bin sehr glücklich, dass ich Grossbritannien repräsentieren darf. Dort machte ich die entscheidenden Schritte. Meine Heimat ist Grossbritannien. Dort ist mein Herz.»

abspielen

Man hört es noch: Konta spricht nicht mit dem typischen britischen Akzent. Video: YouTube/azzeddine zaami

Die Briten werden sie für diese Aussage lieben. Nicht so wie bei Andy Murray, der noch immer gerne unterstreicht, dass er in erster Linie Schotte sei. Die letzte britische Siegerin Virginia Wade sagte nach dem Viertelfinal auf jeden Fall schon mal: «Es ist schön, dass ich noch immer die letzte britische Wimbledon-Siegerin bin, aber es wäre noch schöner, wenn wir viele britische Siegerinnen hätten.»

Video: srf

Die besten Bilder von Wimbledon 2017

Das könnte dich auch interessieren:

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Roger Federer streicht Miami

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Die Schweizer Klubs und das Warten auf Sport vor Fans – falls die überhaupt wieder kommen

Ein Australian-Open-Final in einer fast vollen Rod-Laver-Arena mit Fans teils ohne Maske. Die Super Bowl mit 25'000 Zuschauern. Solche Happenings wecken auch in der Schweiz Lust auf Emotionen in den Stadien.

Genau ein Jahr ist es her: St.Gallen - Young Boys (3:3) vor mehr als 19'000 Zuschauern in der Super League. Im Hockey kamen in der 48. Runde zum bedeutungslosen Qualifikationsspiel zwischen Lausanne und Langnau (3:1) 8500 Fans. Und der FC Basel qualifizierte sich vor 14'500 Zuschauern gegen APOEL Nikosia für die Achtelfinals in der Europa League.

Seither spielen die Profis mit Ausnahme von vier Wochen im Oktober vor leeren Rängen – und der Schweizer Spitzensport (und nicht nur der …

Artikel lesen
Link zum Artikel