«Das ist so unwirklich» – Gemperle gewinnt erneut das Transcontinental Race
«Dieses Gefühl, dass ich eben gerade in Trondheim gestartet bin und nun hier sitze, so weit im Süden Europas, ist so unwirklich.» Robin Gemperle sagte das als Sieger des Transcontinental Race, der am schnellsten das Ziel im griechischen Kalamata erreicht hat. 10 Tage, 8 Stunden und 55 Minuten benötigte der Aargauer für die Strecke.
Das TCR beginnt mit einem Massenstart und gibt auf dem Weg ins Ziel keine Route vor. Die Teilnehmenden müssen lediglich an mehreren Checkpoints aufkreuzen und bestimmen die Wege dorthin selber. Wählen sie die kürzere Route über einen Berg – oder nehmen sie auf einer längeren Strecke zusätzliche Kilometer in Kauf?
Täglich 450 km im Sattel
Auch die Pausen sind selbstbestimmt. Geschlafen wird im Wartehäuschen einer Bushaltestelle, an einer Tankstelle, manchmal unter freiem Himmel. Lange sind die Pausen selten, wenn man siegen will. Gemperle pedalte durchschnittlich über 450 Kilometer am Tag, um von Trondheim via Flåm (Norwegen), Hohe Tatra (Slowakei), Trebevic (Bosnien-Herzegowina) und Leskovik (Albanien) nach Kalamata zu gelangen.
4694,7 Kilometer legte Gemperle, der das Ziel am Donnerstagmorgen erreichte, laut seinem Tracker zurück. «Wenn man im Ziel ist, spürt man erst richtig, welche Strecken man mit einem Velo zurücklegen kann, und das bereitet mir grosse Freude», hielt er fest.
Stets am Plan festgehalten
Sein Erfolg war ein Start-Ziel-Sieg, wie die Organisatoren schreiben: «Von Beginn an legte er ein Tempo vor, das niemand sonst fahren konnte.» Nach 24 Stunden hatte Gemperle schon 675 Kilomter auf dem Tacho.
Selbst als sein Vorsprung auf dem Balkan geringer wurde, zog er laut den Ausrichtern stets seinen Plan durch. «Anstatt nach Perfektion zu streben, vertraute er auf den Prozess, der ihn zu einem der gefürchtetsten Konkurrenten im Ultra-Radsport gemacht hat.» Den zweitplatzierten Nicolas Chatelet aus Frankreich schlug Gemperle um rund sieben Stunden.
Der 30-Jährige hatte das TCR vor zwei Jahren bereits einmal gewonnen und auch bei anderen grossen Events triumphiert. «Es war das erste Mal, dass ich ein Rennen, bei dem ich schon gesiegt hatte, nochmals bestritt», sagte er. «Für mich persönlich gibt es hier jetzt nicht mehr allzu viel zu erreichen.» (ram)
