Sport
Velo

Tour-Stars wehren sich nach Vingegaard-Aus gegen nächtliche Dopingtests

Jonas Vingegaard gibt die Tour de France 2026 nach einem Sturz in der 15. Etappe auf
Vingegaard steigt nach seinem Sturz ins Auto des Tour-Arztes.Bild: srf

«Unmenschlich», «respektlos» – Tour-Stars wehren sich gegen nächtliche Dopingtests

Der Sturz und das verletzungsbedingte Ausscheiden von Jonas Vingegaard an der Tour de France setzt eine Debatte in Gang. Fahrer äusserten ihr Unverständnis.
20.07.2026, 13:2820.07.2026, 13:28

Er wollte über die Ursache für seinen verhängnisvollen Sturz «nicht spekulieren». Und doch tat Vingegaard nichts anderes, als er frisch geduscht vor dem Teamhotel «Ferme du Lac» in Thyez ein knappes Statement abgab und damit die hitzige Debatte über nächtliche Dopingkontrollen bei der Tour de France weiter befeuerte.

Vingegaard war am Sonntag während der 15. Etappe zu Fall gekommen und hatte dabei einen Schlüsselbeinbruch erlitten. In der Nacht zuvor war er von den Dopingkontrolleuren aus dem Schlaf gerissen worden.

Fehlte dem zweimaligen Tour-Sieger beim Malheur im Kreisverkehr womöglich die Konzentration? «Man kann wohl sagen, dass es sicher nicht förderlich war. Ob das der Grund ist, darüber wage ich nicht zu spekulieren. Es mag durchaus eine Rolle gespielt haben», sagte Vingegaard dem dänischen Sender TV2.

Evenepoels Plan bei einem Besuch zur Unzeit

Der Aufschrei bei den Stars der Branche war jedenfalls gross. «Unmenschlich», «Schande», «respektlos» – selbst die grössten Rivalen Tadej Pogacar und Remco Evenepoel solidarisierten sich mit dem Pechvogel. Lance Armstrong, der grösste Dopingsünder der Radsport-Geschichte, meldete sich ebenfalls zu Wort. «Sie klopften an die Tür und weckten ihn mitten in der Tour de France. Zwei Uhr morgens – das ist eine Frage der Menschenrechte. Ich bin sprachlos», sagte der Amerikaner in seinem Podcast, wenngleich er sicher nicht als bester Fürsprecher für die heutige Generation taugt.

Doppel-Olympiasieger Evenepoel fand nach seinem Etappensieg klare Worte. «Ich kann nur sagen, dass es ziemlich respektlos ist, die Fahrer mitten in der Nacht zu wecken. Kontrollen um zwei und fünf Uhr morgens sind etwas, das wir als Fahrer eigentlich nicht hinnehmen können. Es ist schlicht unmenschlich, uns mitten in der Nacht aus dem Schlaf zu reissen», sagte der Belgier und bezeichnete die Vorgänge als «Schande».

Evenepoel fordert, dass die Fahrergewerkschaft CPA eingreift. Er wolle sich so etwas nicht gefallen lassen. «Ehrlich gesagt: Wäre mir das passiert, würde ich mein Team heute Nacht losschicken, um die Verantwortlichen ebenfalls um drei Uhr morgens zu wecken und sie am eigenen Leib spüren zu lassen, wie das ist – und ihnen mitten in der Nacht Blut abnehmen.»

Nächtliche Kontrolle auch bei Pogacar

Evenepoel konnte in der Nacht zum Sonntag gut schlafen. Bei Vingegaard klopfte es indes um zwei Uhr an der Tür, Tadej Pogacar war um fünf Uhr dran. «Nach einer Nacht, bei der der Schlaf ruiniert wird, liegt es vielleicht daran. Seine Tour ist ruiniert. Es ist wirklich traurig», sagte Pogacar. «Schlaf ist wichtig. Die Erholung des Körpers ist entscheidend. Wenn man auch nur ein bisschen die Konzentration verliert … Und die Passage dort, bei der Jonas stürzte, war wirklich gefährlich.»

Dopingkontrollen finden in der Regel zwischen 6.00 Uhr und 23.00 Uhr statt. Nächtliche Kontrollen sind seit zehn Jahren zwar auch möglich, unterliegen aber strengeren Richtlinien; sie werden beispielsweise vorgenommen, wenn konkrete Verdachtsmomente vorliegen.

Die Kontrollen haben Vertreter der International Testing Agency (ITA) durchgeführt. Nach Angaben des niederländischen Visma-Teams, dem Vingegaard angehört, haben die Leute der ITA diese Tests auf Anweisung oder mit Genehmigung der französischen Anti-Doping-Agentur (AFLD) abgehalten. (ram/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Tour de France: Perlen aus unserem Archiv
1 / 41
Tour de France: Perlen aus unserem Archiv
Der Baske Igor González de Galdeano und der aus Galicien stammende Marcos Serrano lauschen einer TV-Reporterin. Sie lauschen mit den Augen ...
quelle: ap / peter dejong
Auf Facebook teilenAuf X teilen
So feiert Spanien den Weltmeistertitel
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
22 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
stronghelga
20.07.2026 14:42registriert März 2021
Ausgerechnet Lance Armstrong beklagt die Behandlung der Fahrer? Der Mann, der den Radsport jahrelang mit einer Apotheke auf zwei Rädern verwechselte, gibt plötzlich den Hüter der Menschenrechte. Genau mein Humor.

Vielleicht sollte er sich einfach in seine Villa zurückziehen und stricken. Das steht ihm deutlich besser als moralische Belehrungen.
207
Melden
Zum Kommentar
22
Jens Voigt stürzt fürchterlich und gibt drei Tage später ein obercooles Interview
21. Juli 2009: Bei Tempo 80 produziert die deutsche Radlegende Jens Voigt einen der schwersten Stürze der Tour-de-France-Geschichte. Schon die Sturzbilder gehen um die Welt. Sowieso aber das Interview drei Tage später: Der Unglücksrabe ist sichtlich lädiert, aber beispiellos optimistisch.
Eine kleine Bodenwelle ist es nur, in der Abfahrt vom Kleinen Sankt Bernhard, in der 16. Tour-Etappe. Aber sie ist heimtückisch und bei hohem Tempo ausreichend, um Jens Voigt aus der Spur zu tragen. Mit 80 Sachen rast der Saxo-Bank-Fahrer Richtung Ziel, Richtung Bourg-Saint-Maurice. Mit ihm in der Verfolgergruppe: Tour-Leader Alberto Contador.
Zur Story