«Die Frage nervt mich» – Tour-Direktorin über das viel tiefere Preisgeld bei den Frauen
Trotz einer Enttäuschung für die Bernerin Marlen Reusser endete die Tour de France der Frauen am Sonntag mit einem halben Schweizer Erfolg. Die seit längerer Zeit in der Zentralschweiz lebende Niederländerin Demi Vollering sicherte sich nach neun Etappen den Gesamtsieg.
Vollering erhält dafür eine Siegprämie in der Höhe von 50'000 Euro. Das ist ein Zehntel der Summe, die der Männer-Sieger vor wenigen Wochen erhalten hat: Tadej Pogacar kassierte für seinen fünften Gesamtsieg an der Frankreich-Rundfahrt eine halbe Million Euro.
Der falsche Vergleich
Pogacar und Co. bestritten 21 Etappen und somit mehr als doppelt so viele wie die Frauen. Auf diese Tatsache wies Tour-Direktorin Marion Rousse wiederholt hin. «Die Frage nach den Siegprämien begleitet mich seit der ersten Auflage der Tour de France Femmes, und das nervt mich ehrlich gesagt etwas», sagte sie schon vor der Tour der Deutschen Welle.
Es sei schwierig, einen Wettbewerb mit 21 Renntagen und einen mit neun zu vergleichen. Und wenn man dies trotzdem machen wolle, dann sehe man, dass die Frauen durchaus gut da stünden: «Im Vergleich zu Paris-Nizza oder dem Critérium du Dauphiné ist die Prämie bei der Tour der Frauen höher als bei den Männern.» Bei jenen ähnlich langen Rennen, die wie die Tour de France von der ASO organisiert werden, erhält der Sieger jeweils 16'000 Euro.
Führungswechsel prägen die Tour
Die Tour de France der Männer ist wesentlich traditionsreicher, sie fand zum 113. Mal statt, und sie hat eine globale Ausstrahlung, die über den Radsport hinaus geht. Die Frauen haben nun gerade die fünfte Ausgabe der Neuzeit hinter sich. Rasch hat sich die Tour de France auch bei ihnen zum wichtigsten Rennen des Jahres entwickelt.
Marlen Reusser war mit ihrem Sieg im Zeitfahren nach der 4. Etappe ins Leadertrikot geschlüpft. Sie verlor es am Freitag, als Kasia Niewiadoma-Phinney es sich mit ihrem Solosieg auf dem Mont Ventoux schnappte. Demi Vollering nahm ihr das Maillot Jaune am Samstag bereits wieder ab und verteidigte es am Schlusstag mit ihrem zweiten Etappensieg in Folge souverän. Reusser hingegen verlor früh den Anschluss, büsste auch wegen eines Sturzes Zeit ein und fiel noch vom Podest. Die mit grossen Ambitionen gestartete 34-Jährige beendete die Tour auf Rang 14. (ram)
