Südkorea hat eigenen Fall Timmy: Bukangi steckt in Kanal fest und wird zum Publikumsmagneten
Während sich die Wogen rund um Buckelwal Timmy in Europa allmählich glätten, erlebt Südkorea sein eigenes Meerestier-Drama. Und das mit vielen Parallelen zu Timmy. Seit Mitte September steckt in einem Kanal in der Stadt Busan ein 3,5 Meter langer Grauhai fest. Das Weibchen wurde von Fans Bukangi getauft und zieht seither Tausende Besucher in die Hafenstadt.
Zunächst hatten die Behörden zugewartet. Sie hofften, dass Bukangi von selbst wieder ins offene Meer findet. Doch irgendwann wuchs die Sorge um ihre Gesundheit, weshalb man mehrere Versuche unternahm, den Hai zurück in die Freiheit zu begleiten. Doch wie schon bei Buckelwal Timmy misslangen bisher alle Versuche.
Am Mittwoch wurde deshalb ein neuer Anlauf genommen: Bukangi sollte mithilfe von Netzen, die an Pontons befestigt wurden, Richtung Meer gelotst werden. Tatsächlich gelang es den Rettern, den Hai so ins Meer hinaus zu begleiten. Doch in der Nacht folgte der Rückschlag: Bukangi war unter einer Netzsperre hindurch zurück in den Kanal geschwommen. Neun Stunden Rettungsaktion für nichts.
Am Donnerstag soll nun Versuch Nummer vier folgen. Bukangi soll erneut mit Netzen aus dem Kanal geleitet werden, die Sperren wurden mittlerweile ausgebessert.
Gleichzeitig wächst die Sorge um Bukangis Gesundheit. Seit September wurde sie nicht mehr beim Fressen beobachtet. Mittlerweile habe der Hai Mühe, das Gleichgewicht zu halten, heisst es laut Guardian von Seiten der Behörden. Ausserdem liegt die Wassertemperatur im Kanal derzeit beim Minimum dessen, was solche Haie bevorzugen. Ein Hai-Experte der Kunsan National University erklärt laut der Zeitung «Hankyoreh», dass Bukangi in den nächsten zwei Wochen an Hunger, Unterkühlung oder wegen Verletzungen sterben könnte.
Ein weiterer Umstand erinnert stark an den Fall Timmy: Bukangi zog in den vergangenen Wochen Abertausende Schaulustige nach Busan. Mitte Oktober stattete auch der südkoreanische Präsident Lee Jae Myung dem Hai einen Besuch ab. In den Läden rund um den Kanal klingeln die Kassen. Laut Medienberichten zog Bukangi bereits über 1,6 Millionen Besucherinnen und Besucher an.
Tierschützer prangern derweil den Klimawandel als Ursache an. Wegen der steigenden Meerestemperaturen würden viele Meerestiere weiter Richtung Norden wandern und mit ihnen die Haie, die sich von ihnen ernähren. Tatsächlich sollen in der ersten Jahreshälfte schon viermal so viele Haie an der südkoreanischen Ostküste gesichtet worden sein wie im Vorjahr. (vro)
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