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Reaktion der Märkte auf die US-Midterms: Aktien fahren Achterbahn

Aktien mit Achterbahn, Erneuerbare im Hoch: So reagieren die Märkte auf die Midterms

Der Ausgang der Midterm-Wahlen in den USA bewegt die Märkte. Ein Überblick über die ersten Reaktionen.
04.11.2026, 12:1604.11.2026, 12:19

Was zunächst nach einer deutlichen negativen Reaktion der Märkte auf den ebenso deutlichen Sieg der Demokraten aussah – Aktien sackten ab, der US-Dollar verlor an Wert, Gold war wieder gefragt –, drehte sich über Nacht ins Gegenteil.

Resultieren dürften daher unter dem Strich statt einer extremen Reaktion nur leichte Verschiebungen.

Aktienkurse: Börsen machen Kehrtwende

Kurz nachdem klar war, dass die Demokraten beide Parlamentskammern erobern würden, reagierten die Aktienmärkte zunächst heftig und drehten weltweit klar ins Minus. Kurze Zeit später gab es allerdings eine Kehrtwende – und es resultierte praktisch überall eine V-Kurve.

Die heftigste Reaktion zeigten dabei die asiatischen Börsenmärkte, die im Gegensatz zu denjenigen in der westlichen Hemisphäre geöffnet waren. Der japanische Nikkei-Index verlor zunächst über 4 Prozent, am Ende waren es lediglich 1,4 Prozent. Der südkoreanische Kospi-Index drehte bei Börsenschluss gar ins Plus, nachdem auch er über 3 Prozent nachgegeben hatte.

Asien sei «nicht besonders gut darin, politische Risiken oder Nachrichten aus den USA zu verarbeiten», erklärte sich ein Experte der Bank BNP Paribas gegenüber der Financial Times die starken Reaktionen und fügte hinzu, der Markt habe «überreagiert».

Die Hauptlast der ersten Reaktion trugen die Technologieaktien. Sie zeigen sich in jüngster Zeit ohnehin sehr volatil. Der Grund: Die horrenden Ausgaben der Tech-Giganten für KI-Infrastruktur werden zunehmend kritisch beäugt, gleichzeitig sind die Erwartungen an die Gewinne riesig. Damit verbunden stellen sich viele die Frage, wann die «KI-Blase» platzen könnte.

Auch in den USA sah es an den sogenannten Future-Märkten, wo auf zukünftige Gewinne oder Verluste spekuliert wird, lange nach einer heftigen negativen Reaktion aus. Expertinnen und Analysten waren denn auch schnell in ihrem Urteil, im Ausgang der Midterms eine schlechte Nachricht besonders für KI-lastige Börsentitel zu sehen: Laut Investoren würde «das Ausmass der Gewinne der Demokraten und die grossen Siege auf Bundesstaatenebene in KI-Zentren wie Texas den Bau neuer Rechenzentren wohl verlangsamen und könnten zu neuen Vorschriften für die Branche führen», schrieb die FT.

Inzwischen haben aber auch die US-Future-Märkte ihre Verluste wieder gutgemacht.

Auch in Bezug auf die Schweizer Börse, den Swiss Market Index (SMI), wurde zunächst ein klares Minus vorhergesagt. Bei der Eröffnung um 9 Uhr zeigte sich aber auch hier eine Kehrtwende. Mittlerweile liegt der SMI mit über 0,5 Prozent im Plus. Ebenso liegen fast sämtliche Börsen in Europa derzeit im Positiven.

Beruhigung aus dem Anleihenmarkt

Dass sich die Lage auf den Aktienmärkten wieder ins Positive drehte, hat laut der Nachrichtenagentur Bloomberg auch mit dem Anleihenmarkt zu tun. So haben die Renditen auf sämtlichen langfristigen US-Staatsanleihen, die sogenannten Bond Yields, nachgegeben. Die Renditen verhalten sich invers zum Preis: Geben sie nach, bedeutet das eine stärkere Nachfrage.

Es ist meistens der Fall, dass Anleihenrenditen sinken, wenn Aktien fallen. Laut Bloomberg hätten sie nach den Midterms aber auch eine positive Nachricht gesendet:

«Anfangs sahen Anleger in einer Welle der Demokraten einen möglichen Rückschlag für die Aktienmärkte, da damit strengere behördliche Kontrollen zu erwarten waren, insbesondere für wachstumsstarke Technologie- und KI-Unternehmen. Diese Bedenken wichen später der Stützung durch sinkende Anleiherenditen und der Zuversicht, dass die US-Wirtschaft weiterhin auf soliden Beinen steht.»

Mit anderen Worten: Dass die langfristigen Bond Yields sinken, kommt einer zumindest leicht gestiegenen Zuversicht in die Zukunft der USA gleich. So könnte die Kontrolle der Demokraten in beiden Parlamentskammern auch bedeuten, dass die Schuldenlast, die durch Präsident Trump zuletzt deutlich angestiegen ist, weniger schnell anschwillt. Das würde das Vertrauen in US-Staatsanleihen, das jüngst deutlich angeknackst war, wieder anheben.

Als gutes Zeichen für den Aktienmarkt und die künftige wirtschaftliche Entwicklung wurde derweil auch Trump selbst genannt: Kurz nachdem er bekanntgab, einen demokratischen Sieg an den Midterms «zu akzeptieren» und bereit sei, mit dem politischen Gegner zusammenzuarbeiten, begann an vielen Märkten die Kehrtwende. Gut möglich, dass auf Trumps Reaktion ein Aufatmen folgte – dies, nachdem ihm offenbar sämtliche erratischen Reaktionen zugetraut worden waren.

Währungen: US-Dollar bleibt tiefer

Dem widersprechen allerdings etwas die Bewegungen an den Devisenmärkten. Nachdem sich ein Sieg der Demokraten abgezeichnet hatte, verlor die US-Währung mit den Aktienmärkten deutlich an Wert. Doch während sich die Aktienkurse ins Positive drehten, blieb der US-Dollar-Index, der die Währung im Vergleich zu einem festen Korb aus sechs Weltwährungen misst, im Minus.

Das könnte daran liegen, dass die meisten anderen Währungen positiv auf die Meldungen aus den USA reagierten. Insbesondere der Schweizer Franken legte über Nacht zunächst zu. Allerdings hat auch die hiesige Währung, die in turbulenten Zeiten als «sicherer Hafen» gilt, wieder etwas nachgelassen – derzeit resultieren daraus keine grossen Veränderungen.

Gegenüber anderen Währungen bleibt der US-Dollar jedoch auf tiefem Niveau. Das «Wall Street Journal» schreibt dazu:

«Die Währungen jener Volkswirtschaften, die die Hauptlast von Präsident Trumps Handelskriegen überstanden haben, profitierten davon: Der Euro, der kanadische Dollar und der mexikanische Peso legten gegenüber dem Dollar zu.»

Kryptowährungen: Bitcoin unbeeindruckt

Der Kurs des Bitcoin hat sich von den US-Zwischenwahlen nicht beeindrucken lassen. Am Mittwochvormittag notiert der Bitcoin bei rund 78'245 Dollar, nachdem er kurz nach Bekanntgabe der ersten Wahlergebnisse kurzzeitig noch unter die Marke von 76'000 Dollar abgesackt war. In den letzten 24 Stunden legte die «Krypto-Leitwährung» damit sogar rund 1,7 Prozent an Wert zu.

Damit zeigt sich der Kryptomarkt vom Wahlerfolg der Demokraten bei den Midterms weitgehend unbeeindruckt. Marktbeobachter erklären die eher ruhige Entwicklung damit, dass ein Sieg der Demokraten bereits im Vorfeld als sehr wahrscheinlich galt und somit nahezu vollständig eingepreist wurde.

Der Wahlausgang konfrontiert die US-Kryptobranche indes mit einer veränderten politischen Einstellung in der US-Politik gegenüber dem Kryptomarkt. Während US-Präsident Trump sich immer wieder positiv zur Kryptowelt geäussert hatte, gelten die Demokraten generell eher als zurückhaltend. So rechnen Branchenkenner nun damit, dass parlamentarische und regulatorische Massnahmen wie etwa der branchenfreundliche Clarity Act künftig auf deutlich grösseren Widerstand im US-Parlament stossen könnten.

Erneuerbare Energien im Aufwind

Interessant ist auch der Blick auf den Markt für erneuerbare Energien. Aktien aus diesem Bereich legten laut Bloomberg sowohl in Asien und Europa als auch im US-Vormarkt klar zu. Anleger würden davon ausgehen, dass eine demokratische Mehrheit Unternehmen in der Lieferkette für saubere Energie – darunter Solar- und Batteriehersteller – zugutekomme, während der traditionelle Energiesektor darunter leiden dürfte, so die US-Nachrichtenagentur.

Deutlich zugelegt haben demnach etwa Betreiberinnen von Windparks, etwa in Dänemark, aber auch Solartechnologie-Firmen aus Südkorea und Europa. Ähnlich gut sieht es im vorbörslichen Handel für entsprechende US-Firmen aus.

Ölpreise geben leicht nach

Die Ölpreise haben im Vergleich zum Vortag weiter nachgegeben. So kostet das Fass der Nordseesorte Brent derzeit unter 103 US-Dollar. Die Befürchtungen um eine neue Eskalation im Nahost-Konflikt schweben zwar weiter über den Märkten. Dennoch hat sich das Preisniveau des Öls im Vergleich zur letzten Oktoberwoche, als noch Preise zwischen 115 und 118 Dollar bezahlt wurden, markant reduziert.

Gold profitiert

Profitiert von den Midterm-Wahlen hat unter anderem auch Gold: Der Goldpreis in Dollar stieg im Nachgang teilweise um bis zu 3,1 Prozent – laut Bloomberg der stärkste Anstieg seit August. Die Gründe dafür dürften beim Dollar und den Renditen für US-Staatsanleihen liegen, die beide nachgaben: Niedrigere Renditen kommen dem Gold zugute, da es keine Zinsen abwirft, während eine schwächere US-Währung das Edelmetall für die meisten Käufer erschwinglicher macht.

(Mit Material der Nachrichtenagentur Keystone-SDA)

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