Plündern Russen ihre Bankkonten? So einfach ist es nicht
Vor wenigen Tagen vermeldeten zahlreiche internationale Medien, darunter die «Washington Post», der britische «Telegraph» und der «Spiegel», dass Russen Milliarden von ihren Konten abheben würden – aus Angst, der Kreml könnte private Gelder zur Finanzierung des Angriffskriegs in der Ukraine einziehen. Auch watson hat die Meldung aufgegriffen. So einfach ist es aber nicht, wie eine Richtigstellung des Spiegel zeigt.
«Weder räumen die Russen panisch ihre Konten leer, noch geraten die Banken in Schieflage», heisst es im «Spiegel». Genauso wenig sei Russlands Fähigkeit gefährdet, den Krieg gegen die Ukraine kurz- bis mittelfristig zu finanzieren.
Laut Daten der russischen Zentralbank wurden allein in den ersten zwei Augustwochen circa 286.4 Milliarden Rubel (über 2.7 Milliarden Franken) von Bankkonten abgehoben. Das hatte unter anderem die Washington Post berichtet. Die Gesamtsumme der Bankeinlagen russischer Privatkunden liegt laut dem «Spiegel» allerdings bei umgerechnet mehr als 640 Milliarden Franken. Zwar würden die Russen inzwischen mehr Geld abheben als noch im Jahr 2025, von einer Plünderung könne man aber nicht sprechen.
Some clarification on "Russians are withdrawing cash" - below you see cash in circulation (blue line). True, it has increased. But when you check deposits (green line), they have also increased. Russians are not withdrawing their money. The share of cash remained mostly the same. pic.twitter.com/8KG3fi0aJg
— Janis Kluge (@jakluge) August 20, 2026
Darum heben Russen mehr Bargeld ab
Enteignungsgerüchte machen schon seit Jahren immer mal wieder die Runde, sagt Ökonomin und Russlandexpertin beim Forschungsinstitut der finnischen Zentralbank BOFIT, Heli Simola, gegenüber dem «Spiegel». Grund für den aktuellen Bargeldanstieg seien etwa die erfolgreichen ukrainischen Drohnenangriffe im russischen Hinterland sowie die immer wieder auftretenden Ausfälle des Internets, wodurch es zu technischen Problemen bei digitalen Zahlungen komme.
Auch die Anfang Januar 2026 in Kraft getretenen Steuererhöhungen könnten mit dem Anstieg zusammenhängen, sagt Simola laut dem «Spiegel». So erhöhe die gestiegene Mehrwertsteuer die Preise, und damit auch den Bargeldbedarf der Russinnen und Russen beim Einkauf. Genauso erhöhe die allgemeine Unsicherheit die Bargeldnachfrage.
Trotzdem sind die russischen Banken weiter profitabel, zitiert der «Spiegel» Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Gleichzeitig würden die Spannungen innerhalb der russischen Volkswirtschaft wachsen. (hkl)
