Wirtschaft
International

Russland: Bankkonten plündern wegen Putin? So einfach ist es nicht

14.04.2026. Russia. Moscow. The girl withdraws money from an ATM. Natalia Shatokhina/NEWS.ru ShatokhinaxNatalia
Russinnen und Russen heben mehr Bargeld ab als im Jahr zuvor.Bild: www.imago-images.de

Plündern Russen ihre Bankkonten? So einfach ist es nicht

21.08.2026, 11:0321.08.2026, 11:03

Vor wenigen Tagen vermeldeten zahlreiche internationale Medien, darunter die «Washington Post», der britische «Telegraph» und der «Spiegel», dass Russen Milliarden von ihren Konten abheben würden – aus Angst, der Kreml könnte private Gelder zur Finanzierung des Angriffskriegs in der Ukraine einziehen. Auch watson hat die Meldung aufgegriffen. So einfach ist es aber nicht, wie eine Richtigstellung des Spiegel zeigt.

«Weder räumen die Russen panisch ihre Konten leer, noch geraten die Banken in Schieflage», heisst es im «Spiegel». Genauso wenig sei Russlands Fähigkeit gefährdet, den Krieg gegen die Ukraine kurz- bis mittelfristig zu finanzieren.

Laut Daten der russischen Zentralbank wurden allein in den ersten zwei Augustwochen circa 286.4 Milliarden Rubel (über 2.7 Milliarden Franken) von Bankkonten abgehoben. Das hatte unter anderem die Washington Post berichtet. Die Gesamtsumme der Bankeinlagen russischer Privatkunden liegt laut dem «Spiegel» allerdings bei umgerechnet mehr als 640 Milliarden Franken. Zwar würden die Russen inzwischen mehr Geld abheben als noch im Jahr 2025, von einer Plünderung könne man aber nicht sprechen.

Darum heben Russen mehr Bargeld ab

Enteignungsgerüchte machen schon seit Jahren immer mal wieder die Runde, sagt Ökonomin und Russlandexpertin beim Forschungsinstitut der finnischen Zentralbank BOFIT, Heli Simola, gegenüber dem «Spiegel». Grund für den aktuellen Bargeldanstieg seien etwa die erfolgreichen ukrainischen Drohnenangriffe im russischen Hinterland sowie die immer wieder auftretenden Ausfälle des Internets, wodurch es zu technischen Problemen bei digitalen Zahlungen komme.

Auch die Anfang Januar 2026 in Kraft getretenen Steuererhöhungen könnten mit dem Anstieg zusammenhängen, sagt Simola laut dem «Spiegel». So erhöhe die gestiegene Mehrwertsteuer die Preise, und damit auch den Bargeldbedarf der Russinnen und Russen beim Einkauf. Genauso erhöhe die allgemeine Unsicherheit die Bargeldnachfrage.

Trotzdem sind die russischen Banken weiter profitabel, zitiert der «Spiegel» Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Gleichzeitig würden die Spannungen innerhalb der russischen Volkswirtschaft wachsen. (hkl)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Innovativ und tödlich: Der Drohnenkrieg der Ukraine
1 / 18
Innovativ und tödlich: Der Drohnenkrieg der Ukraine

Die Ukraine wehrt sich erfolgreich gegen den Aggressor Russland, dabei spielen Drohnen eine zentrale Rolle. In dieser Bildstrecke geht es um Meilensteine und historische Wendepunkte...

quelle: keystone / alex babenko
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Schlägereien und lange Schlangen an Tankstellen – Russland fehlt das Benzin
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
27 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
27
Ukraine verbietet beliebte russische Kinderserie «Mascha und der Bär» – Kreml hässig
Die Ukrainer dürfen in ihrem Land nicht mehr die international bekannte russische Zeichentrickserie «Mascha und der Bär» sehen.
Die Regierung belegte die Filmemacher mit Sanktionen und bezeichnete die Trickfilme als eine Gefahr für die nationale Sicherheit.
Zur Story