SpaceX: Von der Schnapsidee zum Tech-Giganten
Es dreht sich wieder einmal alles nur ums Geld. Wird Elon Musk der erste Billionär? Wie reich könnte ich selbst werden, wenn ich jetzt investiere? Dabei steckt hinter der Grundidee von SpaceX viel mehr als nur der schnöde Mammon. Wie unsere Übersicht zeigt, hat sich SpaceX von dieser aber bereits vor Jahren selbst wegdiversifiziert.
Die Gründung
SpaceX wurde 2002 von Elon Musk gegründet, nachdem es ihm 2001 nicht gelungen war, in Russland eine Interkontinentalrakete zu erwerben. Mit einer solchen wollten er und der Raumfahrtingenieur Michael D. Griffin ein kleines Treibhaus auf den Mars schiessen – ein erster Schritt zur Kolonisierung des Planeten. Die Besiedelung des Mars sei eine nötige Versicherung der Menschheit gegen die Ausrottung. Das war Elon Musks Überzeugung – und ist sie vielleicht immer noch. Doch in der Prioritätenliste von SpaceX ist sie während der Jahre immer weiter nach unten gerutscht.
Die Erfahrungen in Russland überzeugten Musk, dass der Erwerb von Raketen ihn nicht weiterbringen würde, und der Gedanke reifte, aus Kostengründen selbst Raketen zu bauen: Damit war SpaceX geboren. Startkapital hatte Musk nach dem Verkauf von Paypal genug. Rund die Hälfte davon (ca. 100 Millionen US-Dollar) riskierte er für SpaceX.
Die Erfolge
Nach anfänglichen Schwierigkeiten schaffte SpaceX mit der Falcon 9 den Durchbruch. Die Trägerrakete verfügt über ein unerreichtes Preis-Leistungs-Verhältnis, was auch die Nasa auf den Geschmack brachte. Die US-Raumfahrtbehörde buchte ab 2008 zwölf erste Versorgungsflüge zur ISS für 1,6 Milliarden US-Dollar und wurde immer mehr zum lukrativen Kunden.
Bis Februar 2025 nahm SpaceX mit Verträgen mit der Nasa 13 Milliarden US-Dollar ein, was auch der Entwicklung der Falcon 9 zugute kam. Ausser der Soyuz-U (765 Starts in 44 Jahren) flog kein anderes System öfter ins Weltall (Falcon 9: 648 Starts in 16 Jahren). Fast jeden zweiten Tag erfolgt ein Start – im Juni waren es bisher vier (Stand 10. Juni 2026). Bei der Kadenz dürfte der Rekord der Soyuz im nächsten Jahr fallen.
SpaceX produzierte ein paar spektakuläre Explosionen. Doch das täuscht darüber hinweg, wie zuverlässig die Raketen sind. Die 648 Falcon-9-Starts besitzen eine Erfolgsquote von 99,55 Prozent und die aktuelle Version (Block 5) gar 99,83 Prozent (nur ein Misserfolg). Für schwerere Lasten kommt seit 2018 die grössere Falcon Heavy zum Einsatz. Zusammen mit der Dragon-Kapsel (für Lasten und Astronauten) bilden sie das Rückgrat des aktuellen Raumfahrtprogramms von SpaceX. In Zukunft soll die noch grössere Starship-Rakete die Falcon ablösen.
Die eigentliche Errungenschaft von SpaceX ist die Kostensenkung der Raumfahrt und die Konsistenz. PR-wirksamer waren aber Einzelaktionen:
- 2015 gelang es zum ersten Mal in der Geschichte der Raumfahrt, eine Trägerrakete ins All zu schiessen, die Fracht abzuladen und danach wieder auf ihrem Startplatz zu landen. Seither können verschiedene Teile der Raketen wiederverwendet werden. Das betrifft vor allem die Booster der ersten Stufe sowie ihre Verkleidungen oder Dragon-Kapseln. Bei über 570 Starts von Falcon-9-Raketen kam es später zu einer Wiederverwendung gewisser Bauteile.
- Bei einem Demonstrationsflug im Februar 2018 transportierte die damals stärkste kommerzielle Rakete, die Falcon Heavy, einen Tesla ins Weltall.
- Beim ersten Flugtest des Falcon-9-Nachfolgers Starship geriet die Riesenrakete ins Trudeln. Das löste den Selbstzerstörungsmechanismus aus. Die Riesenrakete explodierte unter dem Jubel der SpaceX-Mitarbeiter. Das Unternehmen wertete den Test als Erfolg.
- 2025 brachte SpaceX die ISS-Astronautin Sunita Williams und ihren Kollegen Butch Wilmore zurück zur Erde. Die beiden hätten nur acht Tage im All verbringen sollen. Wegen technischer Probleme ihres Raumschiffs wurden daraus mehr als neun Monate. Die «Rettung» war umso prestigeträchtiger, weil das fehlerbehaftete Raumschiff von der direkten Konkurrentin Boeing stammte – und SpaceX sich als goldener Retter präsentieren konnte.
Politisch rutschte Musks Hand aus. Wenn es um die Einstellung fähiger Ingenieure geht, beweist er aber immer wieder ein feines Händchen. Regelmässig nimmt er Leute unter Vertrag, die scheinbar Unmögliches möglich machen. Dazu gehört Tom Mueller. Der Raketeningenieur und Raumfahrt-Geek steht dem Südafrikaner in Sachen Spinnereien in nichts nach – und war frustriert, dass seine Ideen beim Grosskonzern TRW in den Gängen der Chefetage versickerten.
Mueller, auch als Employee #1 bekannt, konstruierte die ersten SpaceX-Triebwerke, die leichter, aber auch leistungsfähiger waren als diejenigen der Konkurrenz. Er verliess das Unternehmen 2014, um sein eigenes Startup zu gründen. Er baut heute sogenannte Raumschlepper, mit denen mehrere Satelliten ausgeliefert werden können.
Bevor Mueller das Unternehmen verliess, fand Musk 2011 mit dem Briten Lars Blackmore den richtigen Mann, um als erstes Unternehmen der Welt ein funktionierendes Landesystem für Trägerraketen zu entwickeln. Es macht das Unternehmen bis heute einzigartig und ist ein Grundpfeiler des Erfolgs von SpaceX.
Ebenfalls spektakulär: Ein Starship wird an seinem Startpunkt «aufgefangen»
Die anderen Zweige
Mittlerweile hat sich die Firma zu einem Techkonzern entwickelt. Ihre grösste Einnahmequelle ist nicht die Raumfahrt – sondern ein Produkt, das durch diese ermöglicht wurde: Das finanzielle Rückgrat von SpaceX bilden die über zehn Millionen Abonnenten für das Satelliten-Internet Starlink (das zu SpaceX gehört). Starlink sorgt für 50 bis 80 Prozent des Umsatzes (61 Prozent 2025).
Im Februar nahm Musk seine KI-Firma xAI unter das SpaceX-Dach und damit auch den KI-Chatbot Grok und das sogenannte soziale Netzwerk X (ehemals Twitter). Geld verdient er damit nicht – mindestens nicht direkt. Während die Konkurrenz wie ChatGPT (OpenAI), Gemini (Alphabet) und Claude (Anthropic) allesamt in diesem Jahr neue Userrekorde verzeichnet, verlor Musks Grok sogar an Nutzern. Das sorgt für ungenutzte Datencenter, die teuer vermietet werden können. Colossus ist eines davon. Eine erste Stufe des grössten KI-Trainingscomputers der Welt wurde 2024 in bloss 122 Tagen aus dem Boden gestampft. Die Konkurrenz staunte. «Man habe alles, was für Verzögerungen hätte sorgen können, in die eigenen Hände genommen», hiess es von Seiten von xAI – beispielsweise auch die Stromversorgung. Dafür wurden auf dem Gelände Methangasturbinen installiert. Die dafür benötigte Genehmigung hatte xAI nicht. Ein typischer Musk-Move. Beim Bau der Gigafactory in Deutschland rammte Tesla über 100 Betonpfähle im Trinkwasserschutzgebiet in den Boden. Ebenfalls ohne Erlaubnis.
Aktuell wird Colossus komplett von Konkurrent Anthropic gemietet. Erst kürzlich unterzeichnete auch Google einen Mietvertrag für xAI-Rechenleistung. Das bringt SpaceX bis 2029 beinahe eine Milliarde (920 Millionen US-Dollar) ein – pro Monat. Ob sich damit der Abstand zur KI-Konkurrenz verringern lässt, steht allerdings in den Sternen.
2024 wurde bekannt, dass SpaceX neben der kommerziellen Variante Starlink auch an einem Satellitenprogramm für die Regierung arbeitet. Das Projekt mit dem Namen Starshield bietet ein Netzwerk von (Spionage)-Satelliten, die für Aufklärungszwecke oder verschlüsselte Datenübertragung genutzt werden können. Laut des «Wall Street Journal» soll SpaceX dafür 1,8 Milliarden US-Dollar von der US-Regierung erhalten haben.
Kein Gewinn, dafür Schulden
In den letzten 20 Jahren flossen alleine von der US-Regierung 18 Milliarden US-Dollar Steuergelder in Richtung SpaceX. Weil der Konzern privat war, musste er seine Zahlen nicht öffentlich machen. Bekannt ist, dass bis 2021 ein Schuldenberg von fünf Milliarden US-Dollar angehäuft wurde. In der Zeit waren Regierungsaufträge mit deutlichem Abstand noch die Haupteinnahmequelle von SpaceX (2020: 83,8 Prozent, 2021: 76 Prozent).
Vor dem Börsengang musste das Unternehmen seine Zahlen veröffentlichen. Im ersten Quartal 2026 schrieb SpaceX bei einem Umsatz von 4,7 Milliarden US-Dollar 4.3 Milliarden Verlust. Dies primär wegen Investitionen in neue KI-Infrastruktur und in die Entwicklung des Starship. Der einzige Bereich, der operativ einen Gewinn erwirtschaftete, ist Starlink.
Dazu muss SpaceX verkraften, dass die geplante Mondlandung 2027 von der Nasa verschoben wurde. Statt spektakulär auf dem Himmelskörper zu landen, umfliegt die Crew bei einem reinen Testflug nur die Erde. Trotz des Rückschlags wird am Freitag ein Rekordbörsengang erwartet. Übrigens: Aktuell besitzt Elon Musk 42 Prozent von SpaceX. Von den Aktien mit Stimmrechten gehören ihm 79 Prozent.
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