SpaceX vor Börsengang: Was die offengelegten Berichte über die Firma zeigen
An grossen und gewagten Plänen fehlt es Musk nicht: Er will den Mars besiedeln, spricht von einer Stadt auf dem Mond und von KI-Rechenzentren im All. Der Multimilliardär setzt darauf, dass Investorinnen und Investoren an seine Visionen glauben werden: SpaceX will bei dem Börsengang Medienberichten zufolge eine Bewertung von rund zwei Billionen Dollar anstreben. Mit demnach erhofften Erlösen von bis zu 80 Milliarden Dollar wäre es der mit Abstand grösste Börsengang.
Angaben von SpaceX dazu wird es erst später geben. Der Börsengang wird laut Medienberichten für Mitte Juni angepeilt. SpaceX hatte die Aktienplatzierung zunächst vertraulich beantragt, ohne Geschäftszahlen vorzulegen.
SpaceX schreibt Milliardenverluste
Im ersten Quartal dieses Jahres schrieb SpaceX einen Verlust von 4,28 Milliarden Dollar bei rund 4,7 Milliarden Dollar Umsatz.
Und im vergangenen Jahr gab es rote Zahlen von rund 4,94 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 18,67 Milliarden Dollar. Ein Grund für das Minus sind die hohen Kosten für die Entwicklung der grossen Rakete Starship.
Gegenüber BBC erklärt eine Expertin: Dass ein Projekt wie dieses Verluste macht, «sei nicht überraschend – selbst zum Zeitpunkt des Börsengangs». Denn: Entscheidend sind die Erwartungen der Investoren in die Pläne von SpaceX. Ob sich diese erfüllen werden, kann noch nicht abgeschätzt werden.
Wie Bloomberg berichtet, gibt es aber auch zahlreiche Analystinnen und Beobachter, welche die zuvor diskutierten Bewertungen von weit über 1,25 Billionen Dollar für schwer zu rechtfertigen halten. Grund für ihre Zweifel sind frühere Finanzberichte von SpaceX, die zeigten, dass dessen Einnahmen hauptsächlich von Starlink stammten und dass Musks KI-Firma xAI einen hohen Cash Burn verzeichnete. Das heisst: eine hohe Geschwindigkeit, mit der die finanziellen Mittel der Firma aufgebraucht werden, bevor sie wieder neu finanziert werden muss. Gemäss diesen Berichten betrug der Cash Burn von xAI vor der Übernahme durchschnittlich eine Milliarde Dollar pro Monat.
Musk hat die Kontrolle
Tech-Milliardär Musk kontrolliert SpaceX dem Börsenprospekt zufolge mit einem Stimmrechtsanteil von gut 85 Prozent. Grundlage dafür sind Aktien mit mehr Stimmrechten. Laut dem Prospekt wird Musk auch nach dem Börsengang das Sagen haben.
Musk könnte Billionär werden
Aufgrund der Anteile, die er an SpaceX halten wird, könnte der Börsengang den Milliardär Musk, der bereits der reichste Mensch der Welt ist, zu einem Billionär machen.
SpaceX bewertet sich selbst mit 1,25 Billionen Dollar, und da Musk die Mehrheit an dem Unternehmen hält, könnte sein Anteil mehr als 600 Milliarden Dollar wert sein. Im vergangenen Jahr war Musk, der auch Chef des Elektroautoherstellers Tesla ist, bereits der erste Mensch, dessen Vermögen die Marke von 500 Milliarden Dollar überschritt. Der Börsengang von SpaceX könnte damit sein Gesamtvermögen auf über eine Billion Dollar steigern.
Der Finanzdienst Bloomberg schätzt sein Vermögen aktuell auf rund 667 Milliarden Dollar.
Raketen und KI
SpaceX spielt mit seinen Raketen eine Schlüsselrolle für das amerikanische Raumfahrtprogramm. Das Unternehmen betreibt zudem den Satelliten-Internetdienst Starlink. Musk brachte in SpaceX auch seine KI-Firma xAI samt der Online-Plattform X ein. Der Konzern wurde bei dieser Fusion laut Medienberichten insgesamt mit 1,25 Billionen Dollar bewertet.
Weitere Details zum SpaceX-Geschäft, die nun erstmals bekannt wurden:
- Starlink ist ein zentraler Geldbringer: Im ersten Quartal stammten aus dem Geschäft mit Satelliten-Internet Erlöse von 3,26 Milliarden Dollar. Starlink hat inzwischen rund 10,3 Millionen Kundinnen und Kunden in 164 Ländern.
- In die Riesen-Rakete Starship investierte SpaceX insgesamt mehr als 15 Milliarden Dollar. SpaceX geht davon aus, dass die Rakete nach Abschluss aller Tests im zweiten Halbjahr kommerzielle Flüge machen kann. Sie soll die Kosten für die Beförderung ins All deutlich senken. Mit Starship sollen auch Starlink-Satelliten in die Umlaufbahn gebracht werden, mit denen Internet aus dem All direkt auf Smartphones nutzbar wird.
- Starship, das als die leistungsstärkste Rakete aller Zeiten beworben wird, ist für Musks Pläne von entscheidender Bedeutung: Im Bericht wird darauf hingewiesen, dass mögliche Verzögerungen oder Misserfolge bei der Entwicklung ein Risiko für die Zukunft des Unternehmens darstellen könnten.
- Die KI-Firma Anthropic, die sich jüngst ein ganzes Rechenzentrum von SpaceX mietete, zahlt dafür 1,25 Milliarden Dollar im Monat. Der Deal läuft vorerst bis Mai 2029.
Die Rechenzentren im All
Jüngst gab Musk bekannt, dass xAI kein eigenständiges Unternehmen mehr sei, sondern seine KI-Produkte wie den Chatbot «Grok» unter der Marke SpaceXAI vermarkten werde. Der Multimilliardär stellt für die Zukunft KI-Rechenzentren im All in Aussicht. Die Idee dahinter ist, dass die Sonne dort viel Energie liefern kann und die Kühlung im All einfacher ist. Skeptiker verweisen allerdings auf Probleme wie die erheblichen Aufbaukosten sowie die Strahlung, die Schaltkreise beschädigen könne. (lak/sda/dpa)
