Wirtschaft
Japan

Tech-Aktien brechen ein: Nikkei verliert über 4 Prozent

A person walks in front of an electronic stock board showing Japan's Nikkei index at a securities firm Friday, July 17, 2026, in Tokyo. (AP Photo/Eugene Hoshiko)
Japan Financial Markets
Der Nikkei sinkt am Freitag an der Börse in Tokio um über vier Prozent.Bild: keystone

Hohe Verluste bei Tech-Aktien in Asien – Nikkei verliert massiv

Die wichtigsten Aktienmärkte in Fernost haben am Freitag deutlich nachgegeben. Marktteilnehmer begründeten die schlechte Stimmung einerseits mit einer neuen Angriffswelle der USA gegen den Iran – aber auch mit einem sich abzeichnenden Ausverkauf bei den Tech-Aktien.
17.07.2026, 10:0117.07.2026, 10:09

Die technologielastigeren Börsen in Fernost stehen unter Druck. Während in Südkorea wegen eines Feiertags kein Handel stattfand, büsste der japanische Nikkei 225 vier Prozent auf 64'141,12 Punkte ein. Damit lag er deutlich unter dem Niveau von vor einer Woche. Im Handelsverlauf lag der Index zeitweise mehr als sechs Prozent im Minus.

Dies auch, weil der Aktienkurs des japanischen Chipherstellers Kioxia am Freitag ganze 16 Prozent einbüssen musste. Nachdem das Unternehmen die höchste Marktkapitalisierung an der japanischen Börse erreicht hatte, hat sich diese binnen eines Monats wieder halbiert.

Der Verkaufsdruck griff auch auf die chinesischen Börsen über. Der CSI-300-Index mit den wichtigsten Werten der chinesischen Festlandsbörsen sank zuletzt um 2,3 Prozent, während der Hang-Seng-Index der Sonderverwaltungszone Hongkong um 1,8 Prozent nachgab. Der technologielastige taiwanesische Markt büsste sogar über 6 Prozent ein.

Der australische Leitindex S&P ASX 200 tendierte dagegen vergleichsweise stabil und verlor lediglich 0,5 Prozent auf 8796,70 Punkte. Hier zahlte sich die fehlende Technologielastigkeit aus.

Iran-Eskalation und Tech-Ausverkauf

«Eine toxische Mischung aus der Angst vor den Folgen eines weiter eskalierenden Iran-Krieges und damit vor steigenden Zinsen holt die Investoren aus den Aktien», stellte Marktanalyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets fest.

Hinzu kamen aber auch die anhaltenden Verluste im KI- und Halbleitersektor. Sie sind das jüngste Anzeichen, dass Anlegerinnen und Investoren die hohen Kursbewertungen einiger Tech-Unternehmen hinterfragen. So beschreibt es die Financial Times.

«Anleger fürchten sich vor Ansteckungseffekten durch etwas, was den Anschein einer immer schneller rollenden Verkaufslawine im KI- und Chipsektor zu machen scheint», so Jochen Stanzl, Marktanalyst der Consorsbank. «Auch vermeintlich gute Nachrichten aus der Berichtssaison werden ignoriert und haben sich nicht als kurzfristiger Rettungsanker für die sich immer weiter eintrübende Stimmung erweisen können.»

Das ist auch an der US-Börse sichtbar: Bereits am Donnerstag sind die Kurse diverser Hersteller von Chips und Festplatten sowie weiteren auf der KI-Welle reitenden Firmen gesunken. Der US-Leitindex Nasdaq sank am Donnerstag um 1,5 Prozent. Die Festplatten-Hersteller Sandisk, Western Digital und Seagate verloren über 9 Prozent, die Chiphersteller Intel und Micron sanken um 6 Prozent.

Der KI-Boom, begleitet von Aktienkursen weit über der tatsächlichen wirtschaftlichen Leistung von Unternehmen, wird somit von Anlegern zunehmend in Frage gestellt. Wie das Wall Street Journal schreibt, schichten Investoren derzeit ihr Geld in andere Branchen um, wie dem Gesundheitswesen oder dem Transportsektor.

IBM mit massivem Einbruch

Bemerkenswert war der Kurseinbruch bei IBM: Am Dienstag brach der Aktienkurs des IT- und Beratungsunternehmens um mehr als 20 Prozent ein. Dies, nachdem es eine Gewinnwarnung herausgegeben hatte. Seine Kunden setzten gemäss eigenen Aussagen weniger auf IBM und mehr auf den Ausbau von KI-Infrastruktur. Nicht einmal beim Crash des Black Monday 1987 war der Kurssturz des Unternehmens so hoch.

Beim IBM-Konzern fielen die Erl�se im vierten Gesch�ftsquartal um 6,5 Prozent auf knapp 20,4 Milliarden Dollar. (Archivbild)
IBM musste diese Woche eine Gewinnwarnung herausgeben.Bild: sda

Das zeigt: Die Erwartungen an die Tech-Giganten sind riesig – und für diese möglicherweise zu hoch, um sie überhaupt erfüllen zu können. Dazu passt: Der taiwanesische Halbleiter-Produzent TMSC berichtete am Donnerstag über eine Gewinnsteigerung von 77 Prozent pro Quartal sowie eine weitere Investition von 100 Milliarden Dollar in den Ausbau der Produktion in den USA. Die Aktie sank am Freitag in Taiwan aber trotzdem um über 7 Prozent.

Tech-Giganten wie Google, Amazon, Microsoft, aber auch Anthropic und OpenAI investieren Milliarden in den Bau von KI-Rechenzentren. Während chinesische KI-Startups aufzuholen scheinen, fragen sich Investoren, wann die neuen Datenzentren Gewinn abwerfen und inwiefern die hohen Kurse gerechtfertigt sind. Bis dies geklärt ist und um ihre Portfolios zu schützen, scheinen viele Anlegerinnen und Investoren derzeit ihr Geld in andere Sektoren umzuschichten. (nil/lak/sda/awp)

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