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Geschnittene Früchte in einer Filiale der französischen Supermarkt-Kette Géant Casino. Bild: screenshot twitter

Shitstorm wegen Tomatenhälften in Plastik – doch Konsumenten lieben Obst-to-go

Immer wieder erzürnen aufwändig verpackte Lebensmittel die Konsumenten. Das jüngste Beispiel kommt aus Frankreich, wo eine Supermarktkette wegen geschnittener Tomaten in der Kritik steht. Doch die Nachfrage nach geschnittenen Obst- und Gemüsestücken ist auch in der Schweiz gross.



Nur wenige hundert Meter von der schweizerisch-französischen Grenze entfernt schiesst Cemil Sanli zwei Fotos  die seither im Internet die Runde machen. Der Franzose entdeckt beim Einkaufen im Supermart Géant Casino in Annemasse bei Genf eine Packung mit drei halbierten Tomaten für 3.20 Euro.

Das Gemüse liegt in einer Hartplastikschale und ist mit Cellophan verschweisst. Ein weiteres Foto zeigt ein ganzes Kühlregal voller ähnlich verpackter Früchte und Gemüse für den sofortigen Verzehr. Allein auf Twitter wurde das Bild 2500 Mal geteilt und von zahlreichen Usern unter ihrem eigenen Namen übernommen. Auch auf Facebook sorgt es für Aufsehen.

Gegenüber France Info empörte sich Sanli, dass die in der Abteilung «Salatbar» aufliegenden Tomatenhälften – aufs Kilo hoch gerechnet kosten sie 7 Euro – in unmittelbarer Nähe der normalen, unverpackten Tomaten verkauft werden, die wesentlich günstiger sind.

Ein Sprecher von Géant Casino verteidigte das Produkt: «Geschnittene Früchte und Gemüse entsprechen einem Trend bei den Konsumenten.» Das erleichtere den Konsumenten das Kochen und spare Zeit. Deshalb würden in manchen Filialen gewisse Früchte und Gemüse vor Ort von den Mitarbeitern geschnitten und verpackt. 

Öpfelschnitzli-Gate bei Migros

Auch in der Schweiz sorgte vor kurzem ein ähnliches Foto für Aufruhr. Die Migros Aare verkaufte testweise in 20 Filialen in Plastik verpackte Apfelschnitze. Nach negativen Reaktionen nahm sie das Produkt aber bereits nach rund drei Wochen wieder aus dem Angebot, wie Radio Energy berichtete

Zahlreiche ähnliche Produkte liegen allerdings weiter in den Regalen – etwa Wassermelonen-Schnitze, in mundgerechte Happen unterteilt. «Der Convencience-Trend ist ungebrochen», sagt Coop-Sprecherin Andrea Bergmann dazu. Vor allem im Sommer seien geschnitten abgepackte Früchte und Gemüse sehr beliebt.

Ähnlich tönt es bei Migros-Sprecherin Alexandra Kunz: «Wir stellen fest, dass die Konsumenten Früchte und Gemüse, welche bereits zum Verzehr bereit sind, sehr schätzen.» Die beiden Detailhandels-Riesen geben keine konkreten Umsatzzahlen bekannt.

«Unser Sortiment richtet sich in erster Linie nach dem Kundenbedürfnis», sagt Coop-Sprecherin Bergmann. Dabei achte Coop aber jeweils auch auf eine optimale, möglichst ökologische Verpackung. Diese habe jedoch diverse Funktionen zu erfüllen – etwa den Schutz des Produktes zu gewähren und eine längere Haltbarkeit zu ermöglichen. «Deshalb muss die gewählte Lösung in einer ganzheitlichen Sicht sinnvoll sein.»

«Striktes Flugverbot»

Auch bei Lidl Schweiz richtet sich «die Sortimentsgestaltung stets nach den Wünschen und Bedürfnissen unserer Kunden», wie Sprecherin Corina Milz mitteilt. Aus ökologischen Gründen verzichte Lidl allerdings bewusst auf gewisse Produkte. Der Umwelt zuliebe bestehe «ein striktes Flugverbot für das gesamte frische Obst- und Gemüsesortiment», weshalb man keine Artikel führe, die eingeflogen werden müssten. 

Kaufst Du manchmal auch geschnittene Früchte, Obst oder Gemüse?

Auch die Migros nehme manchmal Produkte aufgrund ökologischer Überlegungen nicht ins Sortiment auf – oder  wieder aus dem Regal: «Die Sortimentsgestaltung der Migros orientiert sich an unserer Nachhaltigkeitsstrategie», sagt Sprecherin Alexandra Kunz.

Bei Aldi verweist man darauf, dass in den Filialen ausser fertigen Salatschalen derzeit keine weiteren Artikel wie geschnittenes, verzehrfertiges Obst- oder Gemüse angeboten werde: «Insbesondere, da das Kundenbedürfnis niedrig und die Ware schnell verderblich ist», wie Aldi Suisse-Sprecher Philippe Vetterli sagt.

Reduktionsziele überall

Alle vier Detailhändler verweisen auf ihre Anstrengungen, Verpackungsmaterial zu reduzieren und ökologisch nachhaltiger zu machen. Bei der Migros etwa sind tagtäglich mehrere Fachexperten im Einsatz, die die Verpackungen laufend optimieren. Potenzial sieht man insbesondere bei Mehrweglösungen. Bis 2020 will man so 6000 Tonnen Verpackungsmaterial optimieren.

Bei Coop sollen bis 2020 jährlich mindestens 4000 Tonnen Verpackungen eingespart werden. Dazu setzt man etwa auf den Offenverkauf im Take-Away-Verkauf. Bio-Früchte und -Gemüse werden wo immer möglich unverpackt oder mit einer ökologischen Verpackung angeboten. Nylonnetze von sämtlichen Lagerzwiebeln, Schalotten und Knoblauch würden durch Cellulose-Netze ersetzt, heisst es bei der Medienstelle.

Aldi Susse habe sich im Rahmen der Corporate Responsibility-Grundsätze verpflichtet, Abfall bestmöglich zu vermeiden. Gemäss Sprecher Philippe Vetterli prüfe man regelmässig Möglichkeit für umweltfreundlicheres Verpackungsmaterial: «Wir sind offen für innovative Lösungen, etwa aus biobasierten Kunststoffen oder bioabbaubaren Kunststoffen»

Lidl Schweiz will bis 2025 den Plastikanteil von Verpackungen um mindestens 20 Prozent reduzieren. Zudem sollen bis 2025 alle Kunststoffverpackungen vollständig recyclingfähig konzipiert werden. Bis Ende 2019 verzichtet der Discounter auf den Verkauf von Einwegplastikartikeln wie etwa Trinkhalme, Einwegbecher und Plastik-Teller und -Besteck. Stattdessen sollen Produkte aus alternativen und recyclebaren Materialienangeboten werden. Als nächsten Schritt will Lidl dann auch im Convenience- und Getränkebereich auf Einwegprodukte verzichten.

«Wenn die Natur nur einen Weg finden würde, diese Orangen zu verpacken, damit wir nicht so viel Plastik brauchen würden»: Dieser Tweet wurde im Jahr 2016 über 100'000 Mal geliked und stiess eine hitzige Debatte über «Whole Foods» an.  

Der grosse Plastik-Selbsttest der watsons

Video: watson/Lya Saxer

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