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Ist die KI-Blase jetzt geplatzt? 7 Fragen und Antworten

epa13358072 A financial data screen in the dealing room of Hana Bank in Seoul, South Korea, 06 November 2026, shows the benchmark Korea Composite Stock Price Index having fallen 324.11 points, or 6.02 ...
Besonders in Asien mussten die Börsen Federn lassen. Im Bild Zahlen zum südkoreanischen Aktienindex Kospi. Bild: keystone

Ist die KI-Blase jetzt geplatzt? 7 Fragen und Antworten

06.11.2026, 12:0406.11.2026, 12:58

Tech-Aktien weltweit erleben seit den Midterm-Wahlen in den USA einen Ausverkauf. Die wichtigsten Fragen zum Ausmass, zu den Gründen – und wie es jetzt (vielleicht) weitergeht.

Wie gross ist das Ausmass?

Das kommt auf die Betrachtung an. Für den jeweils einzelnen Tag war das Ausmass riesig. Nachdem die Börsen in Asien bereits deutlich tiefer geschlossen hatten, zeigten sich am Donnerstag besonders in den USA grosse Verluste, so bei den drei grössten Aktienindizes:

  • Nasdaq-100: minus 6,3 Prozent
  • Dow Jones: minus 3,4 Prozent
  • S&P 500: minus 4,3 Prozent

Im Falle des Nasdaq war es laut Financial Times der grösste Einbruch seit der Corona-Pandemie. Auch in Europa verloren die Börsen wieder etwas an Schwung. Am Donnerstag hielten sich die Verluste mit meist unter einem Prozent noch in Grenzen.

Am Freitag setzten sich die Verkäufe zumindest in Asien, wo die Börsen seit dem frühen Morgen Schweizer Zeit bereits wieder schlossen, weiter fort:

  • Nikkei-Index (Japan): minus 6,6 Prozent
  • Kospi-Index (Südkorea): minus 6 Prozent
  • Taiex (Taiwan): minus 4,5 Prozent
  • Shanghai Composite Index: minus 1,1 Prozent

Japan verzeichnete damit den grössten Tagesverlust seit April 2025, in Südkorea wurde der Handel kurzzeitig ausgesetzt, nachdem der Kospi-Index über 8 Prozent verloren hatte. Am Freitagmorgen sahen sich bei Eröffnung dann auch die meisten Börsen in Europa mit Verlusten konfrontiert.

Auch in Anbetracht des an der Börse «vernichteten» Geldes sind die Verluste enorm. So wurden am Donnerstag in den USA alleine über drei Billionen US-Dollar an Marktwert von Unternehmen vernichtet.

Allerdings muss man die Vorgeschichte betrachten. In den Wochen und Monaten zuvor hatte ein Börsenrekord den anderen gejagt. Es sind also Verluste auf sehr hohem Niveau. Sämtliche Aktienindizes befinden sich seit Jahresbeginn noch immer im Plus. Und der Dow Jones etwa wurde lediglich auf das Niveau, das er noch im Sommer hatte, zurückgeworfen. Allerdings können sich die Verluste noch weiter ausdehnen.

Welche Aktien verlieren besonders?

Es sind in allererster Linie Aktien in Verbindung mit künstlicher Intelligenz. Am meisten verloren haben unter anderem Nvidia (-9 Prozent), Sandisk (-22,2 Prozent), Oracle (-7,6 Prozent), Broadcom (-10 Prozent), Micron (-17 Prozent), Intel (-6,9 Prozent).

Dass vor allem KI-Aktien verlieren, zeigt sich besonders deutlich am PHLX Semiconductor Index, der die 30 grössten in den USA gehandelten Unternehmen abdeckt, die vor allem Halbleiter entwickeln, herstellen oder vertreiben. Am Donnerstag verlor der Index über 12,5 Prozent.

SK Hynix und Samsung Electronics, die beiden weltweit grössten Hersteller von Speicherchips, verzeichneten Kursverluste von 10,8 beziehungsweise 6,4 Prozent.

Einen rabenschwarzen Tag erlebten auch die beiden Unternehmen von Elon Musk: Die Tesla-Aktie brach um mehr als 10 Prozent ein. Auch das Unternehmen SpaceX musste grosse Verluste einstecken. Die Aktien verloren etwas mehr als 9 Prozent.

Die Frage ist nun, ob sich die Verluste auch auf Nicht-Techaktien ausweiten. Zumindest am Donnerstag und in den USA sah es danach aus. Gemäss CNN war der Ausverkauf weit verbreitet: Alle 11 Sektoren des S&P 500 schlossen im Minus. Laut Financial Times gibt es auch in Europa, wo Tech-Aktien viel weniger dominant sind, bereits Anzeichen dafür: Man sehe eine ein generelles, sogenanntes De-Resking, also die Abkehr von eher riskanten Aktien und das Kaufen von sicheren Anlagen.

Kommt das überraschend?

Jein. Zum einen war eine sogenannte Korrektur – also ein Abwärtstrend nach den überaus grossen Gewinnen zuvor – erwartet worden. Und dass die Midterm-Wahlen Bewegungen an den Märkten auslösen würden, ebenso.

Allerdings verzeichneten viele Börsen, darunter auch der Schweizer Swiss Market Index (SMI), noch am Tag zuvor neue Höhen. Es sah daher so aus, als hätten sich die Verluste kurz nach der «Blauen Welle» in den USA wieder ins Gegenteil verkehrt. Wall-Street-Händler seien eigentlich davon ausgegangen, dass sich die «Kursrallye [also die Phase der Kursgewinne] nach Ende der Wahl wieder fortsetzen würde», so Bloomberg. Dies, weil die damit verbundenen Unsicherheiten nun beseitigt waren.

Doch wer genauer hinschaute, sah bereits dort: Seit den Wahlen haben gerade die Tech-Aktien fast durchgehend nachgegeben. Die Aufwärtsbewegungen am Mittwoch verzeichneten vor allem Nicht-Tech-Aktien.

Weil viele davon ausgehen, dass es der Ausbau der KI-Infrastruktur durch die zahlreich gewählten Demokratinnen und Demokraten künftig schwer haben dürfte, kommt diese Entwicklung nicht überraschend. Viele von ihnen haben in ihrem Wahlkampf versprochen, Datencenter-Projekte verhindern oder verlangsamen zu wollen – ein beliebtes Versprechen, da diese bei US-Amerikanerinnen und -Amerikanern zunehmend unbeliebt wurden. Zudem kann davon ausgegangen werden, dass die Demokraten eher auf eine strengere Regulierung der KI-Firmen drängen werden.

Gibt es noch weitere Gründe?

Laut Wall Street Journal sei die verzögerte Reaktion der Wall Street auf die Wahl zum Teil auf den starken Rückgang der Ölpreise am Mittwoch zurückzuführen. Nachdem Trump und Vizepräsident JD Vance eingeräumt hatten, dass der Krieg mit dem Iran die politischen Aussichten der Republikaner getrübt habe, erholten sich die Ölpreise. «Dies weckte vorübergehend die Hoffnung der Anleger, dass die Inflation, die die Gehälter der Amerikaner schmälert, nachlassen würde», schreibt das WSJ.

Am Donnerstag jedoch stiegen die Ölpreise erneut, was den «Weg für einen Ausverkauf ebnete». Hintergrund waren wohl iranische Angaben, wonach erneut mehrere Tanker in der Strasse von Hormus beschädigt wurden.

Wo geht das Geld jetzt hin?

In als sicher und risikoarm geltende Investitionen. Dazu gehören auch Staatsanleihen, die zuletzt allerdings arg unter Druck gerieten. Profitiert hat laut Bloomberg zudem der indische Markt, sowohl in Bezug auf Aktien als auch auf Staatsanleihen.

Laut Wall-Street-Journal boomte zudem der Optionen-Markt, also Produkte, anhand derer auf ein kurzfristiges Fallen von Aktien gewettet werden kann.

Dass am Donnerstag auch Nicht-Tech-Aktien verloren, weist auf ein generelles Verkaufen von Aktien hin. Das unterscheidet sich von einem Umschichten innerhalb von Aktien, was laut Bloomberg auf eine «echte Marktangst» hindeutet.

Kann jetzt von einem Platzen der Blase gesprochen werden?

Das ist die grosse Frage, die sich jetzt viele stellen. Die kurze Antwort: Man kann es noch nicht sagen. Erst die Entwicklung über die nächsten Tage und vielleicht sogar Wochen wird es zeigen. Schliesslich ist der Ausverkauf dieser Tage bereits der dritte innert weniger Wochen. Und in den USA zeichnen sich laut den Futures-Märkten, wo auf zukünftige Gewinne oder Verluste spekuliert wird, bereits wieder Entspannungen ab.

Fakt ist: Dass viele Aktien überbewertet sind, dass Techunternehmen die Börsenbewegungen (zu) stark dominieren und es irgendwann zu einer Korrektur kommt, daran zweifelt mittlerweile niemand mehr.

Eine Frage, die sich jetzt stellt, ist deshalb: Werden wir von einem «Platzen der Blase» sprechen – oder von Luft, die langsam, aber stetig «entweicht»? Erste Einschätzungen von Expertinnen und Analysten dazu gehen auseinander.

Diesmal sehe es nach einer echten Panik aus, schreibt etwa Bloomberg: «Seit Monaten machen sich Investoren Sorgen über eine lange Liste von Risiken, die den Geldsegen der Ausgaben für künstliche Intelligenz gefährden könnten. Diese Woche haben sie den Panikknopf gedrückt.»

Es könne gut sein, dass die US-Wahlen nun der Auslöser für eine monatelange Korrektur seien, schreibt am Freitag auch eine Financial-Times-Journalistin. Wie ein echter Crash aussehen könnte, dazu äusserte sich in der FT ein Analyst vom Forschungsinstitut TS Lombard. Er schätzt, dass ein Worst-Case-Szenario die US-Aktien um mindestens 30 Prozent einbrechen lassen und Kreditverluste in Höhe von bis zu 200 Milliarden Dollar auslösen könnte. Ein solches Szenario wäre begleitet von einer «Welle» von Zahlungsausfällen bei technologiebezogenen Schulden.

Allerdings ist nicht klar, dass der Sieg der Demokraten und damit eine Entschleunigung der Entwicklungen tatsächlich so schlecht ist für die Zukunft der KI-Industrie. Schliesslich war es gerade der Umstand, dass die grossen Tech-Giganten zu viel und zu schnell in die KI-Infrastruktur investieren, der die Investorinnen und Anleger zuletzt so nervös machte.

«Ich glaube nicht, dass hier eine KI-Blase platzt», sagte etwa ein langjähriger Marktbeobachter und Präsident von Yardeni Research gegenüber diversen Medien. «Ich denke, es handelt sich um eine KI-Blase, aus der sehr, sehr schnell Luft entweicht. Und ich glaube, dass dies die Wahrscheinlichkeit verringert, dass es zu einem Platzen der Blase kommt, das negative Folgen für die Wirtschaft und das Finanzsystem insgesamt hätte.»

Wie es weitergeht, hängt denn auch massgeblich von anderen Faktoren ab: Wie entwickeln sich der Ölpreis, die Inflation und damit verbunden die Zinsen? Wie extrem werden die Schulden der Tech-Giganten ins Gewicht fallen, wie stark ist die Vernetzung der Firmen untereinander tatsächlich und wie verbreitet werden wir Zahlungsausfälle beobachten? Fast sicher ist: Es muss an den Märkten weiterhin mit starken Schwankungen gerechnet werden.

Wie sieht es in der Schweiz aus?

Die Schweiz ist wegen der geringen Gewichtung der Technologiefirmen bisher nicht so stark vom Ausverkauf betroffen. Dabei half die defensive Ausrichtung mit den Pharma-Schwergewichten Roche und Novartis sowie dem Lebensmittelriesen Nestlé.

Doch verschont blieb auch der hiesige Aktienmarkt nicht. Am Freitag bei Börsenstart verlor auch der SMI: Der Schweizer Leitindex sackte gegen 9.45 Uhr um 1,6 Prozent ab auf 14'726 Punkte. Fast alle Einzelwerte gaben nach. Der SMI hatte vor dem Tech-Einbruch neue Höchststände markiert.

(Mit Material der Nachrichtenagenturen Keystone-SDA und AWP)

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