Wirtschaft
Schweiz

Konkurse nehmen im Halbjahr auch wegen Gesetzesänderung massiv zu

Firmenkonkurse im Mai klar gesunken - "Konkurs-Tsunami" erwartet. (Archiv)
Konkret erhöhten sich die Unternehmens-Insolvenzen in den ersten sechs Monaten um knapp 55 Prozent auf 7496 Fälle.Bild: sda

Konkurse nehmen im Halbjahr auch wegen Gesetzesänderung massiv zu

In der Schweiz hat sich die Zahl der Konkursfälle von Firmen im ersten Halbjahr 2026 massiv erhöht. Die Zunahme ist teils wirtschaftlich begründet und teils einer Gesetzesänderung geschuldet.
12.08.2026, 10:3612.08.2026, 10:43

Denn seit Anfang 2025 sind öffentliche Gläubiger wie Steuer- und Sozialversicherungsbehörden verpflichtet, offene Forderungen konsequenter über Betreibungsverfahren durchzusetzen. Dies erkläre einen Teil des Anstiegs, teilte der Wirtschaftsinformationsdienst Dun & Bradstreet am Mittwoch mit.

Konkret erhöhten sich die Unternehmens-Insolvenzen in den ersten sechs Monaten um knapp 55 Prozent auf 7496 Fälle. Dies sei der höchste Stand seit 1994, also seit über 30 Jahren. Setzte sich dieses Tempo fort, könnte im Gesamtjahr ein Rekordwert von rund 15'000 Insolvenzen resultieren, nach knapp 11'900 im Vorjahr.

«Der Anstieg in der Schweiz ist nur zum Teil wirtschaftlich bedingt», wird in der Mitteilung Dirk Radetzki zitiert, Senior Vice President, Global Transformation & Business Development bei Dun & Bradstreet Deutschland. Somit sei auch die Vergleichbarkeit mit früheren Jahren nicht mehr gegeben. Ein Teil der heute erfassten Fälle wäre unter den alten Regeln nie in einem Konkursverfahren gelandet.

Wirtschaftlich gesehen treiben laut Radetzki die weiterhin hohen Finanzierungskosten sowie eine schwächere Nachfrage in Teilen des Bau-, Handels- und Gastgewerbes den Anstieg der Konkurse.

Handwerk, Gastgewerbe und Einzelhandel mit den meisten Insolvenzen

Auf Branchenebene meldeten das Handwerk (1053), das Gastgewerbe (770) und der Einzelhandel (626) die meisten Insolvenzen an. Zugenommen hat deren Zahl aber in praktisch allen Branchen mit Ausnahme des Baugewerbes. Prozentual am stärksten wuchsen die Fallzahlen im Druck- und Verlagsgewerbe, im Versorgungs- und im Transportwesen.

Regional gesehen verzeichneten bis auf Schwyz alle Kantone mehr Insolvenzen als in der Vorjahresperiode.

Auffällig ist zudem, dass etablierte Unternehmen stärker von Insolvenzen betroffen waren als jüngere. Am meisten litten Unternehmen mit mehr als zehn Jahren Marktpräsenz, gefolgt von denen, die zwischen fünf und zehn Jahren am Markt aktiv sind. Je länger ein Unternehmen am Markt sei, desto grösser sei demnach sein Risiko, im aktuellen Umfeld insolvent zu werden, lautet die Folgerung von Dun & Bradstreet.

«Dass es in der Schweiz nahezu alle Kantone und Branchen gleichzeitig trifft, ist ungewöhnlich und verstärkt das Bild eines systemischen statt branchenspezifischen Effekts», so Radetzki. Die Gesetzesreform mache jene Fälle sichtbar, die wirtschaftlich schon lange am Limit gewesen seien, oft langjährige Betriebe mit wenig Spielraum für weitere Belastungen. (sda/awp)

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