Trotz Trump und starkem Franken: Roche baut in der Schweiz 100 Stellen auf
Verliert die Schweiz den Anschluss im Kampf um die Pharma-Milliarden? Diese Frage stellt sich spätestens, seit Donald Trump die hiesigen Unternehmen Roche und Novartis massiv unter Druck setzt. Und das mit Erfolg. Die Firmen beugen sich, indem sie die Preise senken und Unsummen in neue US-Fabriken investieren.
Bei den Stellen zumindest gibt Roche-Chef Thomas Schinecker Entwarnung. Anlässlich der Präsentation der Halbjahreszahlen erklärte er am Donnerstag, man habe in der Schweiz im letzten halben Jahr 100 Vollzeitstellen zusätzlich aufgebaut. Global seien gar 400 Jobs dazu gekommen.
Trotz gewisser Restrukturierungen arbeiten unter dem Strich also mehr Leute bei Roche als vor einem halben Jahr. Der Konzern zählt hierzulande 15'600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die meisten davon in Basel und Kaiseraugst AG. Dort hat das Unternehmen auch den Grossteil der 100 neuen Schweizer Jobs geschaffen.
Vom Aufbau profitiert vor allem Basel
«Natürlich schauen wir immer, wo wir unsere Mittel am effizientesten einsetzen», sagte Schinecker. Damit meint er, dass regelmässig die Zahl der Jobs und die Stellenprofile überprüft werden. In der Forschungsabteilung habe man im vergangenen Jahr beispielsweise 1,3 Milliarden Franken in die vielversprechendsten Projekte umgeschichtet.
Einen Umbau hat Roche auch in einer Diagnostiksparte vorgenommen und kleinere Standorte ausserhalb der Schweiz aufgelöst. Die Massnahmen treffen hierzulande auch den Standort Rotkreuz ZG, wo eine zwei- oder dreistellige Anzahl Stellen wegfallen soll.
Insgesamt, so die Botschaft des Roche-Chefs, ist die Schweiz nach wie vor ein zentraler Standort. Und damit das so bleibt, lobbyiert Thomas Schinecker an vorderster Front für Standortmassnahmen. Dazu gehören höhere Medikamentenpreise in der Schweiz. Diese sollen die Abschläge in den USA abfedern. Denn der US-Präsident hat die hiesigen Entschädigungen für neue Medikamente als Referenz auserkoren.
Die Folgen des neuen Regimes von Donald Trump zeigen sich bei Roche noch dieses Jahr. Ende 2026 erwartet der Konzern die Zulassung für sein Brustkrebsmedikament Giredestrant. Als sogenannter Blockbuster soll es Milliardeneinnahmen bringen.
Während Roche den Preis in den USA zunächst frei setzen wird, beginnt danach die harte Arbeit: Damit der US-Preis nicht wieder fällt, muss Roche die Referenzländer, darunter die Schweiz, vom Wert dieses neuen Medikaments überzeugen. Wie Roche diese Verhandlungen angeht, verriet Schinecker nicht. «Ich führe viele Gespräche mit der Schweizer Regierung. Wir wollen Giredestrant in der Schweiz lancieren.» Die Frage ist also, ob man sich preislich mit den Behörden finden kann.
Neben dem Preisdruck beschäftigt Roche derzeit der starke Franken. Anders als der Lokalrivale Novartis weist Roche seine Zahlen in Franken aus. Im ersten Halbjahr erzielte der Konzern einen Umsatz von 30,3 Milliarden Franken. Das ist ein Minus von 2 Prozent. In konstanten Wechselkursen resultiert ein Plus von 6 Prozent. Der Betriebsgewinn sank in Franken um 1 Prozent, wobei währungsbereinigt eine Zunahme von 10 Prozent erzielt wurde.
Die Zahlen zeigen den deutlichen Wechselkurseffekt, weil die meisten Verkäufe in Dollar erfolgen. Dieser Gegenwind soll allerdings in den nächsten zwei Quartalen kaum mehr eine Rolle spielen. Damit sich die Zahlen besser mit den amerikanischen Konkurrenten vergleichen lassen, gibt Roche seine Kennzahlen neu zusätzlich in Dollar bekannt. «Man muss Äpfel mit Äpfeln vergleichen», sagte Thomas Schinecker.
Einmal mehr wird klar, dass für die Pharmabranche an den USA kein Weg vorbeiführt. (schweizheute.ch)
